Experimenta baut im Haus Viren-Zerstörer ein

Heilbronn  Die Heilbronner Experimenta bestrahlt alle Rolltreppen im Haus dauerhaft mit UV-C-Licht, um Bakterien, Keime und auch Corona-Viren umgehend zu zerstören.

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Ein Mitarbeiter der Firma Schindler baut die technische Einheit im Unterbau der Handlaufstrecke ein. Besucher der Experimenta sollen mit dem aggressiven UV-C-Licht nicht direkt in Berührung kommen.

Fotos: Andreas Veigel

Es ist ein neues System gegen Viren und Keime, und in Corona-Zeiten macht eine solche Neuerung schnell hellhörig. Die Heilbronner Experimenta setzt an allen zehn Rolltreppen im Haus jetzt UV-Licht ein, das Bakterien, Keime und auch Corona-Viren umgehend zerstören soll.

Binnen zwei Wochen hat der Aufzug- und Rolltreppenhersteller Schindler an allen Fahrtreppen kleine Lichteinheiten mit LED-Lampen im Unterbau eingesetzt, die das sehr energiereiche UV-C-Licht ohne Besucherkontakte auf die Handläufe werfen. Die Wirkungsweise ist offenbar sehr effizient. Eine 99,9-prozentige Keimfreiheit - auch bei Corona-Viren- verspricht Schindler. Ganz neu ist die Technik nicht. Bei der Wasseraufbereitung und zur Desinfektion von OP-Sälen wird das sehr kurzwellige Licht bereits seit Längerem eingesetzt. Schindler baut es nun in Rolltreppen ein, anfangs, um die generell hohe Keimbelastung auf Handlaufflächen zu eliminieren. Jetzt kam Corona - und die Nachfrage zog kräftig an.

"Es reichen Millisekunden, um die Keime zu zerstören", erklärt Schindler-Reparaturmeister Sascha Wolf gestern bei der Präsentation in der Experimenta. Im Unterbau des Rolltreppen-Fußpunkts sind die kleinen Einheiten mit den LED-Lämpchen auf jeder Rolltreppenseite verbaut. Mit jedem Durchgang des Handlaufs werden die Flächen aufs Neue desinfiziert. Nach Angaben von Wolf ist die Wirksamkeit des Schindler-Systems von einem Labor mit Zertifikat geprüft worden. Das UV-C-Licht zerstöre die DNA der Viren und Bakterien und mache sie damit unschädlich. Alles ohne den Einsatz von Chemie.

Der Einbau kostet je Rolltreppe eine vierstellige Summe

Experimenta baut im Haus Viren-Zerstörer ein

Mit gutem Gewissen sollen Gäste Rolltreppe fahren. Mit der Technik ist die Experimenta Vorreiter in Süddeutschland.

Den Gästen ein gutes Gefühl geben, wenn sie sich am Handlauf festhalten, ist ein wichtiger Pluspunkt für den Hersteller. Seit Mai ist das Produkt auf dem Markt. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist es bereits eingebaut. Die Experimenta ist der zweite Großkunde, der Rolltreppen nachrüsten lässt.

Warum dieser Aufwand, der einen unteren vierstelligen Betrag pro LED-Set für eine Treppe samt Einbau kostet? "Die Experimenta steht für Innovation und neue Konzepte", betont Sprecher Thomas Rauh. Und: Die Gesundheit der Besucher "liegt uns besonders am Herzen".

Das zentrale Element ist eine Einheit mit zwölf LED-Lämpchen. Durch kleine Spiegel wird erreicht, dass auch die Seitenflächen der Handläufe vom UV-C-Licht getroffen werden. Zwei Techniker mit Schutzmaske und Helm waren gestern dabei, die letzte Doppeleinheit in der vierten Etage zu installieren. Etwas bläulich leuchten die LED-Lampen bei ihrem Einsatz. Das UV-C-Licht ist indes für Menschen unsichtbar - es könnte auf der Haut oder Netzhaut aber Schäden verursachen.

Die weltweit tätige Firma Schindler mit Hauptsitz im Kanton Luzern /Schweiz hat das Produkt generell für den Kampf gegen Keime und Bakterien für die eigenen Zwecke entwickelt. Weil Handläufe stark belastet sind, vor allem in Grippe- und Erkältungszeiten im Winterhalbjahr. Mit großen Schildern weist die Experimenta an den Rolltreppen gleich auf die neue technische Errungenschaft hin: "Keimfreier Handlauf durch UV-Licht" ist dort groß zu lesen.

Experimenta baut im Haus Viren-Zerstörer ein

So sieht ein Bausatz mit kleinen LED-Lämpchen aus, der Viren und Keime auf der Handlaufoberfläche zerstören soll.

Bringt das Science Center durch die Innovation andere jetzt in Zugzwang? Auch in der Heilbronner Stadtgalerie gibt es beispielsweise einige Rolltreppen. "Wir haben den Reinigungsrhythmus mit der Corona-Verordnung erhöht. Die Handläufe werden bei jeder Runde am Tag gereinigt und desinfiziert, ebenso die Türgriffe an Eingängen und in Treppenhäusern", erklärt Centermanagerin Kitty Molnar auf Anfrage. Und: Es gebe verschiedene Technologien. Man prüfe derzeit den Einsatz einer Flüssigkeit, die nach dem Auftrag auf stark genutzte Flächen für mehrere Monate einen bakteriellen Schutz bieten soll.

Schutzkonzept im gesamten Haus

Wie geht die Experimenta mit Hygieneschutz generell um? Auf allen Etagen stehen Desinfektionsspender, Händedesinfektion ist Pflicht. Es gibt Obergrenzen für Besucher. Nur mit Masken dürfen Gäste in die Experimenta-Welten kommen. Entweder allein oder als Familie darf man an die Mitmach-Stationen. Diese werden neuerdings zweimal am Tag gereinigt und desinfiziert: mittags und abends. Aus Sicherheitsgründen hat die Experimenta Stationen mit Windwirbeln und Wasser geschlossen. 200 von 275 Stationen sind derzeit geöffnet.

 

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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