Kritik an geplantem 5G-Funkmast in Hohenstadt

Bad Wimpfen  Anwohner haben an Bürgermeister Claus Brechter eine Unterschriftenliste übergeben. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält die Sorgen allerdings für fachlich nicht begründbar.

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Karin Auwärter und Siegfried Lehleiter vor dem Gelände der ehemaligen Kläranlage, wo der 32 Meter hohe 5G-Funkmast errichtet werden soll. Foto: Adrian Hoffmann

Anwohner in Bad Wimpfens Teilort Hohenstadt stören sich am geplanten Bau eines 5G-Funkmasts - und übergaben eine Liste mit 60 Unterschriften an Bürgermeister Claus Brechter. Dieser gesteht ein, dass die Kommunikation nicht optimal gelaufen sei. In der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 25. Februar, 18.30 Uhr, im Bad Wimpfener Kursaal soll das Thema auf die Tagesordnung.

"Man muss die Angst der Leute ernst nehmen", sagt Brechter in Bezug auf die Gegner des Vorhabens, die sich in Hohenstadt zusammengetan haben. Grundsätzlich seien die möglichen Gesundheitsrisiken von Mobilfunknetzen "eine emotional geführte Diskussion". Er möchte sie Experten überlassen. Die Bundesnetzagentur stellt für jeden Funkmast eine Bescheinigung der Unbedenklichkeit aus, erklärt er. Rechtlich sei es so, dass es für die Verweigerung eines Standorts einer fundierten Begründung bedarf.

Mast wäre knapp 120 Meter von Wohnbebauung entfernt

Hinter der Unterschriftenaktion stehen Anwohnerin Karin Auwärter und ihr Mann Siegfried Lehleiter. Sie fordern nicht, dass das Projekt ganz beerdigt wird. Aber es sollten zumindest andere Standorte bedacht werden, die etwas weiter weg vom Dorf liegen. Jetzt geplant ist der Funkmast auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage. Der 32 Meter hohe Mast wäre damit knapp 120 Meter entfernt von der Wohnbebauung.

Als 5G bezeichnet man die fünfte Generation des Mobilfunks. Sie gewinnt seit zwei Jahren an Verbreitung. Die Funkzellen sollen engmaschiger ausgebaut werden als zuvor, vor allem in städtischen Regionen. Der Bundesregierung gehe es darum, "weiße Flächen abzudecken", sagt Brechter. An dem Funkmast in Hohenstadt hat auch die Bahn Interesse, deren Fahrgäste besseres Internet nutzen könnten. Brechter: "Das ist der Zug der Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes."

Bürgermeister: Masten oft mitten in der Bebauung

Für den Funkmast in Hohenstadt hatte die Deutsche Telekom zuvor ihren Bauantrag zurückgezogen. Nun sei einer von Vodafone zu erwarten, sagt Andreas Eilhoff vom Wimpfener Bauamt. Die Telekom hätte gerne einen Standort direkt im Ort gehabt. Die Verwaltung habe das Gelände der Kläranlage empfohlen.

Aus Sicht von Brechter müsse man einen Standort bieten, "wenn man nicht will, dass die Anbieter jemanden X-Beliebigen suchen". Oftmals seien solche Masten mitten in der Bebauung, wie am Kornhaus in Bad Wimpfen. Die Bescheinigung der Unbedenklichkeit für einen Standort erteile die Bundesnetzagentur bereits bei 18 Metern Entfernung zu Wohnflächen.

In ihrem Flugblatt, das Karin Auwärter in Hohenstadt verteilt hat, heißt es, durch den geplanten Funkmast ergebe sich "ein völlig unnötiges gesundheitliches Risiko für die Anwohner". Von "massiver und unnötiger Verstrahlung" ist die Rede. Hohenstadt stehe für Wald, Wiese, Wasser und nicht "Internet-WWW", sagt Berufsschullehrer Lehleiter. Zudem beklagt die Kinderpsychotherapeutin Auwärter, dass der Beschluss "still und heimlich" gefasst worden sei.

Es habe eine öffentliche Mitteilung im Gemeinderat gegeben, sagt der Bürgermeister, aber im Heimatboten publiziert worden sei der Beschluss nicht. "Insofern kann ich den Vorwurf nicht ganz von der Hand weisen."

Bundesamt für Strahlenschutz: Technik unbedenklich

Das Bundesamt für Strahlenschutz steht auf dem Standpunkt, dass die 5G-Technik bei Einhaltung von Grenzwerten unbedenklich sei. Es heißt aber auch, dass es keine Langzeitstudien gebe, die abschließende Aussagen zuließen.

Die Sorgen der Bürger seien fachlich nicht begründet, heißt es in einem Schreiben des Bundesamts an unsere Redaktion. "Häufig lassen sich diese Sorgen auf einseitige und irreführende Darstellungen von wissenschaftlich nicht belastbaren Seiten im Internet zurückführen." Die Experten stimmten der Einschätzung zu, dass die höchste Belastung nicht von Sendemasten, sondern von Mobilfunkgeräten ausgehe. Sie hoffen, dass die individuelle Belastung sinkt, wenn für die 5G-Erschließung mehr Masten gebaut werden.

In Kürze wird der Bau eines weiteren 5G-Mast Thema sein. Er soll 56 Meter hoch und beim Abenteuerspielplatz zwischen Bad Wimpfen und Bonfeld errichtet werden.


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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