Corona-Warnstufe: Wie die Eröffnung des Heilbronner Winterdorfs abläuft

Region  Lebensfreude weitgehend ohne Maske trotz Corona-Warnstufe: Im Heilbronner Winterdorf gilt seit Freitag 2G. Bei anderen Veranstaltungen in der Region dürfen auch Ungeimpfte rein - doch sie benötigen inzwischen einen PCR-Test als Nachweis.

Email

Nach einem Jahr coronabedingter Zwangspause hat das Winterdorf beim Heilbronner Frankenstadion wieder seine Pforten geöffnet. Rein darf nur, wer geimpft oder genesen ist. Für viele Besucher kehrt damit ein Stück Normalität zurück.

Tanzen dicht an dicht zur Partymusik von DJ Martin König. Ausgelassene Gespräche an der Bar mit glücklichen Gesichtern ohne Masken. "Ich bin so froh, dass es diese Freiheit wieder gibt", sagt Anna Galwas aus Heilbronn.

Zusammen mit ihrer Fleiner Freundin geniest sie Freitagnacht die Stunden, wie es sie in Heilbronn zuletzt vor der Corona-Pandemie gegeben hat. Das Winterdorf hat geöffnet. Es gilt 2G. Rein darf nur, wer geimpft oder genesen ist. "Die Geimpften wollen ihr Leben zurück, und dafür sind wir da", sagt Thomas Aurich, Betreiber des Heilbronner Food Courts und Mitorganisator des Winterdorfs.

PCR-Tests für mehr Sicherheit

Seit Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Corona-Warnstufe. Wer ungeimpft oder nicht genesen ist, muss jetzt unter anderem für Veranstaltungen einen PCR-Test vorlegen. Das dient der Sicherheit, für die Veranstalter bedeutet das aber auch finanzielle Einbußen. "Niemand bezahlt zwischen 80 und 130 Euro für einen Test, wenn er abends ein Bier trinken will", sagt Aurich.

Betroffen sei nicht nur das Winterdorf. Die gesamte Branche leide darunter, weiß Aurich, der auch Sprecher der Heilbronner Stadtinitiative für den Bereich Gastronomie ist: Weniger Gäste, höhere Kosten und mitunter kürzere Öffnungszeiten wegen Personalmangels - so beschreibt Aurich die Situation der Gastronomen, die sich durch die Corona-Warnstufe weiter zuspitze.

Auch Konzertveranstalter sind betroffen. Der Chor Open Doors etwa hat die Stuhlreihen gelichtet. Statt 500 Zuhörer hatten bei den drei Konzerten in der Erlenbacher Sulmtalhalle am Wochenende jeweils nur zwischen 350 und 380 Gäste Platz.

Erlenbacher Chor hält Konzerte für alle offen

"Wir haben unsere Konzerte für alle offengelassen", sagt Lena Fetter vom Organisationsteam des Chors. Rein durften neben Geimpften und Genesenen auch Personen, die einen PCR-Test vorzeigten. "Im Vorfeld hat es deswegen ein paar Absagen gegeben", sagt Lena Fetter. "Wir konnten die Karten aber alle wieder verkaufen." Am Ende habe man diejenigen, die einen Test vorlegen mussten, "an einer Hand abzählen können".

Im Winterdorf ist die Luft in der Feierhütte Neckaralm anders als noch vor zwei Jahren. Die Luft wird permanent umgewälzt. Mehr als 50.000 Euro haben die Veranstalter ins Hygienekonzept investiert, so Mitorganisatorin Uschi Schröter. Lüftung, Plexiglas, mehr Personal und mehr überdachte Plätze im Freien. "Da kommt schnell was zusammen", sagt Uschi Schröter.

Am Eröffnungstag kamen knapp ein Drittel weniger Gäste als in den vorangegangenen Jahren, schätzt Uschi Schröter. "Wirtschaftlich ist das ein Nachteil", sagt Aurich. Trotzdem überwiege die Freude darüber, überhaupt wieder öffnen zu können. "Wir kommen irgendwie durch diesen Winter. Alles andere ist nicht so wichtig", sagt der Betreiber des Food Courts.

Gäste sind froh über 2G-Regelung

Die Gäste danken es den Veranstaltern. Sie sind froh über die 2G-Regelung. "Wenn Leute sich nicht impfen lassen wollen, ist das okay", sagt Dominik Hohly. "Aber hier kehrt ein Stück Normalität zurück. Wir haben ein bisschen Spaß auch ohne Maske", sagt der Heilbronner. 

Mitten unter Menschen ohne Masken, die am Tisch, beim Tanzen, Essen und Trinken nicht getragen werden - das sei inzwischen schon gewöhnungsbedürftig, finden Hohly und sein Freund Alexander May. "Es wird aber am Eingang streng kontrolliert, so dass man sich sicher fühlen kann. Das gilt auch für die Bedienungen hinter den Tresen. "Heute hat sich jeder von uns gefreut, endlich wieder arbeiten zu können", sagt Studentin Lena Schimmer.


Nachfrage nach PCR-Tests steigt

Seit vergangenen Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Corona-Warnstufe. Für nicht geimpfte Personen hat das unmittelbare Konsequenzen. Für sie gelten zusätzliche Einschränkungen, sofern sie nicht einen PCR-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Lebensfreude ohne Maske trotz Corona-Warnstufe. Im Heilbronner Winterdorf gilt seit Freitag 2 G. Nur wenige Ungeimpfte bei Konzerten in Erlenbach. Mehr PCR-Tests im Wollhaus.

Wegen der Corona-Warnstufe ist die Nachfrage nach PCR-Tests auch bei der Teststation im Untergeschoss des Wollhauses deutlich angestiegen. Fotos: Andreas Veigel

In der Teststation im Untergeschoss des Wollhauses ist die Nachfrage entsprechend gestiegen. „Gestern haben wir 35 Tests gemacht“, sagt Seymen Ocak, Mitarbeiter bei der Teststation, am Samstag. Im Gegenzug sei die Nachfrage nach Antigentests zwar deutlich zurückgegangen. „Wir haben uns inzwischen trotzdem ein Kartenlesegerät für Zahlungen zugelegt“, sagt Ocak. Denn die Tests müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Die Kosten liegen bei zwischen 49 Euro für Kinder bis zu 129 Euro für einen PCR-Expresstest. Für Freitag hat die Teststation jetzt einen Sondertarif eingerichtet. Demnach ist ein Expresstest für 69 Euro zu haben. Der gilt dann unter anderem für den Besuch einer Gaststätte. 
 

Corona Newsletter

Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

Kommentar hinzufügen