Letzte Fassadenteile vom Barthel fallen

Heilbronn  Bis zum Wochenende ist das ehemalige Kaufhaus in Heilbronn abgebrochen. Insgesamt müssen rund 11.500 Tonnen Bauschutt abtransportiert werden. So geht es dann an der Allee weiter.

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Die letzten Fassaden-Teile des ehemaligen Heilbronner Kaufhauses fallen. Foto: Christiana Kunz

Der 28. Oktober 2020 ist für das Stadtbild von Heilbronn ein bedeutendes Datum: Nach 56 Tagen kontrollierter Abbrucharbeiten fallen häppchenweise kurz nach 9 Uhr die ersten Teile der Fassadenwand des ehemaligen Kaufhauses Barthel an der Allee. In den letzten Wochen hatte sich der Bagger der Heilbronner Abbruchfirma SER aus Richtung Kiliansplatz Meter für Meter in das Gebäude vorgearbeitet. Am Ende der Woche wird das gesamte Gebäude Geschichte sein. Als letztes Zeugnis wird der 27 Meter hohe rosafarbene Aufzugsschacht fallen.

Filigranarbeit ist auf den letzten Metern angesagt

Trotz des Einsatzes eines 100 Tonnen schweren Baggers, dessen Schneideschere einen Druck von etwa 350 bar oder 35.000 Tonnen ausüben kann, gehen die Arbeiten am letzten Wandstück des 1956 eröffneten Kaufhauses nur schrittweise und langsam voran. Filigranarbeit ist auf diesen letzten Metern angesagt. "Es ist eine statische Herausforderung", streicht SER Bauleiter Güzel Toktas die Leistung von Polier Njazi Kurti und dessen Team heraus. Nichts wird von den Abbruchprofis überstürzt.

Großgeschrieben wird an der Allee und in der Kilianstraße die Sicherheit. SER-Mitarbeiter sorgen dafür, dass Passanten der eingezäunten Abbruchstelle nicht zu nahe kommen. Nicht alle zeigen, wie man sehen und hören kann, für diese Maßnahme Verständnis und ärgern sich, wenn sie nicht ihren gewohnten Weg gehen können. Normal rollt der Verkehr auf der Allee und durch die Kilianstraße.

Abbruchflächen werden mit Wasser berieselt

Dimensionen Um die Staubbelästigung so gering wie möglich zu halten, wurden und werden die Abbruchflächen ständig mit Wasser berieselt. Ein etwa 500 Quadratmeter großer Abbruchvorhang aus stabilem Förderbandmaterial sorgt dafür, dass keine Mauerstücke unkontrolliert durch die Luft fliegen.

Das Abbruchmaterial wird recycelt

Abtransportiert wurden bis jetzt 2500 Tonnen Bauschutt. "8000 Tonnen müssen noch abgefahren werden", zeigt Toktas die Dimensionen des Gebäudes an der Allee auf. Bis zu vier Lastwagen werden täglich das Material abholen. "Die Verkehrsbelastung soll so gering wie möglich gehalten werden", sagt Polier Njazi Kurti. Der Großteil der Stoffe wird recycelt und wieder in den Kreislauf der Bauwirtschaft gebracht.

Schneller als bisher geplant wird das Innenstadt-Grundstück komplett geräumt sein: "Ursprünglich wollten wir wenige Tage vor Weihnachten fertig sein. Jetzt werden wohl zwei Wochen daraus", freut sich Güzel Toktas über den reibungslosen Bauablauf. Mitte Januar soll dann bereits mit der Pfahlgründung für den Neubau begonnen werden. Wegen des weichen Untergrunds müssen 110 Bohrpfähle bis zu 20 Meter tief in das Erdreich getrieben werden.

Neues Hotel soll Ende 2022 eingeweiht werden

Entstehen wird auf der 2300 Quadratmeter großen Fläche zwischen Allee und Kiliansplatz bis Ende 2022 ein Drei-Sterne-Hotel der Marke Holiday In Express. Investorin ist die 1984 gegründete Helvetic Investment Immobilien Management GmbH mit Sitz in Wiesbaden.

 

 

Die Anfangszeit der Barthel-Boomjahre

Im Jahre 1949 eröffnete Wilhelm Barthel in einem kleinen Gebäude an der nördlichen Ecke Allee/Kilianstraße sein Geschäft (seit 1956 das Schuhhaus Siller). In den Jahren 1953 bis 1956 ließ Barthel gegenüber seinem kleinen Geschäft das große Eckgebäude errichten, das dann als das "größte Bekleidungshaus des Unterlandes" bekannt wurde.

Im Jahre 1958 eröffnete Barthel die Kleiderfabrik WiBa in der Siebeneichgasse und die Gaststätte Postmichel in der Klarastraße 6, die für ihre altdeutsche Einrichtung mit Café und Weinstube und wegen ihrer "gewölbten Tonnendecke " und phantasiereicher Kunstschmiedearbeiten " eine "Attraktion für die 50er Jahre" war. Barthel begründete die Neubauten damit: "Was nutzt das schönste Geschäft, wenn drumrum nur Ruinen sind und keine Menschen leben". In der Biedermann-, Siebeneich- und Klostergasse errichtete Barthel Angestelltenhäuser. Als im Jahre 1962 Wilhelm Barthel verstarb, leiteten seine Witwe Helene und Sohn Hans Barthel das Textilhaus Barthel weiter.


Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik.

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