Kliniken bangen um Finanzierung

Berlin/Region  Die Ausgleichszahlungen für freigehaltene Betten in der Pandemie haben die Erlöse vieler Kliniken steigen lassen. Doch die Situation dürfte sich bald wieder verschärfen. SLK-Chef Thomas Weber lobt das Rettungspaket, fordert aber, dass künftig das regionale Lohnniveau berücksichtigt werden müsse.

Von Valerie Blass und dpa
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Die Situation der Kliniken wird sich bald wieder verschärfen. Davon gehen die Autoren des "Krankenhaus Rating Report 2021" aus, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) schlägt Alarm. In einer Mitteilung heißt es, die Warnmeldungen zur Insolvenzwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser im Land machten dringende Veränderungen an der Finanzierung notwendig. "Die Krankenhäuser müssen endlich so vergütet werden, dass das regionale Lohn- und Preisniveau berücksichtigt wird", erklärt der Vorstandsvorsitzende der BWKG, der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg.

SLK-Chef Thomas Weber sagte, der Verbund sei durch "zukunftsweisende Entscheidungen in den vergangenen Jahren strukturell stabil aufgestellt. Uns haben die Ausgleichszahlungen während der Pandemie sehr geholfen, wofür wir dankbar sind." Klar sei aber auch, dass bei der zukünftigen Finanzierung das Lohnniveau in der Region mehr in den Blick genommen werden müsse.

 

Mehr Transparenz und einheitliche Qualitätsvorgaben für Kliniken gefordert

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordern unterdessen als Lehre aus der Pandemie mehr Transparenz und einheitliche Qualitätsvorgaben für Kliniken. Das in der Krise eingeführte Register mit tagesaktuellen Daten zu Intensivbetten mache es möglich, die Versorgung besser zu planen, erklärte der GKV-Spitzenverband. Eine zügige Ausweitung auf alle Krankenhausbereiche sei nun notwendig.

Die Pandemie habe gezeigt, dass die stationäre Versorgung stärker strukturiert werden müsse. Kliniken ohne Intensivstationen hätten wenig zur Krisenbewältigung beitragen können. Die SLK-Kliniken hatten die Versorgung von Corona-Patienten zu Beginn der Pandemie am Heilbronner Gesundbrunnen und an der Lungenfachklinik Löwenstein zusammengezogen. Das Krankheitsbild sei komplex und schwer behandelbar. Deshalb sei es wichtig, dass die Behandlung an Häusern erfolge, an denen es viele Fachdisziplinen gebe und die Experten sich interdisziplinär austauschen könnten, so Weber weiter.

 

In Stuttgart protestierten Pflegekräfte am Mittwoch vor dem Gesundheitsministerium für eine bessere Bezahlung und Finanzierung von Kliniken. Verdi-Landeschef Martin Gross verwies auf eine Umfrage der Gewerkschaft, wonach sich 77 Prozent der Pflegekräfte nicht vorstellen könnten, die Arbeit bis zur Rente durchzuhalten. "Wir brauchen jetzt einen grundsätzlichen Kurswechsel." Nötig seien unter anderem eine entsprechende finanzielle Ausstattung, eine Stärkung der Ausbildung und ein Tarifvertrag Altenpflege. Am ZfP in Weinsberg gab es bereits am Vortag eine Protestaktion.

Tests

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern setzen trotz sinkender Corona-Zahlen auf eine weitere Absicherung über breit angelegte Tests – auch mit Blick auf die Sommerurlaubszeit. Vorgaben für Reiserückkehrer aus dem Ausland sollen dafür bis mindestens Mitte September verlängert werden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte. Die Länder wollen zudem flächendeckende Schnelltests zwei Mal pro Woche in Schulen und Kitas aufrechterhalten.


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