Keine Waren des täglichen Bedarfs? Buchhändler sind nach Zurückstufung sauer

Region  Rund drei Wochen hatten sie als Einzelhändler für den täglichen Bedarf geöffnet, jetzt müssen Buchhändler nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs wieder schließen und auf den Bestellmodus umstellen. Der Ärger ist groß.

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Karl Knoll ist sauer, fühlt sich von der Politik im Stich gelassen, will sich aber nicht unterkriegen lassen. Foto: Archiv/Theuer

Sind Bücher keine Waren des täglichen Bedarfs? Die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen sehen das anders. Dort dürfen die Händler weiter öffnen. "Ich bin total sauer", sagt Karl Knoll von der Buchhandlung Holl & Knoll in Eppingen. Supermärkte mit Buchabteilungen dürften verkaufen, "wir nicht mehr". Man fühle sich von der Politik im Stich gelassen.

Jetzt also wieder Verkauf nach Bestellung, per Telefon, Onlineshop, Instagram. Abholen sei im Laden möglich. Knoll erwartet Einbußen, gerade im Ostergeschäft. Aber: Man habe nach wie vor gute Stammkunden. "Wir machen alles, was geht."

Dass Kunden nicht mehr in den Buchladen dürfen, findet Anna Westphal von der Neckarsulmer Buchhandlung am Markt "schlimm". Mit Blick auf die Einstufung anderer Bundesländer "versteht man es nicht mehr". Kunden könnten jetzt nichts mehr im Laden ansehen, das Randgeschäft bleibe eher liegen. Man berate am Telefon. Bis 17 Uhr bestellte Ware sei am nächsten Tag abholbereit. "Wir freuen uns über jeden Anruf."

Bei Osiander in Heilbronn ist auch Filialleiter Johannes Janßen verärgert. Er hält Bücher für Dinge des täglichen Bedarfs, das Hygienekonzept habe super funktioniert. Erst zählte man zur Grundversorgung, dann Click & Meet, ab Dienstag Click & Collect. "Irrwitzig" findet er es. Und: Solche Entscheidungen seien "nicht mehr nachvollziehbar", wenn andere Bundesländer den Buchhandel anders einstufen. Jetzt also bestellen und abholen. Man werde Kunden auch mit Abstand an der Tür beraten, so Janßen. Innen stöbern sei leider nicht mehr drin.

Klage eines Möbelhauses

Ein Möbelhaus hatte in Baden-Württemberg gegen einen Sonderstatus für Buchhandlungen wegen Ungleichbehandlung geklagt. Der Verwaltungsgerichtshof entsprach der Klage. Die Folge ist die Zurückstufung für Buchhandlungen durch das Land. Außer Baden-Württemberg hat bisher nur Nordrhein-Westfalen die Buchhandlungen zurückgestuft. In den anderen Bundesländern zählen sie nach wie vor zum Einzelhandel für den täglichen Bedarf. 

 


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Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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