Kinder sind zurück in Kitas und Grundschulen

Heilbronn  Seit Montag dürfen alle Kinder wieder an Grundschulen und Kindertagesstätten zurück. Genug Lehrer und Erzieher stehen in Heilbronn zur Verfügung. In den städtischen Kindergärten fehlen allerdings Mitarbeiter.

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Endlich wieder neben dem Freund sitzen: Kinder müssen wie hier in der Silcherschule keinen Abstand mehr halten, Erwachsene schon.

Foto: Mario Berger

Seit Montag ist wieder Regelbetrieb an Grundschulen und Kindergärten in Baden-Württemberg. An der Silcherschule, mit 435 Kindern die größte reine Grundschule in Heilbronn, heißt das: Unterricht mit Nachmittagsschule und Mensa. "Mit dem Lernen war es schlecht zu Hause", sagt Walbona Gruber, die ihren Sohn abholt. Ob es heute schön war, wieder Schule zu haben? "Ja", schreit Sohn Florian und flitzt davon. Flutes Sejfijoj kam vor vier Monaten aus dem Kosovo. Corona-Zeit in der Fremde mit vier Kindern daheim. Das war so anstrengend, übersetzt ihre Freundin.

"Das Abstandsgebot der Kinder untereinander ist aufgehoben", sagt Schulleiter Martin Vetter. Maxi (9) findet: "Das ist echt toll. Vorher hat es keinen Spaß gemacht, weit weg von den Freunden zu sein." In der einen Woche, in der sie nach den Pfingstferien bislang kommen durften, saßen die Kinder allein am Tisch, die Klasse wurde geteilt. "Ich habe die Freundinnen vermisst," sagt Maira (9). Schade findet sie, dass kein aktiver Sportunterricht stattfindet. Der Schwerpunkt liegt auf Deutsch, Mathematik und Sachkunde. Auch Singen ist tabu.

Außerschulische Veranstaltungen sind abgesagt

Vetter ist froh über die verbleibenden viereinhalb Wochen. "Das ist eine Chance. Wir lassen den Spannungsbogen nicht abreißen." Statt Kooperationen mit den Kindergärten für künftige Erstklässler gibt es digitale Angebote. Zu Online-Elternabenden lädt die Gemeinschaftsschule Neuenstein, so Schulleiter Matthias Wagner-Uhl.

An der Silcherschule sind alle außerschulischen Veranstaltungen abgesagt. Nur die Viertklässler werden klassenweise feierlich verabschiedet. Mit seinem Kollegium kann Martin Vetter den Unterricht bewältigen. "Bei uns gehört niemand aufgrund des Alters zur Risikogruppe."

Schulamt kann die Lücken schließen

Zuversichtlich ist auch Markus Wenz, Leiter des Staatlichen Schulamts in Heilbronn. Die Anzahl der Lehrer, die explizit wegen Corona nicht zur Verfügung stehen, wurde zwar nicht erhoben. Doch durch drei Abordnungen (vorübergehenden Versetzungen) und Deputatserhöhungen kann er Lücken schließen. "Corona schlägt nicht so gewaltig ins Kontor. Wir kriegen das hin."

In den städtischen Kindergärten fehlen 24 Mitarbeiter, die ärztlich attestiert belegen, dass sie Risikopatienten sind. Springer- und Sprachförderkräfte helfen, das Defizit zu kompensieren.

Kinder sind einfach dankbar

Vor der Kindertagesstätte in der Wollhausstraße stehen um 13.30 Uhr die Mütter bereit. "Corona war schlecht. Langweilig," sagt Dilek Cilgi. "Jetzt ist alles gut." Lisette Franks Tochter ist heute "tanzend in die Kita" gesprungen. "Die Kinder tun sich leichter als wir Erwachsene", sagt Leiterin Karin Pfizenmayer. "Sie machen alles mit, waschen brav Hände, akzeptieren die Gruppenverteilung, sind einfach dankbar." Sie staunt. "Die sind so groß geworden. Manche sind jetzt sauber, können super sprechen."


Petra Müller-Kromer

Petra Müller-Kromer

Autorin

Petra Müller-Kromer ist seit 1999 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Stadtkreis-Ressort liegt ihr Schwerpunkt unter anderem auf sozialen Themen.

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