Heilbronn öffnet sich weiter dem Fluss

Heilbronn  Bisher nähert sich die Heilbronner Innenstadt dem Neckar vor allem auf der Unteren Neckarstraße. Nun soll die Obere Neckarstraße mit einem einladenden Uferbereich für drei bis zu vier Millionen Euro umgestaltet werden.

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Der Entwurf des Landschaftsbüros Hink aus Schwaigern-Massenbach gefiel der Jury eines Gestaltungswettbewerbs am besten. Rechts der Götzenturm mit neuer Treppenanlage und Rampe.

Dass der Neckar nicht nur als Wasserstraße taugt und wegen der Hochwasser-Gefahr teils abgeschirmt werden muss, sondern dass er auch ein wunderbarer Lebensraum ist: Das haben viele Heilbronner und Besucher dieser Stadt am Fluss erst durch die Bundesgartenschau 2019 richtig realisiert.

Während im neuen Stadtteil Neckarbogen mit der Öffnung der Ufer zum Altneckar ein großer städtebaulicher Wurf gelungen ist, hat sich die Stadt seit den 1990ern bereits punktuell dem Fluss geöffnet: von der Neckarbühne am Soleo über die mit Lokalen bestückte Neckarmeile, diverse Stegs, Friedrich-Ebert-Brücke plus Inselspitze bis zur Treppe am Marrahaus. Eine ältere Anlage mit zwei Treppen und Plattform an der Götzenturmbrücke wird kaum genutzt.

Über 200 Meter hinweg ein neues Ufer

Den knapp 200 Meter langen Bereich zwischen diesen beiden Anlagen, also im Prinzip den Uferbereich der Oberen Neckarstraße, will die Stadt nun komplett neu gestalten. Kostenpunkt: je nach Ausführung zwischen drei und vier Millionen Euro. Wann das reizvolle Vorhaben angepackt wird? Das hängt von den anstehenden städtischen Etatverhandlungen ab, wobei Oberbürgermeister Harry Mergel hofft, dass trotz vieler Corona-Sparzwänge Geld in den Etat 2021/22 eingestellt werden kann.

Pläne des Landschaftsbüros Hink aus Schwaigern-Massenbach legte die Rathausspitze im Vorfeld der Bauausschusssitzung extra der Presse vor. "Aus der Buga haben wir gelernt, welch großen Schatz der Neckar birgt", betont Mergel. "Wer die Gartenschau weiterdenkt, muss den Neckar zum Hauptthema der Stadtentwicklung machen", sprich: "Die Stadt muss näher ans Wasser ran." An der Unteren Neckarstraße sei dies teils schon gelungen. An der Oberen wolle man die Idee konsequent weiterführen und die bislang schroffe historische Befestigung punktuell öffnen und gestalterisch aufwerten.

Promenade der drei Geschwindigkeiten

Baubürgermeister Wilfried Hajek und Planer Michael Hink sprechen von einer "Promenade der drei Geschwindigkeiten": Entlang der Häuserzeile werde der bestehende Fuß- und Radweg im Prinzip erhalten; Anwohner dürften hier weiter ihre Autos abstellen, zumindest mittelfristig. Auch der reine Fußgängerstreifen zwischen Baumallee und Geländer bleibt. Er wird aber durch weitere Pflanzen, Möbel und Elemente wie etwa Wasserspiele aufgewertet.

Eine neue dritte, bis zu acht Meter breite Ebene verläuft direkt entlang der Wasserlinie und wird mit Verweil- und Ruhezonen ergänzt. Gleichzeitig sind südlich des bestehenden Abgangs am Marrahaus drei neue vorgesehen: zwei kleinere und anstelle des alten Abgangs an der Götzenturmbrücke eine großzügige Treppenanlage, die leicht nach Nordwest ausgerichtet ist, also mit Blickrichtung zum Insel-Hotel. Sie führt über kleine und höhere Stufen zwischen schattenspendenden Bäumen und bepflanzen Inseln zum Ufer hinunter. Bei Nacht soll alles stimmungsvoll beleuchtet werden.

Wettbewerb mit drei Büros 

Auch eine barrierefreie Rampe für Rollatoren oder Rollstühle ist vorgesehen. Kanus und Boote werden weiterhin anlegen können. Der Uferstreifen führt unter der Götzenturmbrücke zur neuen Anlegestelle für Ausflugsschiffe. Auf der angrenzenden Böschung, wo bisher ein provisorischer Abgang verläuft, wird Platz für gestaltetes Grün und neue Bäume frei.

Michael Hinks Pläne gingen laut Hajek als Sieger aus einem Wettbewerb hervor. Auf Platz zwei wählte die von Professorin Bü Prechter aus Augsburg geleitete Jury aus Stadträten und städtischen Experten den Entwurf von Cornelia Biegert aus Bad Friedrichshall, Dritter wurde das Stuttgarter Büro Pfrommer + Roeder.

 

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Kommentar: Buga-Schwung

Schön anzusehen sind sie, zweifelsohne, die wunderbaren Pläne vom neuen Neckarufer am Rande der Altstadt. Doch in welchem Zeitraum sie tatsächlich Wirklichkeit werden, steht auf einem anderen Blatt. Rathaus-Chef Harry Mergel hat sich bereits aus dem Fenster gelehnt. Trotz des absehbaren Corona-Spar-Etats würde er die notwendigen drei bis vier Millionen Euro gerne in den Haushalt 2021/22 einstellen, sagte er bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Das ist ein Wort. Aber natürlich weiß der OB auch um die aktuellen Sparzwänge und um wichtige Pflichtaufgaben.

Letztendlich könnte die Neckarufer-Frage die Grundsatzfrage für die anstehenden Haushaltsverhandlungen vorwegnehmen. Was können wir uns in Corona-Zeiten angesichts rückläufiger Steuereinnahmen und daraus resultierender Sparzwänge leisten? Was ist wirklich wichtig fürs Gemeinwesen, fürs Zusammenleben, für die Zukunft? Was hat deshalb Priorität?

Für die einen sind das, so banal es klingen mag, intakte Straßenbeläge und Abwasserrohre – als Teil einer intakten Infrastruktur, zu der auch ein besserer ÖPNV gehört. Für andere hat gerade Corona gezeigt, dass die Arbeit im Sozialen und Gesundheitswesen gestärkt werden muss und die Digitalisierung der Schulen. Gleichzeitig wünschen sich viele Heilbronner, den Schwung der Buga zu nutzen und das bisher unterschätzte Thema Stadt am Fluss konsequent voranzutreiben und dies Stadt damit noch lebenswerter zu machen.

Die Stadträte stehen also vor vielen Abwägungsfragen. Letztlich leben eine Stadt und ihre Bürger aber nicht nur vom unbedingt Notwendigen. Die Bundesgartenschau hat dies eindrücklich gezeigt. Ihr Schwung darf nicht verpuffen.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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