Heilbronner Märkte unter Corona-Bedingungen

Heilbronn  Beim deutsch-holländischen Stoffmarkt auf der Heilbronner Theresienwiese herrschte am Samstag reges Treiben. Anders auf dem Cityflohmarkt im Deutschhof: Dort hatten die Aussteller auf mehr Besucher gehofft.

Von Linda Saxena
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Der hellblaue, weiche Stoff oder doch der mit den schwarzen kleinen Füchsen? Frieda Leubner (9) aus Bad Friedrichshall hat die Qual der Wahl. Gemeinsam mit Ulrike Rückheim, einer Freundin der Familie, sucht die Neunjährige neue Stoffe für ihre nächsten Nähprojekte aus. „Ich will einen Pullover mit Mütze und Kissenbezüge nähen“, erzählt sie. Am Stand von Stoffhändlerin Stephanie Mai wird das Zweiergespann fündig. Bunte Stoffe mit Dekor, japanische Stoffwaren sowie unterschiedlichste Materialien locken allerlei Besucher an den Stand der Berlinerin.

Mai ist eine von rund 40 Ausstellern auf dem deutsch-holländischen Stoffmarkt, der in diesem Jahr Corona-bedingt auf der Theresienwiese stattfindet. „Wir sind froh, überhaupt veranstalten zu dürfen“, bekundet Organisator Marko Krstic seine Erleichterung.  Durch die Einlassgrenze von 500 Besuchern in das eingezäunte Gelände kann der Markt stattfinden. Zudem gilt eine Maskenpflicht. Daher setzt Krstic auf das Motto: „Qualität statt Quantität.“

Holländische Händler müssen Corona-Test vorweisen

Zwölf Sicherheitskräfte sorgen mit einem ausgeklügeltem Zählsystem dafür, dass sich nur so viele Menschen auf dem Markt aufhalten, wie erlaubt.  Die holländischen Händler mussten zudem einen Corona-Test nachweisen, da die Niederlande zu einem Risikogebiet erklärt wurde, berichtet der Essener Veranstalter. „Die Test waren alle negativ.“ 

Standortwechsel

Um den Besucherverkehr besser regeln zu können, findet der deutsch-holländische Stoffmarkt, der in den Vorjahren auf der Unteren Neckarstraße beheimatet war, in einem eingezäunten Areal auf der Theresienwiese statt. Ebenso muss der Heilbronner Cityflohmarkt einen Ortswechsel vollziehen: Nun dient der Deutschhof als Rondell für Antiquitäten- und Trödelwaren, damit Ein- und Ausgänge kontrolliert werden können.

Während die zahlreichen Besucher über den Markt schlendern, zeichnet sich eine gewisse Erleichterung in den Gesichtern der Verkäufer ab. „Wir haben keine allzu großen Einbußen, wenn Märkte stattfinden“, berichtet der Händler Hans-Joachim Moosmann (67) aus Idar-Oberstein, während er Meterware für eine Kundin zurechtschneidet. Bei seinen Kollegen aber hinge oftmals die Existenz von den Märkten ab, so Moosmann.

Zwischen weichen Sweat- und bunten Baumwollstoffen hängen einige Hinweisschilder, während Baken vor dem Stand für die Einhaltung des Abstandes sorgen. „Es ist eine komische Zeit“, sagt der Rentner. Trotz alledem werden Nähinteressierte und kreative Köpfe auf dem Markt nicht enttäuscht: Neben einer großen Auswahl an unterschiedlichen Stoffen erfahren Kundinnen und Kunden fachkundige Beratung und Inspiration durch das unerschöpfliche Wissen der Händler.

Damit sich die Szenen des vergangenen Flohmarktes auf der Theresienwiese nicht wiederholen, legt auch der Veranstalter des Stoffmarktes viel Wert auf einen reibungslosen und rechtlich abgesicherten Ablauf.

 

Erster Flohmarkt nach dem Lock-Down

Dies ist auch beim Heilbronner Cityflohmarkt, der am Samstag im Deutschhof gastiert, der Fall. Bis zu 190 Besucher, erklärt ES-Märkte-Veranstalter Til Maehr, können in den idyllisch gelegenen Innenhof gelangen, um Antiquitäten, Trödel und Kunsthandwerk zu erwerben. „Es ist eine nette kleine Mischung“, beschreibt Maehr die 22 Aussteller.

Wie auch in den vergangenen Jahren stellt er die Veranstaltung zusammen mit der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) auf die Beine. Obwohl nach Maehr der Besucherstrom am Vormittag „sehr verhalten“ ist, greife man nach jedem Strohhalm, um mit dem Flohmarkt im Gedächtnis zu bleiben. „Corona-entsprechend sind wir zufrieden“, so der Veranstalter. Auch bei den Ausstellern hält sich die Euphorie in Grenzen. Für viele ist es der erste Flohmarkt nach dem Lock-Down.

Sandra Block aus Gemmingen hat gemeinsam mit ihrem Mann ein paar Stücke aus der Porzellan-Sammlung ihrer Tante verkauft. „Vielleicht kommt die Standmiete zusammen“, hofft sie. Auch Carmen Harton rechnet nicht mit viel Gewinn an ihrem buntgemischten Stand mit Kleidern, Haushaltswaren und Schmuck. „Es hat mich gefreut, durch das Losverfahren ausgelost geworden zu sein“, sagt die Ausstellerin. Aus der Situation das Beste zu machen ist auch Adeviye Egribas (64) aus Heilbronn ein Anliegen. Die Flohmarkt-Liebhaberin bedauert, dass der Markt nicht wie gewohnt in der Innenstadt stattfinden kann. „Es ist nicht mit dem Flair von dort zu vergleichen“, sagt sie, obwohl ihr auch die Atmosphäre im Deutschhof zusagt. „Die Alternative ist schön“, merkt sie an und schlendert zum nächsten Stand mit orientalischen Figuren.

 


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