Heilbronner Nachhaltigkeitstag: Warum jede Tat zählt

Heilbronn  Der Nachhaltigkeits- und Energiewendetag auf dem Heilbronner Kiliansplatz appelliert an Bürger, in Sachen Konsum, Ernährung und Mobilität klimafreundlicher zu handeln.

Von Bärbel Kistner

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OB Harry Mergel (Mitte) informiert sich auf dem Kiliansplatz am Stand von Future Fashion (Zukunftsmode) über Auswirkungen des persönlichen Einkaufsverhaltens bei Textilien aufs Klima.

Fotos: Ralf Seidel

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel schätzt, dass er pro Jahr 20 Kleidungsstücke und Schuhe neu kauft. Damit liegt er weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Jeder Bürger, Babys und Hochbetagte eingerechnet, schafft sich pro Jahr 60 neue Anziehsachen an - und konsumiert damit große Mengen an Rohstoffen und Energie.

Am Stand von "Future Fashion", einer Initiative der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg, soll das Bewusstsein geschärft werden, wie jeder einzelne mit seinem Konsumverhalten Einfluss auf das Klima nimmt.

20 Akteure

"Jede Tat zählt" ist der Nachhaltigkeits- und Energiewendetag überschrieben, der zum achten Mal den Kiliansplatz zur "Nachhaltigskeitsinsel" macht. 20 Akteure haben sich in Corona-Zeiten zusammengefunden, um die ganz unterschiedlichen Facetten des Themas in den Fokus zu rücken - und vor allem um aufzuzeigen, was jeder Einzelne dazu beitragen kann, sich klimafreundlicher zu verhalten.

"Was kann ich selbst tun, um von meinen zehn Tonnen CO2-Fußabdruck wegzukommen?", fragt Dr. Thomas Bergunde, Sprecher der Lokalen Agenda 21. Die Initiative hat den Nachhaltigkeitstag diesmal gemeinsam mit der BUND-Ortsgruppe Heilbronn, den "Parents for Future" und dem Sozialen Zentrum Käthe organisiert.

Bienenwachstuch spart Plastik

"Wir wollen an allen Ständen ein haptisches Erlebnis bieten, um Besucher direkt anzusprechen", sagt Bergunde. Man kann ein Bienenwachstuch herstellen, Müllsünder ermitteln oder sich zu Klimafragen über ein Gewinnspiel schlau machen. Das große Manko der Klimaschutzbewegung ist für Bergunde, "dass der Gedanke der Eigenverantwortung zu kurz kommt. Der Staat soll"s richten ist der falsche Ansatz."

Der Masterplan Klimaschutz der Stadt sei gut und richtig, aber er biete dem einzelnen Bürger keine Lösungen an für Verhaltensänderung in den Bereichen Energie, Mobilität, Konsum und Ernährung. "Wir brauchen beide Seiten und müssen die Bürger mitnehmen", ergänzt Volkshochschul-Leiter Peter Hawighorst.

Zwölf-Punkte-Plan für klimafreundliches Heilbronn

Lokale Agenda und VHS überreichen OB Mergel beim Rundgang zu den Ständen ihren neuen "Zwölf-Punkte-Plan für ein klimafreundliches Heilbronn". Dieser macht konkrete Vorschläge, wie Bürger aktiven Klimaschutz betreiben können, unterstützt durch Maßnahmen der Verwaltung. Etwa bei der Ernährung ließen sich CO2-Emissionen reduzieren, wenn Menschen mehr regionale, saisonale und weniger tierische Lebensmittel konsumieren.

Im Gegenzug dazu solle es städtische Anreizprogramme geben für gesundes und klimaverträgliches Essen in städtischen Eigenbetrieben sowie in Schulen, Kitas und Mensen. Mergel würdigt die Rolle der Lokalen Agenda als einer Gruppierung, "die uns Dampf macht" und die eine Bereicherung für die Meinungsbildung sei.

 

 

Nachholbedarf bei Zuwanderern

Eine wichtige Rolle haben für den OB zudem interkulturelle Umweltmentoren. Bei Zuwanderern gibt es Nachholbedarf in punkto Mülltrennung, Energiesparen und Nachhaltigkeit im Alltag. Fast 200 Gespräche hat die Stabsstelle Partizipation und Integration bereits geführt.

Weitere Infos zum Nachlesen: Der "Zwölf-Punkte-Plan" ist auf der Homepage der Lokalen Agenda unter www.agenda21-hn.de zu finden.

Satire: Wohnungslose und Klimaschutz

Die Heilbronner Theatergruppe der Wohnungslosen hat ein Stück in Szene gesetzt, das Satire und Realität drastisch verknüpft. Wohnungslose sparten durch ihre Lebensweise große Mengen an CO2 ein, "durch ihren konsequenten Verzicht auf Flugreisen, Individualverkehr und die Beschränkung des privaten Wohnraums auf 0 bis 16 Quadratemeter". Damit sich Wohnungslose zudem noch klimafreundlich mit Biolebensmitteln ernähren können, werden sogenannte Ablassbriefe verkauft, mit denen die Spender ihre Ökobilanz aufbessern können, erklärt Initiatorin Cosima Greeven.

 

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