Gastro-Neustart unter erschwerten Bedingungen

Region  Gedämpfte Erleichterung bei den einen, Existenzsorgen bei den anderen: Die Gastronomie läuft am Montag in Teilen und unter strengen Auflagen wieder an. Wir haben uns bei Wirten in der Region umgehört, die den Neustart angehen.

Von unserer Redaktion
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Die baden-württembergische Landesregierung erlaubt der Gastronomie im Land vom 18. Mai an schrittweise die Öffnung. Ein großer Teil der Branche wartet aber weiter auf eine klare Perspektive. Foto: dpa

„Zum Jubilieren ist uns nicht zumute“, sagt Daniel Ohl, Sprecher des Gaststättenverbands Dehoga im Land. „Trotzdem ist es gut, dass es für einen Teil der Branche jetzt weitergeht.“ Welcher Teil das ist, hat das Land in einer Verordnung veröffentlicht und auf Dehoga-Nachfrage präzisiert: „Speisewirtschaften im Sinne des § 4 Abs. 2 Nr. 2 der Corona-Verordnung meint Gaststätten, die eine gaststättenrechtliche Erlaubnis für den Betrieb einer Speisewirtschaft besitzen sowie Eisdielen und Cafés.“ Sie dürfen am Montag öffnen, wenn sie sich an einen umfangreichen Katalog zum Pandemie-Schutz halten.

„Clubs, Bars, Diskotheken, Kneipen und Shisha-Bars dürfen unterdessen nicht öffnen, sofern sie eine entsprechende Erlaubnis nicht besitzen“, heißt es weiter. Ein großer Teil der Gastrobranche wartet also weiter auf eine klare Perspektive. Jene, die aufsperren, „müssen das Beste daraus machen“, so Dehoga-Sprecher Ohl. Der Umsatzausfall im Gastrogewerbe liege während der Pandemie-Restriktionen bei 80 bis 100 Prozent. Nachholeffekte werde es nicht geben, die Situation der Branche bleibe schwierig, so Ohl.

Bei den Dehoga-Geschäftsstellen sei viel los, weil Gastronomen Detailfragen zu den Verordnungen haben, die auch Fachleute nicht immer auf Anhieb beantworten können. Viele Gaststätten in der Region öffnen wieder. Sie fragen sich aber auch, wie Gastlichkeit unter diesen Bedingungen möglich ist, wie unsere kleine Umfrage zeigt.

 

Philipp Strähle (Club Kaiser Skybar)

Philipp Strähle

Club Kaiser Skybar (Heilbronn)

Für die Bar im Kaiser’s Turm an der Gottlieb-Daimler-Straße ist der Montag, 18. Mai, nicht nur wegen der Wiedereröffnung ein besonderes Datum. Auf den Tag genau vor fünf Jahren startete die Club Kaiser Skybar. Inhaber Philipp Strähle betreibt in den Räumen auch ein Sushi-Restaurant, deshalb darf er seine Bar öffnen.

Die übliche Geburtstagsparty fällt aus. „Wir werden dennoch die Hälfte des Umsatzes am ersten Abend an die Diakonische Jugendhilfe spenden.“ Von 60 Plätzen bleiben mit der 1,50-Meter-Abstandsregelung zwischen den Tischen 40 Plätze übrig. Strähle hofft, dass sich Gäste mit der gebotenen Vorsicht wieder in die Lokale trauen. „Das ist notwendig für jeden Gastronomen. Der große Run wird aber nicht gleich einsetzen.“ 

 

Udo Schaika (Klostergartenlaube)

Udo Schaika

Klostergartenlaube (Lauffen)

Pure Freude sieht anders aus: „Für uns ist das eine schwierige Situation, weil es einen hohen Aufwand bedeutet, sowohl logistisch als auch finanziell“, sagt Udo Schaika von der Klostergartenlaube in Lauffen. Seine Frau Nicole ist die Inhaberin des Biergartens nahe des Hölderlin-Kreisels. „Uns wäre lieber gewesen, wenn man mit dem Öffnungstermin für die Gastronomie noch gewartet hätte“, meint Udo Schaika. Er fürchtet, dass es nach einer Öffnungsphase wieder einen Shutdown geben könnte.

Ob der Biergarten am kommenden Montag wieder öffnet, hängt vor allem vom Wetter ab. Die Zahl der Außenplätze wird von 160 auf 60 bis 70 aufgrund der Abstandsregeln zusammenschrumpfen. Begegnungen der Gäste sollen vermieden werden, Laufwege werden gekennzeichnet.

 

 

Johanna Mohrlok (Rappenhof)

Johanna Mohrlok

Rappenhof (Weinsberg)

Die Kernfrage für Johanna Mohrlok vom Hotel und Gutsgaststätte Rappenhof ist: „Wie gastfreundlich kann man unter diesen Bedingungen sein?“ In dem Weinsberger Gastronomiebetrieb werde viel Wert auf einen persönlichen Service gelegt. Wie das geht, wenn die Kellner Mundschutz tragen und Abstand wahren müssen, wird sich zeigen. Mit „gemischten Gefühlen“ blickt die Inhaberin auf Montag, wenn das Restaurant öffnet. Übernachtungen für jedermann sind erst ab 29. Mai wieder möglich.

„Wir freuen uns, wenn wir wieder Gäste hier haben. Aber die Auflagen sind schon eine Hausnummer.“ Einige Tische müssen weggerückt werden. Den finanziellen Ausfall „werden wir wochenends merken“. Das Personal wird in zwei Schichten arbeiten. „Diese begegnen sich nicht.“ 

 

Rainer Mosthaf (Ratskeller)

Rainer Mosthaf

Ratskeller (Heilbronn)

„Endlich geht es wieder los“, ist auf dem Anrufbeantworter von Ratskeller-Wirt Rainer Mosthaf zu hören. Er macht am Dienstag erst auf, weil er Montag noch frische Ware einkaufen will. „Wir freuen uns sehr. Aber es wird eine große Herausforderung.“ Durch Abstandsvorgaben könne er nur die Hälfte bis zwei Drittel der Plätze anbieten. Alle Mitarbeiter werden Mundschutz tragen, ob Stoffmasken oder Kunststoffschilde testen sie noch aus. Öffnungszeiten sind reduziert.

Was den Wirt stört: Dass die Regierung maximale Gruppengrößen noch nicht definiert hat. Die Mitarbeiter bleiben im Wechsel zu 50 Prozent in Kurzarbeit. Die Speisekarte ist etwas reduziert, Klassiker wie Kutteln, Rostbraten, Sauerbraten gibt es weiter. Und: Man wolle gern auch auf Kundenwünsche reagieren.

 

Stefan Reegen (Gaststätte Zum Reegen)

Stefan Reegen

Gaststätte Zum Reegen (Heilbronn-Frankenbach)

Zunächst hatte sich Stefan Reegen überlegt, ob er seine Gaststätte im Frankenbacher Vereinsheim überhaupt öffnen soll. Inzwischen steht fest: „Wir starten am Montag mit verkleinerter Karte.“ Probleme sieht er in der Warenverfügung. Gleichzeitig müsse er nach zwei Monaten ohne Einnahmen „quasi auf Pump einkaufen“. Die Schutzmaßnahmen bereiten dem 36-Jährigen kein Kopfzerbrechen: Bei sonst 200 Plätzen im Lokal, 50 auf der Terrasse und 200 im Biergarten gebe es „viel Spielraum“.

Gleichzeitig wundert Reegen sich, dass sich die Abstandsregel von 1,50 Meter auf Tische bezieht, nicht auf Gäste. Die Hygienevorschriften seien für einen Koch „selbstverständlich“. No-Touch-Spender für Seife und Desinfektionsmittel habe er sowieso.

 


Corona-Regeln in der Gastronomie

Unter welchen Bedingungen Gaststätten wieder öffnen dürfen (Auswahl)

  • HSt-Grafik, Quelle: Landesregierung, Illustrationen: alekseyvanin, DragonTiger8, zo3listic, Vectorfair.com/stock.adobe.com
    Zutrittsverbote
    Wer in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, Symptome oder Fieber hat, darf Gaststätten nicht betreten.

  • Abstand 
    Tische müssen in 1,5 Meter Abstand stehen, den Gästen ist ein Sitzplatz zuzuweisen, kein Händeschütteln, Kommunikation mit Personal auf ein Mindestmaß beschränken.

  • Hygiene
    Desinfektionsmöglichkeiten bereitstellen, Gäste auf Hygienevorrichtungen hinweisen, regelmäßige Reinigung vieler Bereiche, möglichst gute Durchlüftung. Beschäftige tragen Alltagsmasken.

  • Dokumentation
    Gaststätten sollen die Namen, Besuchsdaten und Kontaktinformationen der Gäste erfassen.

  • Mitarbeiterschutz
    Nach Möglichkeit Arbeit im Schichtbetrieb, soweit möglich sollen Betriebe den Beschäftigten Parkplätze zur Verfügung stellen. Mitarbeiter müssen umfassend geschult werden, besondere Vorgabe für Risikogruppen.


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