Fragen und Antworten zu Corona-Impfstoffen

Region  Russland hat für sein Vakzin Sputnik V eine Zulassung in der EU beantragt und prüft die Produktion in Sachsen-Anhalt. Das Tübinger Unternehmen Curevac will an weiteren mRNA-Impfstoffen arbeiten, die gegen mutierte Varianten helfen sollen. Eine Einordnung.

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Drei Impfstoffe sind bislang in der EU zugelassen. Die Impfkampagne gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit.

Foto: dpa

Täglich gibt es neue Meldungen zu einem der entscheidenden Themen in der Pandemie: dem Impfen. Zuletzt war bekannt geworden, dass Russland die Zulassung seines Vakzins Sputnik V in der EU beantragt hat. Eine Einordnung.

 

Warum gab es zunächst Kritik am russischen Impfstoff Sputnik V?

Im vergangenen Jahr hatte es viele internationale Bedenken wegen des Vorgehens russischer Wissenschaftler gegeben. Der Grund: Das Vakzin Sputnik V war vor Abschluss der regulären Studien breit in der Bevölkerung verimpft worden. Eine Publikation im renommierten medizinischen Fachblatt "The Lancet" am Dienstag liefert nun Daten für die weitere Bewertung. Bei dem Papier handelt es sich laut den Wissenschaftlern um "Zwischenanalysen" der wichtigen Testphase III unter rund 20.000 Freiwilligen. Die Ergebnisse decken sich mit früheren Angaben.

 

Wie wirksam ist Sputnik V?

Das Vakzin ist demnach zu 91,6 Prozent wirksam – das bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen pro 100 Probanden auftraten als in der Kontrollgruppe, denen ein Placebo (Scheinmedikament) verabreicht worden war. In der Studiengruppe waren auch 2144 Menschen über 60 Jahre eingeschlossen – bei ihnen hatte das Vakzin mit 91,8 Prozent eine ähnliche Effektivität. Damit hätte Sputnik V nahezu die gleiche Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer und eine höhere als der Vektorimpfstoff von Astrazeneca. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zeigte sich in einem Tweet erstaunt: "Mit dieser starken Wirkung hatte ich, auch nach vielen Gesprächen mit Experten, nicht gerechnet."

 

 

Wie sicher ist das Vakzin?

Es habe bei Sputnik V nur in wenigen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen gegeben, heißt es. Die Forscher führen diese aber nicht auf das Vakzin zurück. Die meisten Testpersonen hätten von klassischen milden Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen und Schmerzen am Arm berichtet. Während der Studie habe es zudem vier Todesfälle gegeben, die den Wissenschaftlern zufolge aber nicht im Zusammenhang mit der Impfung standen. Ein Freiwilliger habe einen Schlaganfall erlitten. Lauterbach sagte dem "Spiegel", er gehe davon aus, dass die Ergebnisse aus Russland belastbar seien. Die Prüfer des "Lancet" seien "absolute Profis" und "sehr vertrauenswürdig".

 

Wird es eine Zulassung in der Europäischen Union geben?

Das strebt Russland an. Ein Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA sei bereits im Januar eingereicht worden, heißt es. In der vergangenen Woche hatte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, bei einer Pressekonferenz bestätigt, dass seine Behörde die russischen Kollegen im Hinblick auf eine Zulassung in der EU berät. Der Kreml hat angekündigt, die EU im zweiten Quartal 2021 mit 100 Millionen Impfdosen versorgen zu können. Nach Recherchen des MDR haben die russischen Entwickler auf der Suche nach einem Kooperationspartner für eine mögliche Impfstoff-Produktion Kontakt mit dem Pharmahersteller IDT Biologika in Sachsen-Anhalt aufgenommen. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte das. Ungarn hat große Mengen von Sputnik V gekauft und ist damit aus der gemeinsamen EU-Impfkampagne ausgeschert. Ministerpräsident Viktor Orban ging die Beschaffung zu langsam.

 

Warum geht es nicht schneller, die Produktion der in der EU bereits zugelassenen Impfstoffe hochzufahren?

Nach dem Impfgipfel am Montag hatte unter anderem Ifo-Ökonom Clemens Fuest das Ergebnis als "enttäuschend" bezeichnet und gefordert, der Staat solle Prämien für zusätzliche und frühere Lieferungen zahlen. Dafür gab es viel Widerspruch. Biontech-Chef Ugur Sahin sagte im "Heute Journal", auch solche Anreize würden keinen kurzfristigen Effekt bringen. Selbst erfahrene Impfstoff-Hersteller bräuchten zwischen drei und sechs Monate, um die Produktion neu aufzubauen, beziehungsweise um sie für einen neuen Impfstoff anzupassen.

 

Gibt es auch gute Nachrichten in Sachen Impfstoffe?

Laut einer aktuellen Mitteilung der Universität Oxford schützt der Impfstoff von Astrazeneca nicht nur vor einer Erkrankung mit Covid-19, sondern verlangsamt auch die Übertragung des Virus erheblich. Es ist der erste Nachweis dieser Art für einen Covid-19-Impfstoff – und würde die Bedeutung von Impfungen zur Eindämmung der Pandemie unterstreichen. Allerdings ist die Studie noch keinem Peer-Review unterzogen worden, andere Experten haben sie also noch nicht geprüft.

 

Wirken die aktuellen Impfstoffe auch gegen die Mutanten?

Forscher gehen davon aus, dass die zugelassenen Vakzine eine gute Wirksamkeit gegen die britische Variante B.1.1.7 haben. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das Virus im Laufe der Zeit immer mehr Möglichkeiten findet, durch Veränderungen menschliche Immunreaktionen zu umgehen. Dieses Thema will der deutsche Impfstoffhersteller Curevac (Tübingen) nach einer Meldung von gestern gemeinsam mit dem britischen Pharmakonzern Glaxosmithkline angehen und weitere mRNA-Impfstoffe entwickeln, die vor mutierten Varianten des Coronavirus schützen.

 


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Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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