Karl-Dieter Diemer ist im Schwäbisch-Fränkischen Wald verwurzelt

Region  Für den neuen Geschäftsführer des Naturparks ist es wichtig, Respekt vor der Natur zu vermitteln. Da das Interesse groß ist, sollen die Naturparkschulen ausgebaut werden.

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Karl-Dieter Diemer mit Parson-Jack-Russel-Terrier Eddy an einem idyllischen Fleckchen im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald: am Finsterroter See.

Foto: Ralf Seidel

"Es lief alles auf diesen Punkt hinaus", stellt Karl-Dieter Diemer fest. Für ihn ist beruflich ein Traum wahr geworden. Seit 15. April ist er Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Er hat die Nachfolge von Bernhard Drixler angetreten. Dass die Natur Diemers große Leidenschaft ist, beweist seine Vita. Fast 30 Jahre lang leitete er das Forstrevier Gaildorf, seit 2015 ist er Naturparkführer. Im Rucksack hat er außerdem das Zertifikat als Waldpädagoge - ideale Qualifikationen für seine neue Position. "Ich habe das Gefühl, an einem Ort angekommen zu sein, der zu mir passt." Arbeitsumfeld und Thematik sind ihm vertraut, er ist mit dem Schwäbisch-Fränkischen Wald quasi verwurzelt.

Stellen aufgestockt für nunmehr vier Handlungsfelder

"Mich reizt vor allem die Zusammenarbeit im neuen Team", sagt der 58-Jährige, denn als Revierleiter sei er allein im Wald unterwegs gewesen. Nicht nur er ist neu, sondern auch die Struktur in der Geschäftsstelle in Murrhardt. Das Personal wurde um zwei auf vier Mitarbeiterinnen aufgestockt, so dass sich die Arbeit auf vier Handlungsfelder erstreckt: nachhaltiger Tourismus, Regionalvermarktung, Biodiversität und Bildung für nachhaltige Entwicklung. "Ich möchte das Team auf eine gute Ausgangsbasis bringen", steht für den Gaildorfer inhaltlich im Vordergrund. Das bedeute, die Mitarbeiterinnen früh an Entwicklungsprozessen zu beteiligen.

Diemer nennt ein Beispiel: Wolle eine Mitgliedskommune Mountainbike-Touren erarbeiten, könne sie auf Fachwissen und Beratung der Geschäftsstelle zurückgreifen. Beim nachhaltigen Tourismus gehe es darum, eine Plattform fürs Internet zu entwickeln, auf der Wanderrouten, Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und Freizeitangebote zusammengefasst seien.

Bewusstsein schärfen

"Wir wollen Respekt gegenüber der Natur vermitteln", nennt Diemer den Inhalt einer geplanten Kampagne. Gerade in Zeiten der Pandemie, in der es mehr Menschen als sonst ins Grüne zieht, Wanderstrecken und bekannte Ausflugsziele besonders frequentiert sind, müsse das Bewusstsein geschärft werden. Auch dafür, dass die Natur nicht nur für Erholungssuchende da sei, sondern auch der Bewirtschaftung diene. "Da hapert es mit Sicherheit immer wieder am gegenseitigen Verständnis", spricht Diemer das Konfliktpotenzial zwischen Landwirten, Wanderern und Radfahrern an. Deshalb sieht er es als wichtige Aufgabe des Naturparks an, eine Diskussionsplattform zum Austausch zu schaffen.

Nachwuchs für Natur sensibilisieren

Schülern einen Bezug zur Natur zu eröffnen, ihnen Wissen über Pflanzen und Tiere zu vermitteln, ihre Wahrnehmung zu sensibilisieren, das ist ein weiteres zentrales Themenfeld des Naturparks. Ein Dutzend Naturparkschulen gibt es bereits im Schwäbisch-Fränkischen Wald, darunter die Georg-Kropp-Schule in Wüstenrot. "Das Interesse der Schulen ist groß", weiß Diemer und setzt auf einen Ausbau.

Hoffen auf baldigen Neustart der Veranstaltungen

Seit Oktober 2020 ist das Veranstaltungsprogramm im Naturpark wegen Corona auf Eis gelegt. Je nach Inzidenz in den Landkreisen im Schwäbisch-Fränkischen Wald hofft Diemer, dass es Mitte Juni, zumindest im Landkreis Heilbronn, wieder losgehen kann mit geführten Wander- und Radtouren mit Hygienekonzepten und begrenzter Teilnehmerzahl. Er rechnet mit einer hohen Nachfrage. "Die Naturparkführer sind mit Sicherheit total glücklich, wenn sie wieder mit den Menschen rausgehen können", meint der 58-Jährige. Er weiß, wie hart die Zwangspause ist, unter der ein Stück weit die Motivation gelitten habe. So haben fünf der 34 Naturparkführer ihr Zertifikat nach fünf Jahren nicht mehr verlängert. Deshalb müsse mittelfristig wieder ein Ausbildungsgang gestartet werden.

Zur Person

Karl-Dieter Diemer ist Diplom-Forstingenieur, leitete von 1991 bis 2019 das Forstrevier Gaildorf. Nach der Verwaltungsreform wechselte er auf die 2020 neu geschaffene Stelle als Fachbeamter für Waldpädagogik bei Forst BW. Den Vorsitz beim Naturpark-Führerverein wird er bei der nächsten Mitgliederversammlung im November abgeben. Diemer ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

Dem 1979 gegründeten Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald gehören 48 Kommunen, auch aus dem Hohenlohischen und dem Landkreis Heilbronn an.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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