Was man über Corona-Selbsttests wissen sollte

Heilbronn  Ab kommender Woche sollen Antigen-Schnelltests für Laien breit erhältlich sein. Über Einsatzorte und langfristige Teststrategie wird politisch noch gerungen. Ein Überblick.

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Coronavirus-Schnelltests für Laien sollen zum wichtigen Baustein der Pandemiebekämpfung werden. Stand Mittwochvormittag hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für sechs Antigen-Selbsttests eine Sonderzulassung erteilt. Im Handel erhältlich sein werden die Test voraussichtlich ab Mitte nächster Woche.

Wie sicher sind solche Selbsttests?

Für den Nachweis einer akuten Sars-Cov-2-Infektion stehen in Deutschland aktuell zwei Testverfahren zur Verfügung: PCR- und Antigentests. PCR-Tests gelten als "Goldstandard". Das heißt, sie liefern sehr zuverlässige Ergebnisse. Der Aufwand für PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden müssen, ist jedoch hoch. Antigen-Schnelltests für geschultes Personal oder Antigen-Selbsttests für Laien lassen sich dagegen mit deutlich geringerem Aufwand durchführen und liefern ein Ergebnis innerhalb weniger Minuten. Sie können allerdings zu einer höheren Anzahl falsch negativer oder falsch positiver Testergebnisse führen.

 

Was bedeutet das für Anwender?

Laut RKI löst "ein positives Ergebnis im Antigentest zunächst einen Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion mit Sars-Cov-2 aus". Die Konsequenz: Betroffene sollen sich eigenverantwortlich absondern und das Ergebnis durch einen PCR-Test beim Arzt bestätigen lassen. Ein negatives Ergebnis hat dagegen nur eine zeitlich begrenzte Aussagekraft, denn die Selbsttests erkennen demnach "nur eine sehr hohe Viruslast in den oberen Atemwegen". Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und Masketragen sollen weiter konsequent beachtet werden.

 

Wo sollen Antigentests zum Einsatz kommen?

Das RKI empfiehlt sie vor allem für die "regelmäßig wiederholte Anwendung", um Hygienekonzepte in bestimmten Einrichtungen wie Heimen, Praxen, Schulen oder Kitas zu ergänzen. Politisch wird seit einigen Tagen heftig über weitere Einsatzgebiete, speziell für Selbsttests, diskutiert, so zum Beispiel darüber, ob Firmen Beschäftigten in Präsenz kostenlose Tests anbieten sollen oder ob damit die Öffnung des Einzelhandels flankiert werden könnte. Vor allem über eine langfristige, konkrete Teststrategie für Schulen und Kitas gibt es politische Auseinandersetzungen, auch in Baden-Württemberg.

 

Welche Test werden wo erhältlich sein?

Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und DM wollen ab kommender Woche Selbsttests anbieten. "Der Sars-Cov-2-Antigen-Schnelltest vom Anbieter Boson Biotech wird in allen 2200 Verkaufsstellen und im Onlineshop erhältlich sein", teilt Rossmann unserer Redaktion mit. Über die Packungsbeilage werde ausführlich beschrieben, wie Abstrichproben aus dem Nasenraum genommen werden, und erklärt, was bei positivem Ergebnis zu tun sei. Ab 9. März will DM seinen Kunden den Schnelltest ebenfalls zum Kauf anbieten, "sofern die Lieferzusagen des Herstellers eingehalten werden können", heißt es von dort. Einen Verkaufspreis nennen beide nicht. Weitere vom BfArM zugelassene Tests werden zunächst in Apotheken erhältlich sein. Die "Pharmazeutische Zeitung" nennt dafür einen Preis von um die zehn Euro.

 

Welche Bedenken gibt es?

Das RKI betont zwar "die Chancen der niederschwelligen Erkennung sonst nicht erkannter Fälle", weist aber gleichzeitig auf Risiken hin. So sei es bei einem positiven Selbsttest-Ergebnis der Eigenverantwortung überlassen, ob weitere notwendige Schritte eingeleitet werden. Auch "fehlerhafte Anwendung", "Vermittlung einer Scheinsicherheit" und die "Erhöhung des Bedarfs an PCR-Bestätigungstests" nennt das RKI als mögliche Probleme. Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert angesichts dessen übersichtliche und leicht verständliche Informationen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Selbsttests.

 


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Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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