Heilbronner Krematorium wird für 1,75 Millionen Euro saniert

Heilbronn  Die erste Anlage ihrer Art in Württemberg ist in die Jahre gekommen. Das 1905 gebaute Heilbronner Krematorium muss saniert werden. Am Erscheinungsbild des Denkmals ändert sich nichts.

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Das 1905 vom späteren Oberbürgermeister Emil Beutinger gebaute Krematorium im Heilbronner Hauptfriedhof ist seit Jahren immer wieder defekt.

Foto: Mario Berger

"Hinauf zum Licht" steht in großen Lettern über dem Portal. Auf dem Giebel sitzt eine Skulptur des Phoenix, der laut griechischer Mythologie verbrannte - und zu neuem Leben erwachte: Das von Emil Beutinger im Jugendstil erbaute Heilbronner Krematorium war 1905 das erste in Württemberg. Bis heute zieht es die Blicke von Besuchern des Hauptfriedhofs wie magisch auf sich, auch die von Anwohnern: wenn wegen Störfällen schwarzer Rauch aufsteigt.

Ein altes Problem wird behoben

Das Problem ist längst erkannt. "Die Anlagenkomponenten haben schlichtweg ihren Zenit überschritten," erklärte Friedhofsleiter Martin Heier schon vor Jahren auf Stimme-Anfrage. In der Folge komme es immer wieder zu Störungen. Selbst die Einhaltung der verordneten Emissionswerte könne auf Dauer nicht gewährleistet werden. Der städtische Bauausschuss hat kürzlich der überfälligen Sanierung der Technik in Höhe von 1,75 Millionen Euro zugestimmt.

Dabei müssen zwei Untergeschosse fast ganz entkernt werden, sagt Roland Weikert vom Hochbauamt. Im Anschluss werde eine neue Ofenlinie aufgebaut. Auch der Schornstein muss saniert werden. Wobei alle Neuerungen "ohne Abänderung der äußeren Erscheinung, der historischen Hülle" möglich seien. Einer von zwei Öfen sei bereits abgebrochen, "um die Gegebenheiten zu Fundamentierungsarbeiten für den neuen Ofen erfassen und Risiken minimieren zu können". Überraschungen seien nicht auszuschließen.

"Mit viel Einsatz und Einfallsreichtum", so heißt es in einer Ratsvorlage, sei es oft gelungen, die Anlage notdürftig instand zu setzen und am Laufen zu halten. Nur durch die Amtshilfe der kommunalen Krematorien von Stuttgart und Karlsruhe hätten Störfälle ohne negativen Auswirkungen für die Angehörigen ausgeglichen werden können.

 

Mehr Verbrennungen in der Pandemie

Die aktuelle Situation mit erhöhten Bestattungszahlen aufgrund Covid-19-Opfern hat laut Heier gezeigt, wie wichtig es sei, die Anlage in einen betriebssicheren Zustand zu bringen und zu modernisieren. Es sei "ein hohes Gut, dass wir als Oberzentrum ein Krematorium bereitstellen und die Heilbronner Verstorbenen nicht in einem provisionsgesteuerten Einäscherungsmarkt durchs Land gefahren werden müssen".

Das Krematorium ist laut Heier nicht zuletzt auch ein zentraler Teil des Friedhofswesens, so gebe es "eine wichtige Wohlfahrts- und Wechselwirkung" zwischen Krematorium und alternativen Urnen-Grabformen, in denen mittlerweile 25 Prozent der Verstorbenen bestattet und 37 Prozent der Gräbergebühren von zusammen 650.000 Euro pro Jahr erwirtschaftet werden.

Im Mittel habe das Krematorium 2014 bis 2019 trotz der Störungen im Jahresschnitt 354.000 Euro Erlöse erwirtschaftet und einen Kostendeckungsgrad von 87,13 Prozent erreicht. 2020 habe es 1101 Einäscherungen gegeben, 702 Heilbronner und 399 Auswärtige. Der Anteil der Feuerbestattungen liegt in Heilbronn mit leicht steigender Tendenz bei 69 Prozent. Die Sanierungskosten dürften sich in 15 Jahren amortisiert haben, heißt es.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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