Kein großer Ansturm auf Fitnesscenter in der Region

Region  Seit Dienstag können Sportfreunde wieder im Fitnessstudio trainieren. In den ersten Tagen ist vielerorts allerdings wenig los. Die Betreiber fürchten, dass die Sorge vor einer Corona-Infizierung noch groß ist.

Email

Damit Fitnesscenter nicht zu Corona-Hotspots werden, müssen die Geräte nach jeder Benutzung desinfiziert werden. Viele Betreiber verlangen zudem, dass jeder ein eigenes, großes Handtuch mitbringt.

Foto: Andreas Veigel

Aufstehen, Sport machen, duschen, frühstücken - für viele Menschen ist es Routine, sich vor oder nach der Arbeit körperlich zu betätigen. In Fitnesscentern war das in den letzten beiden Monaten wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. So musste man auf andere Weise aktiv bleiben oder sich über Online-Kurse motivieren lassen.

Seit Dienstag sind die Fitnessstudios wieder geöffnet, allerdings unter Auflagen. Die Stimmung und der Andrang sind in den ersten Tagen gemischt. Ist die Angst noch zu groß, sich beim Sport in geschlossenen Räumen zu infizieren?

Unterschiedlicher Umgang mit Mitgliedsbeiträgen

Dmitri Edel vom Heilbronner Fitnessstudio iFit ist optimistisch: "Die Leute sind so froh, dass wir wieder aufgemacht haben, da ist keine Angst zu spüren", sagt er. Tatsächlich sind am Nachmittag des ersten Öffnungstages schon eine Handvoll Trainierende an den Geräten, natürlich auf Abstand. Jeder zweite Crosstrainer ist gesperrt, der große Judo-Raum wurde zum Ausdauer-Raum umfunktioniert.

Edel ist froh, mit 800 Quadratmetern eine relativ große Fläche für die Umsetzung der Regeln zur Verfügung zu haben. Trotzdem machen sich die zwei Corona-Monate finanziell bemerkbar: "In der Zeit haben wir Kündigungen, aber keine Anmeldungen bekommen", sagt er. Mit den Mitgliedsbeiträgen sind die Sportstudios in der Corona-Zeit unterschiedlich umgegangen: Manche boten Gutscheine an, andere verlangten keinen Monatsbeitrag, wieder andere den vollen Betrag.

Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen

Und wie fühlt sich das Trainieren jetzt an, haben die Menschen Sorge um ihre Gesundheit? "Nein, eigentlich nicht", sagt Nikita Schneider während seines Krafttrainings. Als er fertig ist, wischt er sein Gerät mit Desinfektionsmittel ab. Auch das steht in der Corona-Verordnung, obwohl es vielerorts sowieso zum Alltag gehört, benutzte Geräte zu putzen.

Eine andere Corona-Regel scheint da eher abzuschrecken - umziehen und duschen muss man sich zu Hause. Kristof Molnar findet das in Ordnung. Der 16-Jährige trainiert gleich am ersten Öffnungstag im iFit. "Ich wohne in der Nähe, deshalb ist es für mich nicht schlimm, dass ich hier nicht duschen kann."

Aerosol-Belastung ist bei intensivem Training höher

In anderen Fitnessstudios in der Region ist das vorherrschende Gefühl ein anderes: Rosi Schrank vom Gesundheitszentrum Life in Bad Friedrichshall hat den Eindruck, dass einige wegblieben, weil Duschen und Umkleiden geschlossen sind. Obwohl hochintensive Trainingseinheiten verboten sind. "Das sind gerade die, bei denen man viel verbrennt, aber auch viele Aerosole ausstößt", erklärt Schrank.

Wegen der Aerosol-Belastung sind Fitnessstudios dazu angehalten, so viel und so oft wie möglich zu lüften. Der Sportpark in Eppingen hat da einen großen Vorteil, denn die Fenster sind durch Gitter geschützt und können auch über Nacht aufbleiben. "Das ist uns sehr wichtig, weil die Aerosole bis zu drei Stunden in der Luft bleiben können", berichtet Olaf Andermann, der Geschäftsführer des Sportparks.

Im Sommer melden sich sowieso weniger Menschen an

Trotz Durchlüftung und 3500 Quadratmeter Fläche bleibt auch in Eppingen der große Ansturm zunächst aus. "Viele machen sich schon noch Sorgen. Aber die ersten zwei Tage waren auch sehr heiß und der Sommer ist normalerweise sowieso eher ruhig", sagt Andermann.

Was er schade findet, ist, dass viele nicht wüssten, dass Kurse mit bis zu zehn Teilnehmern nun auch wieder stattfinden dürfen. Sogar für die intensiveren Trainingseinheiten hat der Eppinger Sportpark eine Lösung gefunden: In geschlossenen Räumen sind sie zwar verboten, aber es spricht nichts gegen einen Spinning-Kurs im Freien. "Wir haben eine Kooperation mit dem Hotel Villa Waldeck gegenüber, dass wir auf ihren Beachvolleyballplatz ausweichen dürfen", erklärt Andermann.


Was in Fitnessstudios zu beachten ist

Das Training in Sportcentern ist wieder erlaubt, mit ein paar Einschränkungen: Die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Metern gilt auch hier, Sportarten mit Körperkontakt und hochintensives Indoor-Training sind verboten. Die Geräte müssen nach der Nutzung gereinigt werden, beim Eintreten und Verlassen der Sportstätte müssen die Hände desinfiziert werden. Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen, es ist sinnvoll, ein eigenes Handtuch mitzubringen. Kurse dürfen mit bis zu zehn Teilnehmern stattfinden. Mundschutz und Handschuhe sind freiwillig.


kom_heffter

Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

Kommentar hinzufügen