Land fördert E-Mobilität junger Menschen auf dem Land

Region  Das baden-württembergische Verkehrsministerium unterstützt junge Leute im ländlichen Raum bei der Anschaffung elektrischer Zweiräder. Auch in der Region machen Jugendliche davon Gebrauch.

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Besonders in Gebieten mit schlechter Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz könnten E-Bikes künftig Abhilfe schaffen.

Foto: dpa

Grün soll die Zukunft in Wüstenrot sein. Zumindest wenn es nach der Vision der Gemeindeverwaltung geht. Thomas Löffelhardt ist im Rathaus Energiebeauftragter. Er erklärt: "Unser Ziel ist es, eine Plus-Energie-Gemeinde zu werden." Im Klartext bedeutet das, dass mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. Insofern ist für ihn das Ergebnis des Landesförderprogramms "Elektrisch Durchstarten", mit dem junge Menschen im ländlichen Raum beim Kauf eines elektrischen Zweirads unterstützt werden, nicht überraschend.

Gleich zwölf bewilligte Anträge im Gesamtwert von 6000 Euro zählt die Gemeinde in den Löwensteiner Bergen kurz vor Ende der Zuschussverteilung. Mit jeweils 500 Euro unterstützt das Verkehrsministerium von Baden-Württemberg den Kauf eines E-Bikes, Pedelecs oder E-Rollers. Zum zweiten Mal nach 2019 stellt das Land 500.000 Euro für diesen Zweck zur Verfügung.

Bewerbungsverfahren ist abgeschlossen

Voraussetzung für eine Bewilligung ist, dass der Antragsteller zwischen 15 und 21 Jahren alt ist und in einem ländlichen Gebiet wohnt. In der Region waren 14 Gemeinden für die Definition des "ländlichen Raumes" qualifiziert. Mittlerweile ist das Bewerbungsverfahren abgeschlossen, noch 99-mal wird die Fördersumme ausgeschüttet. Wer den Antrag fristgerecht bei der L-Bank gestellt hat, darf also noch hoffen.

Warum eigenständige Mobilität junger Menschen zwischen 15 und 21 so wichtig ist, erklärt ein Pressesprecher des Verkehrsministeriums: "Im ländlichen Raum steht meist nicht die Auswahl an Mobilitätsoptionen wie in städtischen Gebieten zur Verfügung." Da Ausbildungsstätten oftmals nicht an den ÖPNV angebunden sind, sei eigenständige Mobiliät ein wichtiger Faktor. Auf die Frage, warum Eppingen oder Ittlingen, die über einen S-Bahn-Anschluss verfügen, zu den antragsberechtigten Städten und Gemeinden zählen, Güglingen oder Brackenheim jeweils ohne Anschluss aber nicht, verweist der Sprecher auf den Landesentwicklungsplan des Wirtschaftsministeriums.

"Wir haben das Förderprogramm in unserem Amtsblatt beworben", erklärt Löffelhardt die große Anzahl an genehmigten Anträgen. Es seien auch immer wieder Anfragen vonseiten der Wüstenroter Bürger im Rathaus eingegangen. "Aber dass wir letztlich so erfolgreich sind, ist trotzdem eine schöne Überraschung", freut sich der Energiebeauftragte. "Das Thema E-Mobilität stößt bei unseren Bürgern immer auf offene Ohren."

Auch in Eppingen werden künftig fünf Jugendliche mehr im Kurzstreckenbereich auf Elektro-Antrieb umschalten. Sönke Brenner, Pressesprecher im Eppinger Rathaus, begrüßt das Förderprogramm des Landes . "Als Stadt im ländlichen Raum sind wir ohne Zweifel offen für solche Möglichkeiten", sagt Sönke Brenner. Er verweist auf die Maßnahmen, mit der sich die Stadt in den vergangenen Jahren an der Energiewende beteiligt hat: E-Bikes als Diensträder, ein Dienstauto mit Elektromotor, öffentliche Ladestationen im Parkhaus. Insofern passe das Förderprogramm ganz gut nach Eppingen, findet Brenner.


Kommentar "Ziemlich geladen"

Die Mobilitätsförderung Jugendlicher auf dem Land ist eine gute Idee – reicht aber nicht aus.

In Zaberfeld dürfen sich sieben Jugendliche zwischen 15 und 21 über neue E-Bikes, Pedelecs oder E-Roller freuen, in der Nachbargemeinde Pfaffenhofen ist es immerhin einer. Dass das Land den Kauf von E-Bikes im ländlichen Raum mit 500 Euro unterstützt, ist zu begrüßen. Für diejenigen, die sich die – trotz Zuschuss – teure Investition leisten können, dürfte die Förderung einen erheblichen Kaufanreiz geschaffen haben.

Zumindest ein Jugendlicher aus Pfaffenhofen wird wohl in Zukunft elektrobetrieben die kurze Strecke nach Güglingen bewältigen. Dass die Gegenrichtung nicht gefördert wird, liegt am Landesentwicklungsplan des Wirtschaftsministeriums. In diesem ist Güglingen im Gegensatz zu Pfaffenhofen nicht als „ländlicher Raum“ kategorisiert. Zwei Minuten näher liegt Güglingen an Heilbronn mit der einzigen öffentlichen Verbindung, dem Bus. Weil sie nicht antragsberechtigt sind, dürften junge Güglinger deshalb neidisch nach Pfaffenhofen schauen. Dabei ist die Regelung mit Blick auf Eppingen noch unverständlicher. Mit der S4 nach Heilbronn oder Karlsruhe? In einer halben beziehungsweise einer Stunde per Stadtbahn erreichbar. Selbst am Flughafen Baden-Baden/Karlsruhe ist man in zwei Stunden. Weil Eppingen die Voraussetzung zur Förderung erfüllt, Güglingen aber nicht, dürfte manch ein Zabergäuer ziemlich geladen sein.


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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