Kultusministerium reagiert auf Proteste von Eltern und Schülern

Heilbronn/Eppingen  "Schule lebt Kultur - Kultur belebt Schule" heißt das Motto gegen das Corona-Konzept des Kultusministeriums, das nach den Sommerferien gelten soll. Dagegen regt sich Widerstand. Am Mittwochabend demonstrierten in Heilbronn und Eppingen Schüler und Eltern.

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In Heilbronn lauschten etwa 200 Demonstranten Musik und Reden. In Eppingen skandierten zeitgleich etwa 80 Schüler und Eltern Sprechchöre.

Foto: Ralf Seidel

Der Protest scheint Susanne Eisenmann nervös zu machen. Kaum sind die etwa in Ulm, Eppingen und Heilbronn von Gesamtelternbeiräten (GEB) organisierten Demonstrationen gegen das am 7. Juli veröffentlichte "Konzept für einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" an Schulen beendet, verschickt das Kultusministerium eine Stellungnahme.

Abermals versichert es, dass "Musikunterricht selbstverständlich auch im neuen Schuljahr möglich ist". Das Festhalten am Verbot von Gesang und Spielen von Blasinstrumenten begründet das Ministerium nun mit dem "erhöhten Infektionsrisiko durch die vermehrte Bildung von Aerosolen und den entsprechenden Erkenntnissen aus Wissenschaft und Medizin".

Was ist mit den jahrgangsübergreifenden AGs?

Doch den schätzungsweise 200 Schülern, Eltern und einigen mitdemonstrierenden Lehrern, die dank Abstandsgebot den Platz an der Flügelnuss neben der Heilbronner Harmonie gut füllen, geht es um weit mehr als um Chorgesang und Orchesterspiel. Christoph Eberlein weist auf "diesen kleinen Satz zu den AGs" hin. "Den überliest man leicht", sagt der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt Heilbronn. Dabei hat er Zündstoff: "Mir bricht praktisch die gesamte Freizeit weg", bedauert beispielsweise Klara Rappel.

Die Zehntklässlerin am Theodor-Heuss-Gymnasium erntet in ihrer mitreißenden Rede den größten Applaus - Frucht der Teilnahme am Debating-Club ihrer Schule. Eindrücklich beschreibt sie ihr AG-Programm von Montag bis Freitag - von der Schulorchesterprobe bis zur Nachhilfe für Unterstufenschüler. Kultusministerin Eisenmann fordert sie auf, "mal darüber nachzudenken, wie man das Angebot doch noch durchführen kann." Die 16-Jährige findet unfair, dass zwischen außerschulischem und Schulsport unterschieden wird: "Im Tanzkurs sind die Abstandregeln aufgehoben."

Musizieren schafft fantastisches Gemeinschaftsgefühl

Klara Rappels Vorredner Lorenz Gleißner beschwört hingegen in eindrücklichen Worten "das fantastische Gemeinschaftsgefühl", das in seiner Schule, dem Mönchsee-Gymnasium, durch das gemeinsame Musizieren in Chören und Orchestern entsteht. Eher traurig als polemisch, aber in jedem Fall rhetorisch, fragt der 17-Jährige: "Was ist ein Musikgymnasium ohne Musik?" Schließlich sei diese das Aushängeschild seiner Schule.

Als stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende an der Dammrealschule beklagt Michaela Arnold die Planlosigkeit des Kultusministeriums. "Warum nicht mehr Verantwortung auf die Schulträger übertragen?", fragt sie: "Warum nicht den Schulen überlassen, ein auf ihr Profil passendes Konzept individuell anzupassen?"

Lösungen werden geprüft

Immerhin hat das Kultusministerium jetzt zugesagt, Lösungen zu prüfen, "ob und wie wir im neuen Schuljahr an den Schulen auch Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten ermöglichen können".

Während nach Einschätzung des Eppinger GEB-Vorsitzenden Dominik Kovacic-Voß circa 80 bis 90 Schulkinder, Eltern und Lehrer mit Plakaten und Sprechchören sowie etwas Gesang auf dem Ludwigsplatz für Beachtung sorgten, warnten die Heilbronner Demonstranten abschließend im Kanon: "Sine musica nulla vita": Ohne Musik kein Leben.


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Team Kinder & Jugend sowie Familie kümmert sie sich um die entsprechenden Themen und Projekte. Gelegentlich hilft sie im Kulturressort aus. 

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