Feuerwehren in Heilbronn und Neckarsulm im Hochwasser-Einsatz

Neckarsulm  Nach Starkregen und Hochwasser am Montagabend sind zahlreiche Feuerwehrleute bis in den Morgen mit Einsätzen im ganzen Neckarsulmer Stadtgebiet beschäftigt. Neben vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen ist auch das Audiwerk betroffen.

Von Alexander Klug und dpa

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Beim Areal des Automobilherstellers mündet die kanalisierte Sulm in den Neckar, an derselben Stelle hatte es bereits vor fünf Jahren schwere Hochwasserschäden gegeben. Hunderte Kräfte von Feuerwehr, Werksfeuerwehr und Technischem Hilfswerk sind im Einsatz – außerdem Mitarbeiter des Neckarsulmer Bauhofs und vom Wasserverband Sulm. Zwei erst vor wenigen Monaten fertiggestellte Regenrückhaltebecken hätten schlimmere Schäden verhindert, ist Landrat Detlef Piepenburg sicher. „Die beiden Becken sind durch den Regen fast voll.“

Bis kurz vor Mitternacht zählt die Neckarsulmer Feuerwehr 170 Einsätze im Stadtgebiet. Man könne unmöglich alle Meldungen gleichzeitig bearbeiten, sagt Kommandant und Einsatzleiter Wolfgang Rauh bei einer Besprechung in der Feuerwache. „Wir priorisieren nach der Dringlichkeit und Umfang.“ Ein Schwerpunkt sei das Audiwerk, aber auch ein Standort der Bäckerei Härdtner – auch im Freizeitbad Aquatoll löst ein Warnmelder im Laufe des Abends aus. „Dort ist aber nichts Schlimmeres passiert.“

Es gibt viel zu koordinieren, neben der Neckarsulmer Feuerwehr samt den Abteilungen aus Amorbach und Dahenfeld sind Wehren aus Bad Friedrichshall, Erlenbach, Weinsberg, Untereisesheim, Leingarten und Heilbronn vor Ort. Die Wehr aus Obereisesheim war mit dem einen oder anderen Einsatz in dem Neckarsulmer Stadtteil beschäftigt. Er gehe davon aus, dass die ganze Nacht Hochwassereinsätze abzuarbeiten sind, sagt der Kommandant. „Wenn keine neuen mehr hinzukommen.“

Nicht nur mit der Bekämpfung der Fluten selbst sind die Freiwilligen beschäftigt, auch überflutete Straßen müssen gesperrt, mancherorts der Verkehr geregelt werden. „Bedauerlicherweise sind trotzdem eine Reihe von Autofahrern mit ihren Fahrzeugen in den Fluten liegengeblieben“, sagt Ordnungsamtsleiter Bernd Pfitzenmaier. Diese müssen von Abschleppdiensten befreit werden. Er nimmt an, dass einige Straßen bis in den Dienstag für Säuberungsarbeiten gesperrt bleiben müssen.

Auch Gebäude der Stadt scheinen durch das Wasser beschädigt worden zu sein. „Wir haben im Moment noch kein umfassendes Bild. Aber die Pichterichsporthalle ist betroffen, auch die provisorische Kita in Containern an der Pichterichstraße“, sagt Neckarsulms Oberbürgermister Steffen Hertwig. Fotos zeigen den überschwemmten Boden der Halle. Wie groß genau die Schäden sind, müssten aber Untersuchungen zeigen.

Viele unwetterbedingte Einsätze in Heilbronn

Auch in Heilbronn ist es am Montagabend zu rund 50 unwetterbedingten Einsätzen der Polizei gekommen. Zahlreiche Keller seien durch den Starkregen vollgelaufen, sowie Straßen überflutet worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Es kam zudem zu drei Verkehrsunfällen durch Aquaplaning mit einem Verletzten.

65-Jähriger ertrinkt in Wohnung

In Rot an der Rot im Kreis Biberach kam ein 65-Jähriger ums Leben. Er war am Montagabend von Wassermassen in seiner Wohnung im Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses überrascht worden. Erst Stunden später nachdem das Wasser abgeflossen war, konnten Feuerwehrleute den 65-Jährigen bergen. Insgesamt wurden über 20 Häuser in der Gemeinde durch die Überschwemmungen beschädigt.

Weiterhin Unwettergefahr durch Gewitter 

Die Menschen in Baden-Württemberg müssen sich am Dienstag erneut auf teils schwere Gewitter einstellen. Es bestehe verbreitet Unwettergefahr, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Stuttgart mitteilte. In kurzer Zeit können dann mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Auch kleinkörniger Hagel und Windböen seien möglich. Die Höchsttemperaturen liegen am Dienstag zwischen 17 und 26 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch soll das Gewitterrisiko zunächst abnehmen. Im Tagesverlauf bleibt es den Meteorologen zufolge aber bewölkt und regnerisch. Ab Mittag seien dann erneut Gewitter mit Unwetterrisiko durch heftigen Starkregen möglich. Die Temperaturen erreichen 19 Grad im Bergland und bis zu 26 Grad am Rhein.

 


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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