Impfen in sozialen Brennpunkten: Land sieht Mannheim als Blaupause

Corona  Als erste Stadt in Baden-Württemberg lässt Mannheim Menschen in einem sozialen Brennpunkt-Viertel ungeachtet der offiziellen Reihenfolge gegen Covid-19 impfen. Andere Großstädte erwägen ähnliche Aktionen. Heilbronn betont derweil, das Infektionsgeschehen verteile sich gleichmäßig über die Quartiere. Bei der Impfquote schneidet die Stadtbevölkerung relativ schlecht ab.

Von Alexander Hettich und Peter Reinhardt

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Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) kündigte am Dienstag in Stuttgart eine Impfkampagne an, die sich speziell an Migranten und sozial schwächere Bevölkerungskreise richtet. Eine Gesprächsrunde mit den an den Impfungen Beteiligten habe gezeigt, dass in diesen Personenkreisen mehr Informationen notwendig seien und die Helfer auch vor Ort gehen müssten. Als Vorbild nannte Lucha die Aktion der Stadt Mannheim, die seit Montag mit mobilen Impfteams im Stadtteil Hochstätt die Bürger aufsucht. Die Bewohner wohnten in dem Viertel eng beieinander und arbeiteten oft in Berufen, die man nicht von zu Hause aus erledigen könne. Angesichts des höheren Ansteckungsrisikos gilt hier die übliche Impfreihenfolge nicht. Lucha unterstützt das Pilotprojekt. Er spricht von einer "Blaupause" für andere Städte. Wenn es in den nächsten Wochen mehr Impfstoff gibt, sollten weitere solche Angebote aufgebaut werden.

 

Mannheim folgt dem Beispiel Kölns

Mannheim veröffentlicht seit Kurzem Corona-Inzidenzzahlen für einzelne Stadtviertel. Dabei zeigt sich, dass dort, wo etwa die Einkommen geringer oder die Arbeitslosigkeit höher ist, mehr Menschen infiziert und weniger geimpft sind. Aktuelle Studien, etwa an der Universität Stuttgart, legen nahe, dass der soziale Status das Corona-Risiko beeinflusst. In Köln rücken mobile Impfteams aus, um in den ärmeren Stadtteilen zu impfen. Mannheim folgt diesem Beispiel mit dem Modellprojekt im Stadtteil Hochstätt. "Wir müssen feststellen, dass das Infektionsgeschehen in Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen deutlich überdurchschnittlich ist", sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Erstmals hat das Land am Dienstag Impfquoten für die Bevölkerung der Stadt- und Landkreise vorgestellt. Landesweit haben fast 22 Prozent aller Menschen zumindest die Erstimpfung erhalten. Nach Stadt- und Landkreisen schwanken diese Werte zwischen 11,9 (Pforzheim) und 30,7 Prozent im Landkreis Emmendingen. 16,1 Prozent der Heilbronner haben eine Erstimpfung erhalten, der drittschwächste Wert.

 

Stuttgart will Quartier-Zahlen präsentieren

Derweil hat Stuttgart angekündigt, am Mittwoch erstmals eine Analyse des Infektionsgeschehens für alle 436 Stadtviertel der Landeshauptstadt vorstellen zu wollen. Ob daraus gezielte Impfaktionen wie in Mannheim folgen, wollte ein Sprecher auf Nachfrage nicht bestätigen.

Karlsruhe geht einen anderen Weg. Zahlen zu den Stadtteilen würden nicht veröffentlicht, diese ließen "keinerlei Rückschlüsse auf Ansteckungswege und somit auch keine Aussage zu Ansteckungsrisiken zu", teilt die Stadt mit. Auch Heilbronn publiziert keine Daten zu einzelnen Quartieren. Das Infektionsgeschehen verteile sich über die ganze Stadt, sagte OB Harry Mergel bei einem Online-Forum der Heilbronner Stimme: "Wir haben keine Hotspots in Heilbronn."

 


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Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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