Fragen und Antworten zur Kinder-Impfung

Impfung  Voraussichtlich am Donnerstag wird die EMA die Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren beschließen. Der Impfstart erfolgt wahrscheinlich kurz vor Weihnachten.

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Die europäische Arzneimittelbehörde EMA entscheidet voraussichtlich am heutigen Donnerstag über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahren. In der EU gibt es bislang noch kein Covid-Vakzin, das für unter Zwölfjährige zugelassen ist, in Israel und den USA kommt der Impfstoff bei Kindern bereits zum Einsatz. In Deutschland sollen laut dem geschäftsführenden Gesundheitsminister Jens Spahn ab dem 20. Dezember die ersten 2,4 Millionen Dosen für Kinder zur Verfügung stehen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung jedoch erst bis zum Jahresende abgeben. Hier wichtige Fragen und Antworten mit einer Einordnung des Schwaigerner Kinderarztes und Impf-Experten Ulrich Enzel.

Wie unterscheidet sich der Impfstoff von dem für Erwachsene?

Der Impfstoff für Kinder ist geringer dosiert. Bei Erwachsenen sind es 30 Mikrogramm, für Kinder unter 12 Jahren 10 Mikrogramm. Weil erst neue Fläschchen produziert und geliefert werden müssten, dauere es bis zur Auslieferung des Impfstoffs noch einige Wochen, sagte Jens Spahn am Freitag in Berlin. Alle EU-Länder würden gleichzeitig beliefert - um den 20. Dezember herum. Die Landesregierung hat Anfang dieser Woche angekündigt, man bereite sich gemeinsam mit den etwa 1120 Kinderärzten im Land auf den Start der Impfkampagne vor. Es werde zudem geprüft, ob Kinder auch die mobilen Angebote der Impfteams in Anspruch nehmen können.

Was bedeutet es, dass die Stiko mit ihrer Empfehlung noch wartet?

Die EMA ist die Behörde, die für die Zulassung von Impfstoffen in der Europäischen Union zuständig ist. Sobald sie grünes Licht gegeben hat, können Ärzte den Impfstoff in der Gruppe, für die die Zulassung gilt, einsetzen. Die Stiko ist ein deutsches Sonderkonstrukt - ein Gremium, besetzt mit Experten aus der Wissenschaft. Häufig sind das frühere Chef-Mediziner von unterschiedlichen Unikliniken und Fachgebieten. Sie schauen bei den Impfstoffen noch einmal genau hin und prüfen Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen. Deshalb dauert es häufig auch länger, bis die Stiko ihre Empfehlung ausspricht. "Das schafft eine extreme Sicherheit", sagt Enzel. Deshalb werde eine Stiko-Empfehlung üblicherweise auch "wie ein Gesetz behandelt", die Krankenkassen bezahlen Leistungen auf Basis von Stiko-Empfehlungen.

Wie sind die Erfahrungen mit dem Impfstoff in anderen Ländern?

Da der Impfstoff in den USA schon seit mehreren Wochen in der Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen eingesetzt wird, laufe zusätzlich zu den Studien quasi "ein großer Feldversuch". Er zeige, "wie gut verträglich der Impfstoff ist und wie gut er wirkt", sagt Enzel.

Gibt es Kinder, die mit höherer Priorität geimpft werden sollten?

Die sehr kleine Gruppe von Kindern mit schweren, chronischen Grunderkrankungen, zum Beispiel Rheuma, sei "mit absoluter Priorität" zu impfen, so der Kinderarzt. Er persönlich würde für diese Gruppe die Stiko-Empfehlung nicht abwarten, sondern unmittelbar nach Zulassung impfen, "sobald der Impfstoff bei uns lieferbar ist". Man wisse inzwischen, dass schwere Erkrankungen bei Kindern fast ausschließlich in dieser Gruppe auftreten.

Welche Rolle wird die Kinder-Impfung bei der Eindämmung des Infektionsgeschehens spielen?

"Das kleine Plus können wir mitnehmen", sagt Enzel. Entscheidend sei aber, die Impflücke in der Gruppe der Erwachsenen über 26 Jahre zu schließen, denn dort befänden sich die "Superspreader". Enzel ist inzwischen auch für eine Impfpflicht in bestimmten Berufsgruppen: Altenpflege, Gesundheitswesen, Lehr- und Erziehungsberufe. "Wenn die Leute das aus Verantwortung gegenüber den ihnen Anvertrauten nicht selbst machen, dann muss man das machen." Schon im Sommer wäre diese politische Entscheidung seiner Meinung nach nötig gewesen. Man sehe beim Blick nach Italien, Spanien oder Portugal, was Impfungen - gerade solcher Berufsgruppen - bewirkten.


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Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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