Kleinode für Tiere und Pflanzen: Naturschutzgebiete im Heilbronner Land

Region  Im Heilbronner Land gibt es 21 Naturschutzgebiete, unter anderem die Nachtigalleninsel unterhalb der Burg am Neckar in Lauffen. Sie wird von Naturschützern lediglich beobachtet. Nur in besonderen Fällen wird eingegriffen.

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Wie ein dichter Dschungel aus Lianen wirkt das Waldgebiet auf der Nachtigalleninsel in Lauffen.

Dichtes Geäst, moosbewachsene Bäume, ein Dickicht aus Blättern und Efeuranken: Wie eine längst vergessene Welt erstreckt sich das Schutzgebiet Nachtigalleninsel unterhalb der Burg am Neckar in Lauffen. Die Insel befindet sich in einem besonderen Urzustand. Denn seit Jahrzehnten bleiben Flora und Fauna sich hier selbst überlassen. "Betreten verboten, Naturdenkmal", steht auf dem Schild an der Treppe, die vom Rathaus zur Insel runterführt.

Ein Mann kommt regelmäßig, um hier nach dem Rechten zu sehen: Adolf Monninger, Sprecher des Nabu-Kreisverbands und Vorsitzender der Brackenheimer Ortsgruppe, die das Gebiet in Lauffen betreut. Viel zu tun gibt es für Monninger allerdings nicht auf der Nachtigalleninsel, sie wird von den Naturschützern lediglich beobachtet. Nur in besonderen Fällen wird eingegriffen. Ansonsten darf sich das vier Hektar große Schutzgebiet ganz so entwickeln, wie es will. "Wir brauchen mehr solcher Flächen, die man in Ruhe lässt", findet Adolf Monninger.

Das Lauffener Schutzgebiet ist eines der ältesten des Nabu

In Ruhe gelassen werden, das ist der Schutzzweck der Nachtigalleninsel seit über 110 Jahren. Das Lauffener Schutzgebiet ist eines der ältesten des Nabu, wenn nicht sogar das älteste. Begonnen hat alles mit der Nabu-Gründerin Lina Hähnle. 1899 rief sie in Stuttgart den Verband als Deutscher Bund für Vogelschutz ins Leben. 1908 kaufte sie aus eigenen Mitteln zwei der Grundstücke in Lauffen mit rund 1,7 Hektar, die heute zur Nachtigalleninsel gehören. Hähnles Absicht: Die Vögel der Nachtigalleninsel sollen in Ruhe brüten und leben können. "Ich kann die rücksichtslose Ausbeutung der Natur einfach nicht mehr mit ansehen", zitiert Adolf Monninger die Nabu-Gründerin. Im Jahr 2000 schenkte die Erbengemeinschaft Hähnle die beiden Flächen der Nabu-Stiftung "Nationales Naturerbe". Die anderen Teile der Nachtigalleninsel gehören der Stadt Lauffen und dem Energieversorger Zeag.

Kleinode für Tiere und Pflanzen
Wie ein dichter Dschungel aus Lianen wirkt das Waldgebiet auf der Nachtigalleninsel in Lauffen.

Die Nachtigalleninsel ist genau genommen ein flächenhaftes Naturdenkmal. Diese haben, genau wie Naturschutzgebiete, den strengsten Schutzstatus. Naturdenkmale sind bis zu fünf Hektar groß, Naturschutzgebiete sind größer. In beiden Fällen darf in den Gebieten nicht gebaut werden, Pflanzen dürfen nicht gepflückt, Tiere nicht gefangen und die Wege nicht verlassen werden. "Wenn etwas mit dem Status eines Naturschutzgebiets ausgewiesen ist, gibt es eigentlich nur wenige triftige Ausnahmegründe, einzugreifen", erklärt Adolf Monninger. Einen deutlich schwächeren Schutzstatus haben Landschaftsschutzgebiete, in denen noch ordnungsgemäß Land- und Forstwirtschaft zugelassen sind.

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Schon einzelne Gebilde in der Natur wie Wasserflächen, Streuwiesen oder Felsgruppen können wegen ihrer Seltenheit, Schönheit oder ihres Alters Naturdenkmal werden. Naturgebiete werden außerdem aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder zur Erhaltung von Lebensstätten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften geschützt, und um bestimmte wilde Tier- und Pflanzenarten zu bewahren.

So wie der Feld-Mannstreu, die stachelige Charakterpflanze der Steppenheide auf dem Gundelsheimer Michaelsberg. Auf den ersten Blick ist er keine sehr aufregende Pflanze, das findet auch Horst Schulz vom Nabu Bad Friedrichshall und Umgebung. Seiner Unscheinbarkeit zum Trotz ist die Pflanze aber laut Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Auch das Vorkommen der Karthäuser-Nelke und des Schachbrettfalters sind Gründe, weshalb die ein Hektar große Steppenheide seit 37 Jahren Naturdenkmal ist.

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Schutzgebiete sind selten geworden, dabei braucht es sie mehr denn je.

Das Landratsamt kontrolliert die Schutzgebiete

Einziger Pflegeeinsatz auf der Steppenheide ist bei der Mahd Anfang November – nicht früher, nicht später, heißt es im Vertrag mit der oberen Naturschutzbehörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, damit die schützenswerten Pflanzen aussäen können. Die Behörde entdeckte den großen Feld-Mannstreu-Bestand auf dem Michaelsberg und übertrug die Pflege direkt dem Naturschutzverein. Das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde kontrolliert, ob in den Schutzgebieten alles mit rechten Dingen zugeht. Etwa zehn ehrenamtliche Helfer sind beim jährlichen Einsatz am Michaelsberg mit von der Partie, mit Unterstützung vom Bauhof der Stadt Gundelsheim sowie Biolandwirt Michael Schäfer. Ab und zu sind auch die Schüler der Horneck-Schule dabei.

Doch weil es immer weniger Helfer gibt, drohen viele Schutzgebiete zu verbuschen. "Dann kann man sie genauso gut aus der Verordnung rausstreichen", sagt Horst Schulz. Normalerweise gehöre schon eine Menge dazu, bis das Regierungspräsidium oder die untere Naturschutzbehörde einen Schutzstatus entzieht. Wenn aber das Gebiet ganz zuwächst und seinen Charakter, der Grundlage zur Ausweisung als Naturdenkmal war, verliert, komme es dazu.

Anders als bei der Nachtigalleninsel müssen Gebiete wie die Steppenheide entsprechend gepflegt werden. "Naturschutz geht nicht ausschließlich unter der Glasglocke. Es bedeutet, dass ein Gebiet in dem Zustand erhalten bleibt, in dem es ausgewiesen wurde", sagt Horst Schulz. Im Landkreis Heilbronn gibt es 21 Naturschutzgebiete, das ist im bundesweiten Vergleich wenig. "Da besteht Nachholbedarf, bevor jetzt noch Schutzwürdiges verloren gegangen ist", findet Horst Schulz. Allerdings müssten solche Flächen vom amtlichen Naturschutz zuvor überprüft werden, sowie der Zustand, in dem sich die bestehenden Denkmale befinden. Im Gespräch ist, die 200 Hektar große Neckaraue zwischen Neckarsulm, Untereisesheim, Bad Friedrichshall und Bad Wimpfen als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Anstoß kam von der Nabu-Gruppe Heilbronn bereits in den 80er Jahren. Lange Zeit passierte nichts, bis das Regierungspräsidium Stuttgart auf das Gebiet aufmerksam wurde. Ein erstes Treffen der Beteiligten, darunter auch die Fischereiverbände, Nabu und BUND, fand im Landratsamt statt. Aktuell liegt die Konzeptentwicklung beim RP.

Angler und Landwirte machen sich jedoch Sorgen wegen Einschränkungen, die sie durch das Ausweisen der Neckaraue als Naturschutzgebiet betreffen könnten. Bis die Neckaraue Naturschutzgebiet wird, dauere es aber noch mindestens zwei Jahre, schätzt Horst Schulz. Dann wird vielleicht auch die Neckaraue zu einem Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten werden.

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Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kam im November 2019 aus Weinheim zur Heilbronner Stimme. Nach einem Jahr in der Lokalredaktion ist sie seit 2021 in der Jugendredaktion.

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