Interesse an Gigabit-Allianz in Heilbronn-Franken vorhanden

Heilbronn  Vieles deutet darauf hin, dass es etwas werden könnte mit der Gigabit-Allianz für Heilbronn-Franken. IHK und Wirtschaftsförderer melden kurz vor Schluss der Ausschreibung mehrere Nachfragen von Konzernen nach einer Glasfaser-Initiative. Das Interesse ist da - bleibt also die Kostenfrage.

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Glasfaserkabel ermöglichen grenzenloses Surfen im Netz sowie TV in höchster Auflösung. Foto: dpa

Die Ausschreibung läuft zwar noch bis Freitag, doch schon jetzt ist klar: Das Interesse ist da. Das europaweite Markterkundungsverfahren und die direkte Anfrage bei 50 Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche deuten darauf hin, dass es etwas werden wird mit der Gigabit-Allianz für Heilbronn-Franken, berichtete Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH. Sie arbeitet bei diesem Projekt mit der IHK Heilbronn-Franken zusammen.

Bis 2027 sollen alle Unternehmen Zugang zu einem glasfaserbasierten Internet haben. Im selben Jahr sollen 60 Prozent der Haushalte in Heilbronn-Franken angeschlossen sein, bis 2033 95 Prozent. Dass dies notwendig ist, begründete IHK-Präsident Harald Unkelbach mit eigener Erfahrung: "Wenn ich etwas Größeres downloaden will, fahre ich in die IHK oder in die Firma. Bei mir zu Hause geht das nicht."

Es bleibt eine Kostenfrage

Dabei habe die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig eine gute Internetverbindung ist. Viele Firmen hätten zur Selbsthilfe gegriffen und eigene Leitungen verlegt, auch die Würth-Gruppe, bei der Unkelbach tätig ist. "Jetzt fangen auch kleinere und mittlere Unternehmen damit an, die in der Region mehrere Standorte haben."

Allerdings: Oft wüssten weder die Unternehmen noch die Kommunen, wo bereits Glasfaserkabel verlegt sind. "Viele Anbieter behandeln das als Betriebsgeheimnis", erzählt Schumm. Dadurch gebe es keine Daten, wie gut einzelne Orte schon versorgt sind oder wie viele Kilometer Kabel in der Region verlegt sind. So ist auch offen, wie teuer der Ausbau werden könnte. "Wir haben ein sehr heterogenes Bild", ergänzt der Heilbronner OB Harry Mergel. "Wir als Stadt sind da noch privilegiert."

Offen für Kooperationen mehrerer Anbieter

Vorbild für die Initiative sind die Regionen Stuttgart und Rhein-Main, wo Telekommunikationskonzerne mit Kommunen und Wirtschaftskammern die Komplettversorgung mit Glasfaser vorantreiben. "Wir wissen zwar, dass wir nicht so dicht besiedelt sind", so Unkelbach. "Wir können diese Allianzen aber als Hinweis nehmen, dass es funktionieren kann." IHK und WHF hoffen daher bereits durch ihre freiwillige europaweite Ausschreibung auf erste Hinweise. Ausdrücklich sind sie auch offen für Kooperationen mehrerer Anbieter, bekräftigt IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring.

Für die Ausschreibung haben IHK und WHF zusammen 60.000 Euro in die Hand genommen. Für die Gigabit-Allianz erhoffen sie sich, dass die Telekommunikationsanbieter einen Großteil der Erschließung selbst finanzieren, weil sie sich viele neue Kunden erhoffen könnten. Wie groß das Interesse tatsächlich ist, wird nach der Auswertung in einigen Wochen feststehen. Dann geht es in die nächste Phase - die Überlegung, wie die Gigabit-Allianz organisatorisch aufgestellt wird.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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