Jazz und Einkauf in Heilbronn ist abgesagt

Heilbronn  In Heilbronn gibt es auch im Oktober keinen verkaufsoffenen Sonntag. Warum der Handel die Anzahl 2021 ausweiten will und was die Gewerkschaften dazu sagen.

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Die Aufnahme zeigt die volle Heilbronner Innenstadt bei Jazz und Einkauf 2018. Solche Menschenmengen soll es 2020 nicht geben.

Foto: Archiv/Seidel

Die Entscheidung kommt nicht überraschend: Heilbronn Marketing (HMG) und Stadtinitiative haben den verkaufsoffenen Sonntag am 11. Oktober abgesagt. Der Einkaufssonntag lockt unter dem Motto Jazz und Einkauf seit mehr als 20 Jahren am zweiten Sonntag im Oktober Besuchermassen in die Heilbronner Innenstadt. Das Event fällt erstmals aus.

"Eine Veranstaltung, mit dieser Dichte, zu der 50.000 Menschen kommen, ist derzeit nicht machbar", begründet HMG-Geschäftsführer Steffen Schoch. Der verkaufsoffene Sonntag Ende März war ebenfalls wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.

Abstand zu halten, ist nicht möglich

Thomas Gauß, Stadtinitiative-Vorsitzender und Einzelhändler, pflichtet bei: "In einer proppenvollen Stadt kann man keine Abstandsregeln gewährleisten." Gauß erwartet nicht, dass sich die Situation in diesem Jahr noch drehen wird - und hält deshalb auch nichts davon, die Adventssonntage als mögliche Ausweichtermine für Ladenöffnungen zu sehen.

"Bis Dezember wird sich wohl nichts Wesentliches ändern. Ein Adventssonntag würde zum gleichen Risiko führen wie Jazz und Einkauf", so Gauß. Aus Sicht des Handels wäre es fürs Weihnachtsgeschäft zwar wünschenswert, aber eine Umsetzung sei wegen der Corona-Situation unrealistisch. "Verkaufsoffene Sonntage sind für uns Händler toll, aber ich wollte nicht in der Verantwortung stehen, damit wieder steigende Infektionszahlen oder gar einen zweiten Lockdown zu riskieren", betont Gauß.

Frühestens in diesem Winter rechnet der Stadtinitiative-Chef mit einer deutlichen Corona-Normalisierung. Er denkt bereits jetzt intensiv über 2021 nach und darüber, welche Maßnahmen für den Einzelhandel sinnvoll sind, wenn die Einschränkungen aufgehoben sind.

Laut Gauß sollten 2021 mehr als zwei verkaufsoffene Sonntage möglich sein. Auf diese Anzahl hatten sich Handel und Gewerkschaften in Heilbronn bislang verständigt - drei wären dem Gesetz nach genehmigungsfähig. Verkaufsoffene Sonntage sind nur im Zusammenhang mit großen Veranstaltungen möglich. Die HMG werde, wenn es der Handel wünscht, Möglichkeiten finden, sagt Steffen Schoch. "Wir sind dabei, wenn es es darum geht, Handel und Gastronomie zu helfen."

Konflikt mit Gewerkschaft

Mehr offene Sonntage nächstes Jahr hält Gauß für zumutbar: "Mitarbeiter haben in der Zeit der Kurzarbeit gemerkt, wie schön es ist zu arbeiten." Gauß hofft auf das Entgegenkommen von Verdi: "Wir sitzen in einem Boot." Auch die Gewerkschaft verliere Mitglieder, wenn coronabedingt Läden schließen müssten. "Das zu verhindern, sollte unser gemeinsames Ziel sein."

Verdi-Regionalgeschäftsführerin Katharina Kaupp hat sich klar positioniert: "Wir sprechen uns gegen weitere verkaufsoffene Sonntage 2021 aus." Beschäftigte im Handel seien durch Corona stark belastet.

 


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel.

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