Hans-Jörg Vollert ist neuer Chef der regionalen Arbeitgeber

Heilbronn  Weinsberger Unternehmer folgt bei Südwestmetall auf Karl Schäuble, der nach 19 Jahren in Ruhestand geht. Auch der Neue versteht sich als Stimm des Mittelstands und will die Tarifverträge modernisieren.

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Die Transformation der Automobilbranche (hier die Produktion des Audi A8) ist eine der zentralen Aufgaben, der sich Südwestmetall stellen muss.

Foto: Archiv/Audi

Hans-Jörg Vollert (51) ist neuer Vorstandsvorsitzender der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall.

Der geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen Weinsberger Maschinen- und Anlagenbauers wurde bei der virtuellen Mitgliederversammlung gestern zum Nachfolger von Karl Schäuble (69) gewählt, der nach 19 Jahren an der Verbandsspitze in Ruhestand geht. Vollert steht damit auch an der Spitze des Unternehmensverbandes Südwest, dessen Mitglieder in der Regel nicht tarifgebunden sind.

160 Mitgliedsbetriebe mit 50.000 Beschäftgten

Die beiden Verbände haben aktuell 160 Mitgliedsunternehmen mit knapp 50.000 Beschäftigten. Auf die Südwestmetall-Mitglieder entfallen davon rund 35.000 Beschäftigte.

Was die inhaltliche Ausrichtung der Verbandsarbeit angeht, setzt Vollert auf Kontinuität. "Ich will die Stimme des Mittelstandes sein", sagte Vollert. Auch Karl Schäuble war es immer wichtig gewesen, die Belange der mittelständischen Unternehmen zu vertreten. Sein Nachfolger sieht eine weitere wichtige Aufgabe darin, den Flächentarifvertrag zukunftsfähig zu gestalten. Es brauche mehr Differenzierungsmöglichkeiten und mehr Flexibilität, betonte Vollert. Ansonsten drohe eine weitere Tarifflucht der Unternehmen.

Sorge vor laufender Tarifrunde

Hans-Jörg Vollert ist neuer Chef der regionalen Arbeitgeber

Hans-Jörg Vollert (Mitte) ist neuer Vorstandsvorsitzender von Südwestmetall in der Region. Karl Schäuble (rechts) geht in Ruhestand. Links Jörg Ernstberger.

Foto: Paul

Mit Sorge schauen die regionalen Arbeitgeber auf die laufende Tarifrunde, wo ab heute Warnstreiks der IG Metall möglich und auch schon angekündigt sind. Schäuble riet der Gewerkschaft zu "absoluter Zurückhaltung" bei ihren Forderungen. Die laufende Transformation der Branche zwinge die Unternehmen zu Investitionen, um Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Daher dürften sie jetzt nicht mit Lohnerhöhungen belastet werden.

Für Südwestmetall-Geschäftsführer Jörg Ernstberger geht die Lohnforderung der Gewerkschaft von vier Prozent "an der Realität vorbei". Er verwies auf den prognostizierten Stellenabbau in der Branche alleine in Stadt- und Landkreis Heilbronn von 3500 Mitarbeitern. Hans-Jörg Vollert sieht ebenfalls keine Verteilungsmasse: "Mehr als ein Drittel der Unternehmen hat rote Zahlen geschrieben", betonte er.

In der Region hätten zudem 50 Prozent der Unternehmen bereits Ergänzungstarifverträge mit der Gewerkschaft abgeschlossen, weil sie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind. "Das zeigt, dass mit dem Flächentarifvertrag etwas nicht stimmt." Vollert fordert daher mehr Differenzierungsmöglichkeiten, um der Unterschiedlichkeit der Unternehmen besser gerecht werden zu können.

Tarifverträge sind zu komplex

Die Mittelständler im Verband monieren zudem die Komplexität der Tarifverträge. "Sie müssen einfacher und für kleinere Unternehmen handhabbarer werden", forderte Joachim Vianden, Geschäftsführer des Eisenwerks Würth in Bad Friedrichshall.

Der neue Vorstand hat 13 Mitglieder

Die Südwestmetall-Bezirksgruppe hat den Vorstand von vier auf 13 Mitglieder erhöht. Damit will Geschäftsführer Jörg Ernstberger eine bessere Repräsentation der Region erreichen. Die Landkreise Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Hohenlohe waren bislang nicht ausreichend vertreten. Der künftige Vorstand besteht aus: Hans-Jörg Vollert, Weinsberg; Stefanie Ulrich, Audi, Neckarsulm; Christine Grotz, Weber-Hydraulik, Güglingen; Peter Sebastian Krause, Rheinmetall, Düsseldorf; Rolf Kummer, Franz Schneider, Nordheim; Markus Schramek, BEW-Umformtechnik, Rosengarten; Detlef Mücke, Magna Spiegelsysteme, Assamstadt; Jürgen Linhard, R.Stahl, Waldenburg; Christian Theiss, Nedschroef, Schrozberg; Carsten Strenger, Illig, Heilbronn; Matthias Frohberg, J.A. Becker, Erlenbach; Joachim Vianden, Eisenwerk Würth, Bad Friedrichshall; Richard Ongerth, Kaco, Kirchardt

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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