FFF-Klimaaktivisten demonstrieren in der Region

Region  Mehr als 450 Aktionen in Deutschland, davon vier in der Region: Beim achten weltweiten Klimastreik von "Fridays for Future" gingen wieder tausende Menschen auf die Straße, um lautstark und sichtbar ihren Unmut über die bestehende Klimapolitik zu äußern.

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Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" - genau das wurde am Freitag deutschlandweit in mehr als 450 Städten beim achten weltweiten Klimastreik der "Fridays for Future"(FFF) lautstark skandiert. Um 12 Uhr ging es auch in Heilbronn los und mit etwa 800 Teilnehmern zeigten sich die Veranstalter nach zwei Stunden Protest sehr zufrieden.

Neben jungen Menschen, die die FFF-Bewegung seit August 2018 vor allem tragen, waren auch viele junge Eltern mit Kleinkindern sowie ältere Erwachsene vor Ort, als sich der Demonstrationszug vom Platz am Bollwerksturm einmal durch die Innenstadt aufmachte. Es müsse jetzt eine Veränderung in der Klimapolitik geben, erklärten drei Elftklässlerinnen des Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasiums, warum sie früher aus der Schule gegangen seien. Da das Thema Umwelt auch stark im Unterricht diskutiert werden würde, würden ihre Lehrer, im Gegensatz zum Deutschen Lehrerverband, ihre Teilnahme unterstützen.

Geringe Beteiligung in Eppingen

"Opa, was ist ein Schneemann?" steht auf Klaus Bissingers Plakat. Der 66-Jährige ist einer der knapp 30 Teilnehmer der Eppinger FFF-Demo: "Es geht hier um die Zukunft und für die Erde", sagt der Großvater einer Zweijährigen: "Wir machen das nicht für uns."

Obwohl alle Demonstranten engagiert Slogans gegen Autos in der Stadt und gegen Kohle skandieren, die Ricco Heß durchs Megafon vorspricht, ist der Mitorganisator etwas enttäuscht: "Wir hatten auf mehr Teilnehmer gehofft." Warum trotz angenehmsten Demo-Wetters so wenige Mitstreiter erschienen sind, liegt wohl zum Teil daran, dass die Anfangszeit falsch kommuniziert wurde und schon früher war. Aber vor allem fürchtet der 21-jährige Student: "Der Hype ist vorbei." Corona habe "viele Ortsgruppen gekillt", sagt er, bevor er wieder engagiert ruft: "Motor aus, Fahrrad fahren!"

Hunderte Menschen in Künzelsau und Öhringen

Aus Künzelsau werden am Freitagnachmittag 400 Menschen gemeldet, die sich an der bundesweiten Aktion von Fridays for Future beteiligen. Eine Stunde später sind es in Öhringen weitere 200 Menschen, die für mehr Klimaschutz und eine enkelgerechte Umwelt auf die Straße gehen. Nach einer großen Runde um die Stadt, begleitet von Polizei und untermalt mit Sprechchören, versammeln sich die Menschen aller Altersgruppen auf dem Marktplatz. „Wir sind zufrieden, auf jeden Fall“, sagt Brigitte Ruloff vom Organisationsteam mit Blick auf die Menge der versammelten Klimaschützer.

Die Klimaaktivisten ziehen durch die Öhringer Innenstadt. Foto: Yvonne Tscherwitschke

Erste Rednerin ist Dekanin Sabine Waldmann. Sie spricht für die Öhringer Kirchen und erinnert sich an ihr Theologiestudium. Schon damals sei die Bewahrung der Schöpfung zentrales Thema gewesen. Das sei eine zentrale Aufgabe, an der sich Basisnetzwerke aber auch Institutionen beteiligen müssten. Die Landeskirche nehme sich da nicht aus. „Unser Handeln heute entscheidet, wie wir morgen leben“, appelliert sie, jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen und nicht auf Kosten der Jugend zu leben.

Auch Angelika Pannen-Burchartz hat ihre Kinder und Enkelkinder vor Augen, wenn sie in die Welt blickt. Sie hätten versucht, umweltbewusst zu leben, erinnert sie sich, um festzustellen: „Wir sind dem Glauben aufgesessen, dass viele kleine Leute etwas bewirken können.“ Dass dem nicht so sei, sei leider Teil der Wahrheit, die sie traurig mache. „Meinen Kindern und Enkelkindern gegenüber fühle ich mich oft beschämt“, drückt sie aus, was auch Peter Eschbach umtreibt. Er ist Teil der Menge und des Organisationsteams, weil ich meinen Beitrag leisten will, dass meine enkelin eine Zukunft hat.“ Zur jüngeren Generation gehört Mario Dietel. Der Grünen-Stadtrat sagt: „Diese Bundestagswahl ist eine Klimawahl.“ Es solle keine Wahlempfehlung abgegeben werden. Doch jeder solle sich überlegen, welche Partei für welche Ziele stehe. Und vor allem sollten alle am Sonntag wählen gehen.

Ein fiktives Interview aus dem Jahr 2030 zeigt, was bis dahin passieren könnte: Die Autobahn A6 ist dann immer noch nicht ausgebaut, dafür elektrifiziert. Die für den Ausbau gesparten Flächen sind von solidarischer Landwirtschaft bepflanzt. Auf das Bürgerbegehren macht Gudrun Krebs-Bothner die Menschen aufmerksam, indem sie rote Klimakarten verteilt. Helmut Greb erklärt, was es damit auf sich hat: Ein Büro soll konkrete Maßnahmen definieren, wie Öhringen bis 2035 klimaneutral sein kann. Schon jetzt würden sich 50 Städte an der Aktion von German zero beteiligen.

 

 


Milva Klöppel

Milva-Katharina Klöppel

Autorin

Aus dem hohen Norden kam Milva-Katharina Klöppel 2007 zur Heilbronner Stimme. Nach ihrem Volontariat übernahm die Hamburgerin den Bereich Jugend. 2019 entwickelte Klöppel zusätzlich das regionale Umweltmagazin Reiner. Seit 2021 ist sie nun wesentlich für Nachhaltigkeitsthemen sowie das junge Projekt "Zeitung in der Schule" (Zisch) des Medienhauses zuständig.

Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Nach vielen Jahren im Team Kinder/Jugend/Familie ist sie jetzt in der Regionalredaktion schwerpunktmäßig für den südlichen Kraichgau und für Bildungsthemen zuständig.

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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