Heilbronner Wissen hilft in der Welt
Der Optikermeister Konrad Enzel reist seit Jahren ehrenamtlich in Entwicklungsländer, um sein Know-how weiterzugeben. Dabei haben er und seine Frau viele bereichernde Erfahrungen gesammelt.

Andere Ruheständler verbringen ihre Zeit auf dem Golfplatz, im Garten oder in der Sauna - für Konrad und Jutta Enzel aus Heilbronn ist das nichts. Seit zehn Jahren ist das Ehepaar für den Senior Experten Service (SES) weltweit unterwegs, um Menschen vor Ort zu unterstützen. Die Ehrenamtsorganisation der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit arbeitet nach der Devise "Kein Geld, sondern Know-how".
Erfahrener Optikermeister will sein Wissen weitergeben
Und davon besitzt Konrad Enzel eine ganze Menge. Der 78-jährige Heilbronner ist Augenoptikermeister und war viele Jahre Innungsobermeister. Sein Wissen gibt der Rentner nun in Entwicklungsländern weiter. Enzel wird vom SES angefragt, wenn vor Ort Bedarf an Brillen oder optischer Expertise besteht. Das können Kliniken sein oder auch Unternehmer, die ein Optikergeschäft aufbauen wollen.
Enzel hatte schon Einsätze in vielen Ländern
Unterstützung bekommt Enzel vom Verein Entwicklungsdienst Deutscher Augenoptiker (EDA), der gebrauchte Brillen, Material, Werkzeug und Maschinen bereitstellt. Der Heilbronner, stets begleitet von seiner Frau Jutta, die das Organisatorische übernimmt, war bereits in so unterschiedlichen Ländern wie Peru, Usbekistan, Ghana, Marokko, Algerien und zuletzt Mauretanien im Einsatz. Der SES kommt für die Flugkosten auf, Kost und Logis müssen die Nutznießer vor Ort übernehmen. "Ich finde es sehr sinnvoll, dass es ein Geben und Nehmen ist", sagt Enzel. Es gehe nicht darum, Spenden zu überbringen und wieder abzureisen, sondern über längere Zeit Fähigkeiten zu vermitteln und tragfähige Strukturen aufzubauen. Deshalb dauern die Einsätze üblicherweise drei bis vier Wochen.
Arbeiten unter schwierigen Bedingungen
In Mauretanien hat der Optikermeister den "Kollegen" vor Ort, die in der Regel über keine entsprechende Ausbildung verfügen, vor einigen Wochen eine spezielle Maschine zur Einarbeitung von Gläsern in Brillengestelle mitgebracht. "Diese Maschine ist viel robuster als die Schleifmaschinen, die wir in Deutschland kennen", erläutert Enzel. Schließlich sind die Bedingungen gerade in Afrika schwierig: Viel Sand und ständige Stromausfälle erschweren die Arbeit der Optiker.
Entsprechend wichtig ist neben den einfachen, aber robusten Maschinen die Handarbeit, über die der 78-Jährige verfügt und diese Kenntnisse gerne weitergibt. In diesem Fall an drei Mauretanier, die ein eigenes Brillengeschäft gegründet haben und von der Hilfe des Heilbronner SES-Experten profitieren. "Wir halten den Kontakt auch nach dem Einsatz, denn es soll ja nachhaltig sein", sagt Enzel. Mit einem der drei mauretanischen Brillentechniker skypt er regelmäßig, um dessen Fachfragen zu beantworten. "Er ist besonders motiviert und will weiterkommen", freut sich Enzel über das Engagement.
Die Einsätze sind für das Ehepaar sehr bereichernd
Das ist es auch, was das Heilbronner Ehepaar an den Einsätzen so schätzt. "Es gibt einem eine gewisse Befriedigung, Menschen zu helfen, dass sie selbstständig arbeiten können", sagt Konrad Enzel. Auch die persönlichen Erfahrungen der mitunter strapaziösen Reisen, seien sehr bereichernd und mit touristischen Besuchen nicht zu vergleichen. "Man lebt mit den Menschen, lernt sie und ihre Kultur kennen", sagt der Heilbronner. Negative Erfahrungen haben Konrad und Jutta Enzel bei ihren Einsätzen noch nie gemacht. "Man muss offen sein und mit einem lachenden Gesicht auf die Menschen zugehen. Dann kann nichts passieren", lautet das Erfolgsrezept des Ehepaares.
Senior Experten Service
Der Senior Experten Service (SES) ist die führende deutsche Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Seit 1983 gibt der SES weltweit Hilfe zur Selbsthilfe - in allen Branchen und Sektoren. Zurzeit stellen dem SES etwa 12 000 Experten aus allen beruflichen Richtungen ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Verfügung. Der SES hat seinen Sitz in Bonn. Die Organisation wird bundesweit durch Vertretungen und weltweit von rund 200 Repräsentanten in 93 Ländern vertreten.
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