Speed Skydiver aus Neckarsulm: Fast wie Superman durch die Lüfte

Neckarsulm/Sibirien  Thorsten Morhaus aus Neckarsulm betreibt leidenschaftlich Speed Skydiving und ist Mitglied im deutschen Nationalkader. Bei der Weltmeisterschaft in Sibirien belegte er den 13. Platz.

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Voll konzentriert: Thorsten Morhaus kurz vor dem Absprung. Wichtig für eine höhe Geschwindigkeit sei vor allem eine gute Körperanspannung, sagt er. Fotos: Elmar Lesya

In 4000 Metern Höhe erfolgt der Absprung. "Voll konzentriert, voller Anspannung", beschreibt Thorsten Morhaus diesen Moment. Der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands Unteres Sulmtal mit Sitz in Neckarsulm ist seit mehr als 15 Jahren dem Fallschirmsport verfallen, seit zwei Jahren hat er sich auf das sogenannte Speed Skydiving spezialisiert - mit einigem Erfolg.

Der Reiz liegt für den 45-jährigen Familienvater auch an der hohen Geschwindigkeit, die ein Mensch dabei erreichen kann. In Wettbewerben erreichte Morhaus bislang um die 480 Kilometer pro Stunde im Drei-Sekunden-Schnitt, beim Training knackte er sogar die 500er-Marke.

"Es fühlt sich surreal an", beschreibt er die wenigen Sekunden, die er im 80-Grad-Winkel nach unten zischt bis auf 1600 Meter Höhe - dann wird die Messung von Zeit und Geschwindigkeit beendet.

Ausdauer und Kraft sind gefragt

"Erst danach macht sich bei mir ein Grinsen unter dem Helm breit", erklärt Thorsten Morhaus seinen Sport. Vorher lasse es die extreme Anspannung gar nicht zu. Es bleibt keine Zeit zum Genießen des Moments. Es herrschen enorme Kräfte. "Wenn du die minimalste Bewegung machst, mit deinem Kopf oder einem Finger, kannst du gleich 20 bis 30 Stundenkilometer verlieren", sagt Morhaus. Das Körpergewicht sei gar nicht von so großer Bedeutung, viel mehr eine gute Körperanspannung. Man brauche Ausdauer und Kraft.

Bei solch hohen Geschwindigkeiten wäre extrem unklug, vor einem Moment des Bremsvorgangs und dem Wechsel der Körperhaltung von vertikal in horizontal, den Fallschirm zu öffnen. Die Kräfte würden wohl dem eines Aufpralls mit dem Auto gleichen. Und im freien Fall, bei dem es um das Erreichen einer Maximalgeschwindigkeit geht, sei es zudem extrem laut, so Morhaus. "Wenn ich die 1700 Meter erreicht habe, blinkt bei mir im Helm eine LED-Leuchte auf, damit ich es bemerke."

Motorradfahren ist riskanter

Problem der Sportart, weshalb ihr Bekanntheitsgrad nicht besonders hoch ist, sind nach Ansicht von Morhaus fehlende Bilder. Es ist schwer, dabei zuzuschauen, oder besser: Es ist unmöglich. Was die Leute vom Boden aus mitbekommen, ist nur ein Geräusch. Plötzlich, wenn die Springer abbremsen, rauscht es laut.

Für Außenstehende mag es sich zunächst danach anhören, als wäre Speed Skydiving ein gefährliches Unterfangen. "Es ist aber kein Risikosport", sagt Thorsten Morhaus. Motorradfahren dagegen sei gefährlich, und das würde er auch nie machen wollen. Seine Frau unterstütze ihn bei seiner Leidenschaft ("sie ist sehr tolerant"), und seinen beiden Kindern gefalle auch, was er da mache.

Fast wie Superman durch die Lüfte

Besonders stolz ist Morhaus darüber, dass er Mitglied im Nationalkader des Deutschen Fallschirmsport Verbands ist. Im August fand die Weltmeisterschaft im Skydiving in Sibirien statt. Sie flogen zusammen nach Nowosibirsk und fuhren danach drei Stunden durch grüne Landschaft nach Tanay. In einem Skiresort fanden sie ihre Bleibe. Aus üblicherweise acht Runden werden die besten Zeiten gewertet. In diesem Fall waren es nur sechs Runden, für die anderen beiden war das Wetter zu schlecht.

Ein US-Amerikaner wurde Weltmeister. Morhaus belegte den 13. Platz, worüber er sich nicht so recht begeistern konnte, aber wenig später bei der Deutschen Meisterschaft schaffte er es auf den dritten Platz - endlich eine Medaille. Nächstes Jahr finde die Weltmeisterschaft in Arizona statt, auch dort möchte er teilnehmen.

Die Sportler seien "ein bunt gemischter Haufen". Und der bestehe aus vielen Individualisten. Er selbst sei über Bekannte zum Fallschirmspringen gekommen. In seiner "Home-Base" in Osterburken-Schlierstadt bietet Morhaus Tandemflüge an.

Superman wird nachgesagt, er sei schnell wie eine Pistolenkugel. Das wären 1600 Kilometer pro Stunde. Dafür muss Thorsten Morhaus noch etwas üben. Im echten Leben, berichtet Morhaus mit einem Augenzwinkern, müsse er nicht immer mit dem Kopf durch die Wand.

 

Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann gehört dem Reporterteam der Heilbronner Stimme an, das vor allem über Blaulicht-Themen und tagesaktuelles Geschehen in der Region berichtet.

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