Wie die Karnevalsvereine in der Region die Kampagne bestreiten

Region  Der Gundelsheimer Carneval-Verein verzichtet auf Umzug und Prunksitzungen, plant aber mit einem abgespeckten Programm. In Bad Wimpfen ist die fünfte Jahreszeit dagegen abgesagt, in Ellhofen gibt es noch Hoffnung.

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Den klassischen Kampagnenbeginn wird es beim Gundelsheimer Carneval-Verein dieses Jahr nicht geben, dafür aber ein Alternativ-Programm.

Foto: Archiv/Seidel

Hans-Peter Bechtold muss sich lange zurückerinnern, um eine vergleichbare Situation heranzuziehen. Bald 30 Jahre ist es her, dass der Häß im Schrank blieb. 1991 verdarb der erste Golfkrieg den Narren im Unterland die Schunkellaune. Dieses Jahr ist es kein ferner Krieg, sondern das allgegenwärtige Coronavirus, das den Karneval bedroht.

Der Präsident des Gundelsheimer Carneval-Verein verkündet: "Es wird keine Veranstaltung im üblichen Format geben." Faschingsumzug, Rosenmontagsball, Prunksitzungen, in der Regel essentielle Termine im Karnevalskalender, entfallen dieses Jahr. In der Sitzung des Arbeitskreises Unterländer Karnevalvereine hatten zuvor Vertreter aus Talheim, Hardthausen und Bad Wimpfen ihren Verzicht auf die diesjährige Kampagne erklärt.

Bis zu drei Events sind aktuell denkbar

Auch in Gundelsheim wird es keine herkömmliche Kampagne geben. "Wir haben eher Veranstaltungen mit Varieté-Charakter im Sinn", sagt Bechtold. Bis zu drei Events stünden aktuell im Raum, jeweils in der Gundelsheimer Deutschmeisterhalle. Der Vorstand wolle am Donnerstag im Rahmen der Jahreshauptversammlung "die Stimmungslage der Mitglieder abklopfen".

Eine maximale Kapazitätsgrenze von 100 Teilnehmern hat der Vorstand des GCV 1962 im Sinn, dazu ein klares Hygiene-Konzept, sowie eine konservative Finanzplanung. Weder neue Kostüme, noch aufwendige Dekoration oder üppige Soundtechnik seien vorgesehen. Auch im Catering wird mit kleineren Brötchen gebacken. "Eine Absage soll möglichst eine finanzielle Nullnummer werden", hofft der Präsident.

Fasching im Notfall erst im Frühsommer

Um auf das Virus zu reagieren, erwägt er sogar einen noch ungewöhnlicheren Schritt. "Wir planen so, dass wir zur Not auch im Frühsommer feiern." Zwar erlaube der Bund Deutscher Karneval das Tragen des Häß nur zwischen dem 11. November und Aschermittwoch, dennoch seien Veranstaltung ohne traditionelle Tracht nach Ende der Kampagne denkbar. Hans-Peter Bechtold gibt für die Kampagne 2020/2021 folgende Marschrichtung vor: "Bereitet euch vor wie auf ein Endspiel. Wenn die Platzverhältnisse stimmen, spielen wir. Wenn nicht, dann eben wann anders."

Blick nach Bad Wimpfen und Ellhofen

Rainer Stegmaier erteilt der fünften Jahreszeit in Bad Wimpfen hingegen eine Pauschalabsage. "Mit Blick auf die gesundheitliche Verantwortung der Wimpfener Faschingsgesellschaft, haben wir die Kampagne abgesagt." Der Vizepräsident bedauert, dass es soweit kommen musste, "aber auf ein solches Vabanquespiel wollen wir uns nicht einlassen." Zumal Karneval Beisammensein, Schunkeln, Tanzen und das Feiern des Lebens bedeuteten. "In dem Rahmen, den wir dieses Jahr erleben, kann kein echtes Faschingsgefühl aufkommen", so Stegmaier. "Halbe Sachen machen wir nicht. Dafür ist der Fasching zu wichtig."

Hoffnung gibt es dagegen noch in Ellhofen. Sulmtalnarren-Präsident Denis Löhsl sagt: "Fasching ist wie Weihnachten, das gibt es immer in irgendeiner Form." Nur, wie konkrete Veranstaltungen aussehen könnten, ist noch nicht geklärt. "Wir spielen verschiedene Szenarien durch, wie das vor Publikum aussehen könnte." Lediglich eines scheint in Stein gemeißelt zu sein: Auferstehung und Tod der Symbolfigur. "Till wird erwachen, und Till wird begraben. Alles andere ist unklar."


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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