Fronleichnam ohne Prozessionen

Region  Wegen der Corona-Krise verzichten die katholischen Kirchengemeinden in der Region dieses Jahr auf Fronleichnamsprozessionen. Dafür gibt es vielerorts Gottesdienste in der Kirche oder im Freien und Aktionen, um das Gemeinschaftsgefühl am Feiertag zu stärken.

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Normalerweise wird an Fronleichnam die Monstranz mit der Hostie, dem Leib Christi, durch die Straßen getragen. Prozessionen wie hier in Heinsheim sind dieses Jahr wegen der Corona-Bestimmungen nicht möglich.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Kreativität ist gefragt in Corona-Zeiten: Fronleichnam steht vor der Tür, dieses Jahr allerdings ohne die traditionellen Prozessionen. Die geltenden Abstandsregeln wären bei einem Umzug durch die Straßen kaum einzuhalten. Also haben die katholischen Kirchengemeinden sich etwas anderes überlegt. Sie versuchen, über Gottesdienste im Freien, bunt geschmückte Kirchen und Altare sowie kleine Feiertags-Aktionen ein bisschen Tradition und Brauchtum zu bewahren.

Die Plätze für den Gottesdienst in Gundelsheim sind schon reserviert

In Gundelsheim zum Beispiel laufen die Vorbereitungen normalerweise schon am Vorabend des Feiertags auf Hochtouren. Kinder legen Blumenteppiche, Gläubige schmücken die Altstadt. Der gesamte Prozessionsweg über die Schlossstraße wird mit religiösen Motiven, viel Grün und Blumenschmuck hergerichtet.

Ohne die Prozession wird es in den Straßen dieses Jahr ruhiger sein. Zum Gottesdienst in der Kirche dürfen aus Platzgründen bis zu 46 Menschen. Mittlerweile sind alle Plätze reserviert.

Für Schmuck in der Kirche ist auch gesorgt: "Die Kolpingsfamilie legt einen kleinen Blumenteppich", sagt Pfarrer Hansjörg Häuptle. Außerdem soll es ein Mosaik aus Blüten-Schuhkartons geben: "Die Idee ist, dass alle selbst Blüten zum Gottesdienst mitbringen, auf einem Schuhkarton oder Pappe. Diese reihen sie dann zu einem Blütenteppich wie ein Mosaik aneinander", erklärt Häuptle. Der Vorschlag sei aus der Gemeinde gekommen und der Gundelsheimer Pfarrer freut sich, dass die Gläubigen so zumindest ein bisschen Brauchtum leben können.

Ein wenig traurig ist er dennoch: "Das Unbeschwerte, das Fronleichnam ausmacht, fehlt dieses Jahr etwas." Es sei eine ganz andere Art zu feiern: die Blaskapelle ziehe nicht wie sonst mit durch den Ort, die Gemeindemitglieder dürften im Gottesdienst nach wie vor nicht singen.

Diese Einschränkungen bedauert auch der katholische Dekan Roland Rossnagel. In den Gemeinden, die er überblickt und im Rest der Region fallen die Prozessionen ebenfalls aus. In Heilbronn wird es einen großen Gottesdienst im Deutschhof geben, mit Blumenteppich vor dem Altar. Dort können bis zu 100 Gläubige feiern. Ungewöhnlich wird wohl auch die Messe im St. Dionysius in Neckarsulm: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet hier die heilige Messe mit Prozession in der Kirche statt, die über einen Live-Stream auf Youtube übertragen wird.

Die Botschaft des Dekans: Hoffnung statt Angst verbreiten

Rossnagel sieht trotz oder gerade wegen der Corona-Beschränkungen eine besondere Relevanz des Feiertags: "Die Botschaft von Fronleichnam wird dieses Jahr noch deutlicher: Wir sollten Hoffnung haben und keine Angst."

Viele würden sich fragen, wie es wirtschaftlich, politisch oder auch in Sachen Klima nun weitergehe. "Wir brauchen in diesen Fragen wahre Hoffnung, so wie sie uns Jesus durch seine Auferstehung gebracht hat", sagt Rossnagel. Pfarrer Häuptle ist ebenfalls optimistisch: "Wir können jetzt darüber nachdenken, wie Gott mit uns unterwegs ist, und wie wir seine Nähe erfahren können, auch wenn wir nicht mit dem Allerheiligsten durch die Straßen ziehen können."


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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