Zwei Todesfälle im Weinsberger Tal nach Legionellen-Infektion

Region  Fünf Menschen sind innerhalb einer Woche im Weinsberger Tal erkrankt. Kreis- und Landesgesundheitsamt suchen nach der Ursache, verkeimte Wasserleistungen wurden bereits ausgeschlossen. Nun sind Verdunstungskühlanlagen von Betrieben im Visier. Kliniken und Ärzte sind informiert.

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Legionellen sind Bakterien, die sich in warmem Wasser verbreiten. Infektionsquellen sind oft Klimaanlagen oder Duschen. Foto: dpa

Wir nehmen das Thema sehr ernst", betont Dr. Thomas Schell, Leiter des Kreisgesundheitsamts Heilbronn. Zwei Menschen aus dem Weinsberger Tal sind an einer Legionellen-Infektion gestorben.

Beide Männer, 49 und 81 Jahre alt, hatten Vorerkrankungen. Innerhalb einer Woche von Ende Juni bis Anfang Juli sind vier Männer und eine Frau an der durch die Bakterien ausgelösten Lungenentzündung erkrankt. Vier befanden oder befinden sich auf den Intensivstationen der SLK-Kliniken am Gesundbrunnen in Heilbronn und in Löwenstein, ein Patient wird auf der Normalstation behandelt.

Behörde: Kein Grund zu Panik

Kreis- und Landesgesundheitsamt sind fieberhaft auf der Suche nach der Infektionsquelle. Verschmutzte Wasserleitungen, die meist Ursache für Einzelfälle sind, sind nach Auswertung der Proben ausgeschlossen worden genauso wie die Gruppenkläranlage Sulmtal. "Es gibt keinen Grund zur Panik", macht Thomas Maier, Dezernent im Kreis-Gesundheitsamt, am Donnerstagnachmittag dennoch deutlich. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei nicht möglich.

Bei fünf Fällen spricht man von Ausbruch

Den ersten Befund der Legionärskrankheit meldete am 5. Juli die Klinik am Plattenwald in Bad Friedrichshall. Zwei Patienten kommen aus Obersulm, jeweils ein Patient ist aus Weinsberg, Ellhofen und Löwenstein. Gleich fünf Infizierte, das sei ein auffälliges Geschehen, so Schell, Bei dieser Zahl spricht man von einem Ausbruch. Die Erkrankung sei sehr selten.

Keine Schnittmenge zwischen den Betroffenen

Bis auf die Infektion hat die Behörde bisher keine Gemeinsamkeiten bei den Infizierten ausgemacht. "Eine schlüssige Schnittmenge haben wir nicht", sagt Maier. Das macht die Suche nach der Ursache noch schwieriger. Maier spricht von einem wissenschaftlich-kriminologischen Vorgehen. Das 1000-teilige Puzzle sei schwer zusammenzusetzen, wenn man nur zehn bis zwölf Einzelteile habe.

Unsichtbare Aerosolwolke der Grund?

Da Verdunstungskühlanlagen von Firmen laut Maier die "wahrscheinlichste Hypothese" für eine Kontamination seien, haben die Experten bereits bei einer Handvoll solcher Anlagen im Weinsberger Tal Proben des ausströmenden Wasserdampfs genommen. In einer der Produktionsanlagen könnte eine unsichtbare Aerosolwolke mit einer hohen Konzentration an Legionellen ausgestoßen und vom Wind verteilt worden sein. Bei der Überprüfung holt sich das Gesundheitsamt auch Daten vom Deutschen Wetterdienst. Da die Bakterienkulturen im Labor erst wachsen müssen, rechnet Schell mit ersten Ergebnissen in ein bis zwei Wochen.

Radius könnte erweitert werden

"Es kann sein, dass wir die Ursache nie finden", sagt Maier. Wenn eine dieser großen Anlagen der Verursacher sei, könnte diese zwischenzeitlich gewartet und desinfiziert sein, wie das vorgeschrieben ist. Sollten die Proben negativ sein, wird überlegt, den Radius auf Betriebe im weiteren Umfeld zu vergrößern, wie nach dem Zwiebelprinzip.

Symptome identisch mit Corona

Das Landratsamt habe "schnell auf den Knopf gedrückt", sagt Maier, Kliniken, Ambulanzen und die Ärzteschaft über den Legionellen-Ausbruch informiert, damit diese bei Patienten mit Symptomen, die übrigens identisch mit denen einer normalen Lungenentzündung und der Corona-Infektion sind, sensibilisiert sind.

Menschen sollten auf Symptome achten, rät Maier, und lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt gehen. Symptome sind: schnelles Fieber, Schwindel, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schmerzen beim Atmen sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Daten und Fakten

Legionellen-Infektionen sind laut Dr. Thomas Schell, Leiter des Kreisgesundheitsamts Heilbronn, relativ selten. Normal seien 1,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Meist liegt die Ursache in der Wasserversorgung, wenn Wasser lange in der Leitung oder im Warmwasserspeicher steht. Das Bakterium lässt sich durch eine Urinprobe feststellen und in der Regel mit Antibiotika gut behandeln. Fünf bis zehn Prozent der Legionellen-Pneumonien verlaufen laut Schell jedoch tödlich.

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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