Heilbronner Stadtbibliothek hat jetzt einen Lesehund

Heilbronn  In der Heilbronner Stadtbibliothek startet bald ein innovatives Projekt: Ein Lesehund namens Fiete soll Kindern beim (Vor-)Lesen lernen helfen. Der Vierbeiner bringt alles mit, was es für diesen interessanten Job braucht.

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Julia Dörr und ihre Tochter Frida mit Lesehund Fiete in der Heilbronner Stadtbibliothek: Für den Vierbeiner ist das kein Job, sondern reines Vergnügen.

Foto: Mario Berger

Wer Fiete in die Augen schaut, erliegt sofort seinem Charme. Der treue Hundeblick und die entspannende Wirkung des drei Jahre alten Mischlings soll ab Herbst Kindern in der Heilbronner Stadtbibliothek und der Wartbergschule helfen, Lesen und Vorlesen zu lernen.

Die Idee hört sich zunächst skurril an, hat sich aber bewährt, erklärt Bibliotheksleiterin Vanessa Kapfer-Gördes, die gleichzeitig Frauchen des kuscheligen, freundlichen Rüden ist. Die 41-Jährige hat den in Spanien geborenen Hund aus dem Tierschutz in ihre Familie aufgenommen.

Hunde bewerten und kritisieren nicht

Die Büchereileiterin hat in Dänemark studiert, wo viele Bibliotheken schon Lesehunde haben. Auch in Deutschland gibt es mehrere Büchereien, die die therapeutische Wirkung des sympathischen Tieres nutzen. Was aber macht die Spürnase im Allgemeinen und den Mischling aus Foxterrier und spanischem Wasserhund von Kapfer-Gördes im Speziellen zu so guten Lernbegleitern?

"Hunde werten und kritisieren nicht, wenn sie vorgelesen bekommen", antwortet die Bibliotheks-Chefin. Es mache Kindern Spaß und tue ihnen gut, wenn sie die Tiere streicheln können und ihre Nähe spüren. Wissenschaftlichen Studien nach produziere der Körper dabei das beruhigende Bindungshormon Oxytocin. Die Präsenz des Hundes steigere zudem Motivation und Konzentrationsfähigkeit.

"Kinder, die vorher vielleicht Angst hatten und bei Fehlern gehänselt wurden, fühlen sich wohl und gewinnen Freude beim Vorlesen", berichtet Vanessa Kapfer-Gördes, die das Ganze auch schon bei ihrer achtjährigen Tochter ausprobiert hat. Ergebnis: Es funktioniert prima.

Das zuständige Amt im Rathaus hat das Konzept abgesegnet. Die Bibliotheksleiterin ist beim Vorlesen natürlich immer als Aufsichtsperson dabei. Geplant ist in der Bücherei, dass Fiete maximal acht Kindern insgesamt eine Stunde zuhört. Dann braucht er eine Pause.

Fiete ist gutmütig und wasserscheu

Klar ist auch, dass sich nicht jeder Hund für diesen Job eignet. Johann Friedrich von Allmen, wie Fiete nach einer Romanfigur von Martin Suter in der Langform heißt, absolviert in einer Hundeschule eine Ausbildung zum Assistenzhund. Er ist gut-, sanftmütig, lässt sich gerne anfassen und liebt Gesellschaft, Butterbrote und Lachs. Nur eines mag er nicht: Wasser, zum Beispiel in Form von Pfützen.


Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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