Ethnologin diskutiert mit FDP-Abgeordnetem über politischen Islam

Heilbronn  Professorin Susanne Schröter und Politiker Nico Weinmann reden im Parkhotel über die Herausforderungen, die der politische Islam mit sich bringt. Schröter hat dazu ein Buch geschrieben. Wissenschaft und Politik gehen das Thema unterschiedlich an.

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Susanne Schröter und Nico Weinmann diskutierten auf dem Podium im neu eingeweihten Parkhotel.

Foto: Christoph Kraft

Wissenschaft trifft auf Politik - und das bei einer brisanten Frage, so lässt sich die Buchvorstellung mit anschließender Diskussion im Parkhotel zusammenfassen. In einem kurzen Vortrag stellte Susanne Schröter ihr 2019 erschienenes Buch "Politischer Islam. Stresstest für Deutschland" vor. Im Dialog mit Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard diskutierte sie dann mit Nico Weinmann, dem Heilbronner FDP-Landtagsabgeordneten.

Schröter ist Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Direktorin des "Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam", das sie 2014 gründete. In ihrem Buch meint sie mit "politischem Islam" das, was zuvor "Islamismus" genannt wurde. Dieser versteht die Quellen des Islam fundamentalistisch und will letztlich den Staat islamischen Normen unterwerfen, womit wichtige Freiheitsrechte, die im Grundgesetz verankert sind, verloren gingen. In ihrer Publikation zeichnet Schröter nach, wie sich der politische Islam in Deutschland ausbreitet und welche Akteure die treibenden Kräfte sind. Den politischen Islam in seiner totalitaristischen Form grenzt Schröter vom Islam als Religion ab.

Ein Problem: Sportunterricht mit beiden Geschlechtern

In ihrem Vortrag zeigt Schröter anhand der französischen Politik, wie der politische Islam besonders seit den terroristischen Anschlägen der letzten Jahre dort virulent ist. In Deutschland zeige sich das Thema in den Schulen, wenn muslimische Eltern ihre Kinder nicht zum Sportunterricht schicken wollen, weil dort beide Geschlechter zusammen unterrichtet würden. Die Professorin kritisierte, dass nur mit großen Verbänden gesprochen werde, die aber maximal 20 Prozent der Muslime verträten.

Wie findet man Ansprechpartner für Muslime in Deutschland?

Nico Weinmann erwiderte Schröter, dass die Politik in den islamischen Instituten Ansprechpartner suche. Trotzdem blieb die Frage im Raum stehen, wie man die bis zu 80 Prozent Muslime in Deutschland, die sich nicht organisiert haben, in demokratische Gremien holt. Der Islam sei eine viel individualistischere Religion als das Christentum.

Kritisch sieht Schröter auch Staatsverträge mit muslimischen Organisationen wie in Hamburg. Diese müssten aufgelöst werden, forderte sie. Die 63-Jährige sprach sich für eine striktere Trennung von Staat und Religion und ein Fach Religionskunde aus. Den im Grundgesetz garantierten bekenntnisorientierten Religionsunterricht abzuschaffen, "wäre einen Gedanken wert", sagte Weinmann. "Man sollte sich das aber dreimal überlegen", schob er nach. Außerdem seien Weltreligionen Teil des Religionsunterrichts, meinte der Liberale.

Kommunale Lösungen sind gefragt

Weinmann sieht es als bleibende Aufgabe, Muslime in der vierten oder fünften Generation in Deutschland zu integrieren. Schröter gestand zu, dass sich auf kommunaler Ebene ganz andere Herausforderungen als in der Wissenschaft stellen. Denn dort müssen letztlich tragfähige Lösungen für den Alltag gefunden werden.


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Christoph Kraft

Volontär

Christoph Kraft arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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