Heilbronn Marketing GmbH feilt an Alternative zum Weindorf

Heilbronn  Ein Weindorf in Zeiten von Corona? Die Heilbronn Marketing GmbH denkt über eine Art "Weindorf light" nach und feilt an einem alternativem Konzept mit verschiedenen kleineren Angeboten zum Thema Wein.

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Bilder wie dieses wird es dieses Jahr vom Heilbronner Weindorf nicht geben. Das Fest wird wegen Corona nicht in gewohntem Rahmen stattfinden. Die HMG versucht aber, das Thema Wein auf andere Art zu spielen.

Foto: Archiv

Großveranstaltungen sind nach aktuellem Stand zwar nur bis 31. August verboten. Trotzdem ist davon auszugehen, dass sie das ganze Jahr über tabu sind. Ausgerechnet zum Jubiläumsjahr "50 Jahre Heilbronner Weindorf" macht die Corona-Pandemie auch dem größten Weinfest der Region einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur für die sonst üblichen 250.000 Besucher ist das bitter. Für ein Dutzend Köche und 50 Winzer bricht nach eigenen Veranstaltungen und Festen damit eine weitere Einnahmequelle weg, während ihre Besenwirtschaften und Lokale erst seit Mitte Mai wieder auf Sparflamme kochen.

Kein Massenevent

Doch hinter den Kulissen machen sich maßgebliche Köpfe Gedanken, wie das Thema Wein vom 10. bis 20. September trotzdem gespielt werden könnte, rund ums Rathaus - und womöglich darüber hinaus auf ganz verschiedenen Ebenen, nicht als Massenevent, sondern punktuell von der Neckarbühne über den Rathaus-Innenhof zu Lokalen und Gütern bis zum Wartberg: ein Festival in der Weinstadt.

Zum Nutzen der Stadt

Ob man dies nun Weindorf light, Weinfestival oder Weintage nennt, ist sekundär, betont Steffen Schoch als Chef der Heilbronn Marketing GmbH (HMG). Im Kern gehe es wie bei vielen HMG-Aktivitäten darum, "die Weinstadt Heilbronn attraktiv zu halten, indem wir Menschen anlocken, ins Gespräch bringen, an die Stadt binden, letztlich aber nicht aus Spaß an der Freud", sondern zum Nutzen von Handel, Gastronomie, Winzern und anderen Protagonisten.

Corona gibt den Rahmen vor

"Noch sind das Gedankenspiele", so Schoch. Gleichzeitig wolle man aber eine "Grundstruktur" schaffen, über die man als Veranstalter "bei weiteren Lockerungen Gewehr bei Fuß steht und flexibel reagieren kann". Kernproblem: Die Corona-Schutzmaßnahmen ändern sich oft im Wochen-Rhythmus, aktuellen Lockerungen könnten weitere folgen, aber auch eine Verschärfung, wenn sie zu einem neuen Infektionsdruck führen. Was weiterhin ganz gewiss gelte, so Schoch, seien die strengen Abstands- und Hygieneregeln, womöglich auch die Registrierung jedes Besuchers. "Das muss natürlich alles wasserdicht sein."

Bald zwei neue Stände

Deshalb schwebt Schoch zunächst ein in sich flexibles Konzept mit vielen kleineren Veranstaltungen und Anlaufstellen vor. Herzstück könnte der umschrankte Rathaus-Innenhof sein. Als Außenstellen könnte er sich die neuen Wein-Villa-Stände an der Neckarbühne und auf dem Wartberg vorstellen, die womöglich im Juni öffnen dürfen. Wanderungen mit Weinerlebnisführern könnten alles vernetzen.

Schon Zusagen von Promis

Wenig verspricht sich der HMG-Chef von den durch Corona in Mode gekommen Online-Weinproben. "Da läuft nicht viel, außerdem ist mir das zu anonym." Mit ins Boot holen würde er aber neben den Gütern selbstverständlich auch Gastronomen, die dann verstärkt Weinproben oder Weinmenüs anbieten könnten. Für Top-Events habe er bereits die Zusage von Gault-Millau-Chefredakteur Otto Geisel und TV-Sommlière Natalie Lumpp. "Vielleicht klinken sich ja auch manche Händler ins Thema Wein ein, auch Feinkostläden, Buchhandlungen oder Kulturveranstalter", hofft Schoch, der nicht zuletzt ein durch Corona verlorengegangenes "Gemeinschaftsgefühl" beleben will.

Selbst der eine oder andere Punkt aus dem ursprünglichen Festprogramm zu "50 Jahre Heilbronner Weindorf" könnte womöglich doch noch stattfinden: von einer Ausstellung zum Thema Religion und Wein in der Kilianskirche über ein großes Württemberger Weinköniginnen-Treffen bis zu einem ökumenischen Gottesdienst.

 


Kommentar: Weindorf light in Zeiten von Corona 

Kilian Krauth
Kilian Krauth über das Weindorf light.

Es mutet wie die Quadratur des Kreises an: ein Weindorf in Corona-Zeiten? Die Heilbronn Marketing GmbH (HMG) überlegt, wie sie das Thema Wein trotz Corona Mitte September in Baden-Württembergs ältester Weinstadt spielen kann. Was auf den ersten Blick wie ein Marketing-Gag klingt, könnte Hand und Fuß bekommen. HMG-Chef Steffen Schoch arbeitet an einem Konzept, mit dem er flexibel auf die jeweiligen Corona-Schutzmaßnahmen reagieren könnte. Dass dieses "Weindorf light" wenig mit der bekannten Massenveranstaltung zu tun hat, ist klar. Genau darin liegt eine Chance.

Zu lange hat sich der Wein in Heilbronn aufs Weindorf und auf Besenwirtschaften konzentriert. Erst in den letzten Jahren sind zeitgemäße Angebote dazugekommen: Führungen, Proben, Präsentationen und andere attraktive Plattformen, auf denen Jungwinzer mit Horizont Genuss und Tourismus zeitgemäß durchdeklinieren. Gleichzeitig spielt Wein auf vielen Gastro-Karten eine immer größere Rolle.

Die HMG versucht die vielen Angebote sowieso schon zu vernetzen. Die Grundstruktur für ein Weindorf light steht also bereits. Bald wird sie um einen Ausschank am Neckar und einen am Wartberg ergänzt, fehlt nur noch einer am Marktplatz. Wenn sich dann auch Händler mit passenden Aktionen einklinken, würde die halbe Stadt profitieren. Und dies am besten nicht nur zur Corona- und Weindorfzeit.

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kilian.krauth@stimme.de


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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