Corona-Tests in Schulen: Was zu beachten ist, wenn sich Kinder selbst testen

Heilbronn/Region  Bisher waren die Selbsttests für Schüler noch freiwillig. Wo Schulen öffnen dürfen, ist ein negatives Testergebnis vom 19. April an Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht. Wir klären Schritt für Schritt alle wichtigen Infos zum Thema.

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Corona-Tests sollen in Baden-Württemberg Schritt für Schritt Präsenzunterricht an Schulen ermöglichen, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz im jeweiligen Stadt- oder Landkreis nicht über 200 liegt. Denn dann greift nach dem jüngsten Beschluss aus Berlin die bundesweite Notbremse, die den Präsenzunterricht ganz verbietet. In der Region liegen die Inzidenzwerte aktuell über 200. Alle Corona-Zahlen zeigen wir in dieser Übersicht.

Sobald das Infektionsgeschehen aber zurückgeht und in den Klassenzimmern wieder unterrichtet werden kann, geht's ans Testen. Und das wird unabhängig von den Inzidenzwerten von kommendem Montag, 19. April, an zur Pflicht. Ein negatives Testergebnis ist dann Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht. 

Was bei der Anwendung von Selbsttests zu beachten ist, erklären wir hier Schritt für Schritt am Beispiel einer Viertklässlerin der Grundschule in Heilbronn-Biberach (Fotos: Mario Berger). 

Voraussetzungen für Selbsttests an Schulen

Das Land Baden-Württemberg stellt den Schulen Selbsttestkits zur Verfügung, damit zweimal die Woche getestet werden kann. An manchen Schulen in der Region reichen die Tests noch nicht aus. Daher haben sich Schulen zum Teil selbst welche besorgt. 

Testkits gibt es von verschiedenen Herstellern, das Prinzip ist aber abgesehen von kleinen Unterschieden, die in der Gebrauchsanweisung beschrieben werden, bei allen das selbe. Die Kits enthalten die Testkassette im Beutel, auf dem das Verfallsdatum steht, einen verpackten Tupfer, mit dem der Abstrich genommen wird, ein Extraktionsröhrchen mit Flüssigkeit und ein Spenderkäpselchen, mit dem die Probe auf die Testkassette aufgetragen wird.

Durchgeführt werden die Tests von Schülern unter Anleitung von Lehrern oder anderem geschultem Aufsichtspersonal. Zeitpunkt und Ort können die Schulen weitgehend selbst bestimmen. Vom Land vorgeschrieben sind dabei die üblichen Abstands- und Hygieneregeln für Innenräume: 1,5 Meter Abstand zwischen den Personen, eine Möglichkeit zum Lüften, Maskenpflicht und die Möglichkeit zur Desinfektion. Die Aufsichtspersonen stellen sicher, dass die Schüler vor und nach dem Selbsttest ihre Hände waschen und desinfizieren. Außerdem sorgen sie dafür, dass benutzte Oberflächen desinfiziert werden und der Müll gemäß der Hygieneregeln entsorgt wird.

 

Unterschied zwischen PCR-Tests, Schnell- und Selbsttests

Corona-Test Schülerin

Es gibt drei unterschiedliche Arten von Corona-Tests, die nicht verwechselt werden sollten:

  • PCR-Tests gelten als sicherste Methode und werden von medizinischem Fachpersonal durchgeführt. Hier müssen Getestete länger auf das Ergebnis warten, weil die Proben nach einem tiefen Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum im Labor ausgewertet werden.

  • Bei Antigen-Schnelltests liegt das Ergebnis schneller vor. Geschultes Personal nimmt hier ähnlich wie beim PCR-Test einen Nasen- oder Rachenabstrich. Allerdings bekommen Getestete ihr Ergebnis direkt vor Ort. Fällt es positiv aus, muss das Ergebnis per PCR-Test überprüft werden und die Teststelle ist verpflichtet, das Ergebnis ans Gesundheitsamt zu melden.

  • Die dritte Variante sind Antigen-Selbsttests, die jeder selbst - ob zu Hause oder in der Schule - machen kann. Dabei genügt ein Nasenabstrich aus dem vorderen Nasenraum oder eine Speichelprobe bei sogenannten "Spucktests". Ein positives Selbsttest-Ergebnis ist nicht meldepflichtig. Hier muss aber ebenfalls ein PCR-Test zur Überprüfung folgen.

Weil die Ergebnisse von Schnell- und Selbsttests nicht so sicher sind wie die der PCR-Tests, muss bei einem positiven Ergebnis ein PCR-Test gemacht werden - unabhängig davon, ob bei der getesteten Person Symptome auftreten oder nicht. Denn Sicherheit über eine mögliche Corona-Infektion geben erst der PCR-Test und die Diagnose eines Arztes.

Aber auch ein negatives Ergebnis bei Schnell- oder Selbsttests gilt es richtig zu interpretieren: Es ist als Momentaufnahme zu verstehen. Deshalb gelten die AHA+L-Regeln auch nach einem negativen Ergebnis. Warum die Schnell- und Selbsttests trotzdem wichtig sind? Durch sie wird es möglich, schnell viele Menschen zu testen, wodurch Corona-Fälle früher erkannt und damit auch schneller isoliert werden können. Außerdem wird dazu kein medizinisches Fachpersonal benötigt.

 

Abstrich aus dem vorderen Nasenraum

Corona-Test Schülerin

Anders als bei PCR-Tests genügt bei Selbsttests ein Abstrich aus dem vorderen Nasenraum. Dazu setzen Schüler ihre medizinischen Masken kurz ab, stecken sich das Stäbchen rund zwei Zentimeter in die Nase und bewegen den Tupfer im ersten Nasenloch fünf Mal hin und her. Der Abstrich wird im zweiten Nasenloch wiederholt und lässt sich sicher und schmerzfrei auch von Kindern durchführen.

Danach heißt es: Maske wieder aufsetzen und den Tupfer mit dem Wattebausch ins vorbereitete Röhrchen mit der Flüssigkeit tauchen. Eine Wäscheklammer verhindert, dass das Röhrchen umfällt. Die klemmt man einfach unten dran. Der Tupfer wird etwa zehn Mal im Röhrchen gedreht, an die Seiten gedrückt und für eine gewisse Zeit in der Flüssigkeit gelassen. Nach der Entnahme des Tupfers wird das Röhrchen mit dem Käpselchen verschlossen.

Sollten sich Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren trotz Einwilligung ihrer Eltern gegen einen Selbsttest entscheiden, empfiehlt das Kultusministerium den Aufsichtspersonen, sensibel zu reagieren. Kein Schüler solle zum Selbsttest überredet werden. Wer den Selbsttest ablehnt, kann wie oben beschrieben ab dem 19. April nicht mehr am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen. Denn dann gilt in Baden-Württemberg eine Testpflicht.  

 

Testergebnis: Was die Striche bei C und T bedeuten

Corona-Test Schülerin

Damit Selbsttests ein Ergebnis anzeigen, müssen ein paar Tröpfchen der Flüssigkeit in die runde Vertiefung der Testkassette gegeben werden. Die Anzahl der Tröpfchen kann je nach Hersteller variieren, beträgt aber meistens drei bis vier Tropfen. Nach 15 Minuten Wartezeit liegt das Ergebnis vor:

Positiv ist das Testergebnis, wenn ein Strich bei C und bei T entsteht, auch wenn der Strich bei T nur blass erscheint. Wird nur ein Strich bei C angezeigt, ist der Test negativ. Ungültig ist der Test, wenn entweder gar kein Strich oder einer bei T erscheint. Zur Erklärung: Das C steht für "Control" und nicht für "Corona", das T bedeutet "Testlinie" und zeigt an, ob das Ergebnis positiv oder negativ ist.

 

Positiv getestete Schüler können nicht weiter am Unterricht teilnehmen

Corona-Test Schülerin

Die Aufsichtspersonen, die Schüler beim Selbsttest anleiten, wurden durch Schulungsvideos und Onlineschulungen darauf vorbereitet. Sie sorgen dafür, dass ungültige Tests wiederholt werden und übermitteln die statistischen Daten der Testergebnisse an die Schulleitung. Bei positiv getesteten Schülern informiert die Schule das Gesundheitsamt, das weitere Maßnahmen veranlasst. Außerdem werden in diesem Fall die Eltern der Betroffenen informiert, weil Schüler nach einem positiven Selbsttest nicht mehr am Unterricht teilnehmen können. Sofern Schüler nicht allein nach Hause gehen dürfen, warten sie in einem anderen Raum, bis sie abgeholt werden.

Wichtig ist, dass sich alle Menschen, die bei einem Schnell- oder Selbsttest ein positives Ergebnis bekommen haben, sofort in häusliche Isolation begeben. Darauf hat auch Virologe Christian Drosten im jüngsten NDR-Podcast hingewiesen. Er appelliert, mit der Isolation nicht bis zum PCR-Testergebnis zu warten. Bis das Ergebnis des PCR-Tests vorliegt, sind laut Corona-Verordnung neben den positiv Getesteten auch deren Haushaltskontakte zur Quarantäne verpflichtet.

 

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 15. April, aufgrund der Änderung bei der Testpflicht aktualisiert.

 

Nützliche Links zum Thema Corona-Tests

Erklärvideo für Kinder: Dr. Kasperl von der Augsburger Puppenkiste gibt eine Coronatest-Anleitung

Teststrategie in Baden-Württemberg im Überblick

FAQ zu Schnell- und Selbsttests: Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums

Robert-Koch-Institut über die Antigen-Schnelltests zur Eigenanwendung

Selbsttests an Schulen: Handreichung des Kultusministeriums

Alle Regeln der aktuellen Corona-Verordnung in Baden-Württemberg

 


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Lisa Reiff

Lisa Reiff

Onlineredakteurin

Als Onlineredakteurin kümmert sich Lisa Reiff seit 2018 darum, die Stimme-Leser auf allen digitalen Kanälen zu informieren. Am liebsten sammelt sie Leserfragen für die Serie "Noch Fragen?", weil daraus Geschichten entstehen, die die Menschen in der Region besonders interessieren.

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