Gundelsheimer nimmt an RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" teil

Gundelsheim  Bei der RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" finden Landwirte im Idealfall ihr privates Glück. Manchmal erschrecken die intimen Einblicke in die Bauernhöfe aber auch. An der diesjährigen Staffel nimmt ein Hofgut-Besitzer aus Gundelsheim teil. Auf die Dreharbeiten blickt er mit Vorfreude - und ein bisschen Skepsis.

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Die Auserwählte darf sich auf diesen Blick auf Schloss Horneck und auf Burg Guttenberg (hinten) freuen. Foto: Veigel

Rüdiger Stahl ist ein Typ, der sich Gedanken macht über die Landwirtschaft. Über die korrekte Art der Tierhaltung, über den Einsatz von Spritzmitteln im Wengert, über den Umstand, dass ein Hof wie der seinige nur mit mehreren Betriebszweigen auskommt. Bald werden sich die Gedanken des 53-Jährigen um ein weiteres Thema drehen, dann um ein privates, das nicht minder von Bedeutung ist: Rüdiger Stahl wird sich nämlich entscheiden müssen, welche Frau er sich an seiner Seite vorstellen kann - ganz Deutschland wird das verfolgen können. Der Gundelsheimer ist Kandidat beim RTL-Dauerbrenner "Bauer sucht Frau". 

Aufenthalt in idyllischer Umgebung winkt

"Im Ort dürfte die Einschaltquote bei nahezu 100 Prozent liegen", mutmaßt Stahl lachend. Bis zur Ausstrahlung dauert es noch. Vor ein paar Wochen war das TV-Team erstmals auf dem Hofgut Hohschön, das oberhalb der Gundelsheimer Weinberge liegt - inklusive eines idyllischen Blicks aufs Neckartal. Rüdiger Stahl stellte sich und sein Tun bei den Dreharbeiten vor, jetzt können sich interessierte Damen für einen einwöchigen Aufenthalt bewerben.

"Ich habe eigentlich eine große Klappe, aber wenn man vor der Kamera steht, dann überlegt man plötzlich, wer das alles sehen könnte", sagt der 53-Jährige über die ersten Momente mit dem Fernsehteam. Jenes kehrt im Sommer zurück, um den Besuch von einer oder mehreren Bewerberinnen aufzunehmen. "Neugierig und freudig", fiebert Stahl dem entgegen, wenngleich er gesteht, ein "bisschen skeptisch" zu sein aufgrund der Tatsache, "dass ein Team dich eine Woche lang den ganzen Tag auf Schritt und Tritt beobachtet".  

Den Betrieb sieht Stahl gut aufgestellt

"Bauer sucht Frau" läuft seit 2005 auf RTL. Seitdem sind romantische Liebesgeschichten entstanden, Landwirte sind in Fettnäpfchen getreten und Zuschauer rümpften die Nase bei intimen Einblicken auf so manchen Bauernhöfen. Letzteres dürfte beim Hofgut Hohschön nicht der Fall sein. Seinen Freilandbetrieb mit Gutsschenke, Weinbau, Hofladen, acht bis zehn Stammkräften, 900 Hühnern, 100 Gänsen und zehn bis 15 Schweinen sieht Rüdiger Stahl gut aufgestellt. "Der Betrieb läuft." Weswegen die Auserwählte auch nicht zu fürchten braucht, komplett eingespannt zu werden. "Heutzutage hat ja jeder seine eigene Existenz, da muss man so etwas nicht erwarten." 

Rüdiger Stahl im Freigehege bei seinen Schweinen: "Eine wilde Truppe."

Die Beschreibung der perfekten Frau für den 53-Jährigen, der schon einmal verheiratet war und dessen Sohn ebenfalls auf dem Hofgut schafft, klingt einfach. "Die eine, die passt", soll es sein, wobei "groß und blond" nicht verkehrt wäre. Das TV-Format verfolgt er gelegentlich "beruflich bedingt", seine Bewerbung erfolgte ohne das Zutun anderer, sondern aus eigenem Antrieb heraus. "Dass ich genommen werde, hätte ich gar nicht mal erwartet, weil ich dachte, vielleicht zu normal zu sein oder zu wenig Angriffsfläche zu bieten."

Dass es mit einer neuen Liebe auf üblicheren Wegen nicht klappte, hängt laut Stahl womöglich damit zusammen, dass "die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft etwas anders sind. Gerade bei uns, wo am Wochenende noch die Gastronomie dazukommt. Davor schrecken manche zurück." 

Beim Hobby zieht es den Bauern in die Höhe

Vor allem seine Tiere sind das, was ihm an seinem Beruf gefällt - wohl wissend, dass ihnen irgendwann die Schlachtbank droht. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir immer leicht fällt, die Tiere zum Schlachten zu bringen." Auf einem Hofgut zu leben und zu arbeiten, das sich seit 120 Jahren in Familienbesitz befindet, bringt mit sich, Dinge zu hinterfragen. "Ein Landwirt denkt nicht so kurzfristig wie der Vorstandsvorsitzende eines Konzerns. Die Landwirtschaft denkt in Generationen."

Die Gänseschar zieht es nach draußen ins Freie. Foto: Veigel

Da passt es, dass sich Stahl um Blühstreifen für Insekten bemüht und seine Tiere Auslauf haben. Ein bisschen Freiheit also, die er für sich selbst ebenfalls gerne in Anspruch nimmt: Hobbymäßig ist der Gundelsheimer als Pilot im Ultraleichtflugzeug unterwegs, die Landebahn befindet sich direkt auf dem Gelände. 


Gedanken über die Landwirtschaft

Tiere betreuen und versorgen - das ist das, was Rüdiger Stahl vor allem an seinem Beruf gefällt. Einige Dinge stören ihn aber. Zum Beispiel das Empfinden, "dass die Landwirtschaft so oft an den Pranger gestellt wird". Frühere Generationen hätten mehr Berührungspunkte gehabt - und deshalb womöglich mehr Verständnis für das Tun der Bauern. Stahl stellt seine Arbeit auf Facebook vor, auch Hofführungen bietet er an. "Die Landwirtschaft hat es verschlafen, der Bevölkerung mitzuteilen, was sie Gutes tut." Verbraucher würden sich mehr Transparenz wünschen. Als Beleg dafür sieht er etwa Menschen aus Heidelberg an, die schon mal den Weg zum Hofgut Hohschön auf sich nehmen - nur um zu sehen, wo ihre Eier herkommen. 

 

 

 


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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