Der erste Friseur-Termin nach der Corona-Zwangspause

Brackenheim  Ihre Kunden haben ihr gefehlt: Diesen Dienstag öffnet Friseurin Tatjana Riedel ihren Salon "Rendez-vous" in Brackenheim wieder - für angemeldete Kunden. Was beim Friseurbesuch alles anders ist, haben wir vorab getestet.

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Der Laden ist eigentlich geschlossen. Erst am Dienstag öffnet Tatjana Riedels Salon "Rendez-vous" in Hausen offiziell, für die Stimme machte sie am Montag, dem ersten möglichen Öffnungstag, eine Ausnahme. Natürlich nur, wenn ich einen Mundschutz trage. Nachdem sich einige schon eine Woche an den Mundschutz gewöhnen konnten, werden in den nächsten Wochen nun auch die Kunden in den Friseursalons damit vorlieb nehmen müssen. Dabei zeigt sich, dass die Maske doch so manches Mal stört.

Denn wenn Friseurin Tatjana Riedel die Haare um die Ohren sauber schneiden will, muss der Kunde zwangsläufig wenigstens auf dieser Seite die Maske kurz abnehmen. "Das Waschen und Schneiden bzw. Färben an den Ohren ist das Schwierigste", sagt die Friseurin. Denn entweder wird die Maske nass oder kriegt ein bisschen Farbe ab.

 

Weil das Waschen der Haare bei jedem Kunden Pflicht ist, muss Riedel etwas mehr Zeit einplanen. Außerdem müssen alle Geräte jedes Mal desinfiziert werden. In der Zwischenzeit zieht´die 39-Jährige dann neue Handschuhe an und desinfiziert ihre Hände. Die Handschuhe behinderten sie beim Schneiden, meint Riedel, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtpflege (BGW)legt das aber für das Friseurhandwerk fest.

Außerdem hat die BGW als Arbeitsschutzstandard festgelegt, dass die Wartebereiche zu schließen sind. Die Magazine hat Tatjana Riedel schon weggeräumt, Kaffee oder ein Glas Wasser wird es nicht mehr geben. Dass jemand spontan vorbeikommt, ist auch nicht zu vermuten, denn Riedel kann nur angemeldete Kunden empfangen. Und immer nur einen. Die vergangene Woche hat sie damit verbracht, Handtücher, Einmalumhänge, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe zu besorgen. Diese eine Woche habe ihr gereicht, meint sie.

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Was sich für Kunden beim Haareschneiden konkret ändert

Von der Innung fühlt sie sich gut per E-Mail informiert, jetzt müssten die Kunden etwas flexibler sein. "Manche nicken ein bisschen ein, wenn ich ihnen die Haare schneide. Ich sehe das als Lob, wenn sie sich entspannen können. Das geht jetzt nicht mehr, nun müssen die Kunden mitdenken." So muss die Maske kurz gehalten werden, sowohl beim Schneiden als auch beim Waschen. Am Ende kommt ein Handtuch und kein Pinsel zum Einsatz, denn Pinsel wären zu unhygienisch.

 

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Die sechs Wochen Pause hat Tatjana Riedel bei ihren drei Kindern verbracht. "Ich versuche, das Positive zu sehen. Die Zeit konnte ich auch genießen", sagt die alleinerziehende Mutter. Mit ihren Kindern, die zwischen neun und 16 Jahre alt sind, konnte sie spielen oder Raclette machen. Alles, wofür sonst deutlich weniger Zeit zur Verfügung steht.

Außerdem nutzte Riedel die Zeit, um Ende März Fördergelder zu beantragen, Mitte April erhielt sie so 9000 Euro, das Geld reichte ihr geradeso, eventuell muss sie es zurückzahlen. Die Krise traf sie auch deshalb so hart, weil sie erst Anfang Januar den Salon in der Hausener Turmstraße übernommen hatte. Das "biStyle" erhielt den neuen Namen "Rendez-vous".

Die Friseurmeisterin ist jetzt erstmal ausgebucht

Dass der Friseurmeisterin ihr Beruf am Herzen liegt, merkten auch ihre Kinder: "Sie haben zu mir gesagt: ,Mama, du musst arbeiten gehen " als ich dann irgendwann Wände gestrichen habe und die Wohnung picobello sauber war", sagt sie und lacht. Ihr fehlt der Kundenkontakt zu den Dorfbewohnern. Sie freut sich, dass sich in letzter Zeit die Menschen bei ihr gemeldet hätten und Hilfe angeboten hätten.

Seit vergangene Woche regelt Tatjana Riedel die anstehenden Termine, per Telefon. Für diese Woche ist sie voll ausgebucht, das wird sich wohl auch vorerst nicht ändern. Langfristig denkt sie daran, eine zweite Mitarbeiterin einzustellen. Das hat aber vorerst nicht die höchste Priorität, jetzt müssen erstmal die liegengebliebenen Termine abgearbeitet werden. In näherer Zukunft wird Riedel wohl auch ihre Kosmetik-Dienstleistungen wieder anbieten dürfen. Bei allen Einschränkungen - bei ihr überwiegt die Freude, wieder ihrem Handwerk nachgehen zu dürfen.

So sollen sich Friseure bei der Arbeit schützen

Um öffnen zu können, hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) einen Branchenstandard erarbeitet, der den Arbeitsschutz ergänzt. Darin ist unter anderem festgelegt, dass das Haare waschen, Mundschutz, Mindestabstand sowie Einmalhandschuhe und -umhänge vorgeschrieben sind. Wartebereiche sind zu schließen, selber Föhnen ist verboten.

 


Kraft

Christoph Kraft

Editor

Christoph Kraft hat im Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme angefangen. Seit Oktober 2021 ist er Editor am Produktionsdesk und hat die überregionalen Nachrichten im Blick.

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