Katholische Frauen fordern von ihrer Kirche Reformen

Heilbronn/Neckarsulm  Die Frauenbewegung Maria 2.0 will deutsche Bischöfe aufrütteln. Mit provokanten "Thesenanschlägen" fordern die Katholikinnen zur Deutschen Bischofkonferenz drastische Reformen - Plakate wurden auch an Gotteshäusern im katholischen Dekanat Heilbronn/Neckarsulm aufgehängt.

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Vielerorts hängen Frauen die Thesenzettel der Reformbewegung Maria 2.0 auf, so auch Gabriele Ostertag-Weller (li.) und Helga Reber in Weinsberg.

Foto: Andreas Veigel

Von Möckmühl über Neuenstadt, Neckarsulm, Eberstadt, Weinsberg und Heilbronn: Wie vielerorts in Deutschland hängen seit Sonntag auch in der Region an manchen Kirchen Blätter und Plakate der reformfreudigen kirchlichen Fraueninitiative Maria 2.0. Teils wurden die rosa-roten Poster aber von Unbekannten schon wieder abgehängt.

In Anlehnung an Martin Luther stehen darauf teils provokante "Thesen" für "alle Menschen, die guten Willens sind". Anlass dazu gibt die am Dienstag eröffnete Online-Vollversammlung der Deutschen Bischofkonferenz, aber auch die durch den Kölner Bischof Rainer Maria Wölkli verschleppte Aufklärung der Missbrauchsskandale.

Viel Reformbedarf bei Katholiken

Die Gründe für den "Thesenanschlag" reichen aber tiefer. Im Prinzip fordern die Initiatorinnen die Gleichberechtigung von Mann und Frau im kirchlichen Dienst, die Abschaffung des Pflichtzölibats, eine menschenfreundliche Sexualmoral, weniger Prunk, mehr Glaubwürdigkeit, kurzum: Sie fordern die Besinnung auf Jesu Frohbotschaft.

Mehr Infos auf der Webseite der Initiative.

Die bundesweite Frauenbewegung hat sich 2019 konstituiert. In der Region trat sie erstmals im Mai 2019 anlässlich eines umstrittenen Gottesdienst-Streikaufrufs in Erscheinung. In der zu einer Gemeinde fusionierten Seelsorgeeinheit Unteres Weinsberger Tal hat sich sogar der Kirchengemeinderat solidarisch mit den Zielen von Maria 2.0 erklärt, berichten die Rätinnen Regina Ladewig und Gabi Ostertag-Weller.

Unter dem Titel "Frauenkirche" haben die Musikpädagogin und die Grundschullehrerin mit einem halbem Dutzend Mitstreiterinnen einen Initiativkreis auf die Beine gestellt. Nach dem Auftakt im Frühjahr 2020 habe sie "Corona leider etwas gebremst", sagt Gabi Ostertag-Weller, die von vielen Sympathisantinnen berichtet, die im Gottesdienst spontan applaudiert hätten. Für einen Vortrag am 24. April 2021 - "zur Not online" - habe sie sogar Jacqueline Straub gewinnen können, die vom britischen Sender BBC 2018 zu einer der 100 einflussreichsten Frauen der Welt betitelt wurde: weil sie als Theologin gegen die Regeln der Männerkirche katholische Priesterin werden möchte.

Frauen als Priesterinnen

Zur Frauenpriesterbewegung zählt auch Regina Ladewig aus Eberstadt. Sie war bereits vor Jahren von Rom und Rottenburg abgestraft worden, weil sie sich zur römisch-katholischen Diakonin hatte weihen lassen. "Wenn die Männer in Rom nicht in die Pötte kommen, müssen wir Frauen nachhelfen", betont sie. Dass es sich dabei nicht nur um ein deutsches oder amerikanisches Phänomen handle, wie oft behauptet werde, sondern um eine globale Reformbewegung, zeige ausgerechnet die Corona-Pandemie. So hätten sich jüngst in eine Video-Konferenz gut 300 Frauen aus aller Welt eingeklinkt. Solche und andere reformatorische Bewegungen seien nun unter Maria 2.0 vereint. "Das ist das Schöne daran."

Dekan Rossnagel zu Maria 2.0

"Die Frage nach der Zulassung der Frauen zur Weihe duldet keinen Aufschub." Dies betont der katholische Dekan von Heilbronn/Neckarsulm, Roland Rossnagel, auf Stimme-Anfrage. Weiter meint der weltoffene Theologe: "Ich bin froh, dass sich die aktuelle Kirchenversammlung unter dem Titel Synodaler Weg dieser und anderer drängenden Fragen nach Macht, Sexualität und Priestern annimmt. Das Evangelium zeigt den Weg zur Lösung. Dazu muss es allerdings in seiner Kraft zuerst erfahren worden sein, bevor Ansprüche – egal welcher Art und von wem – formuliert werden."


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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