Einsturzgefährdetes Haus muss nach Feuer zum Teil abgetragen werden

Neudenau  Nach dem Feuer in einem Fachwerkhaus in Neudenau mit drei Toten gestaltet sich das Abtragen des Hauses schwierig und wird erst in den nächsten Tagen erfolgen können. Die Brandursache ist nach wie vor ungeklärt.

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Die Spurensicherung und ein Sachverständiger des Landeskriminalamts waren angekündigt. Doch bevor sich die Ermittler umfassend mit der Ursache für den Brand in der Neudenauer Altstadt beschäftigen können, muss ab Tag zwei nach dem verheerenden Unglück mit drei Toten erst einmal der Giebel des denkmalgeschützten Fachwerkhauses Stück für Stück abgetragen werden. Das Technische Hilfswerk bringt heute Nacht ein Gerüst an, damit die Arbeiten beginnen können.

Zunächst war berichtet worden, dass der Giebel des historischen Weinhauses bereits heute abgetragen wird. Das trifft nicht zu.

Polizei schätzt Sachschaden auf eine halbe Million Euro

"Das Haus ist noch immer stark einsturzgefährdet", sagte Polizeisprecher Rainer Köller am Mittwochmittag. Bei den Löscharbeiten der Feuerwehr hatte sich altes Holz und Stroh in den Decken mit Tausenden Litern Wasser vollgesogen. Das drückte zusätzlich auf die Tragebalken, die teilweise weggebrannt sind. Das Technische Hilfswerk stützte die Decken mit Stahlträgern. Die Polizei schätzt den Sachschaden am Fachwerkhaus, den beiden Nachbarhäusern und einem beschädigten Auto auf eine halbe Million Euro.

Inzwischen wurde auch - wie von den Einsatzkräften sehr früh befürchtet - eine dritte Leiche im ehemaligen Weinhaus "Zum Engel" gefunden. Vermutlich handelt es sich bei den Toten um den 71-jährigen schwerbehinderten Inhaber des Weinhauses, seine 69-jährige Ehefrau und einen 62-jährigen Freund des Paares. Aufschluss wird eine Obduktion der Leichen geben.

Die Opfer waren im Ort bekannt

Angehörige der Opfer hatten sich am Mittwoch vor dem Haus eingefunden und trauerten. "Ich bin hier aufgewachsen", sagte der Sohn des Ehepaares mit Blick auf die Ruine. Er möchte mitteilen, dass er die Arbeit der Feuerwehr und ihren Einsatz sehr schätze, so der Mann.

"Das ist fürchterlich", sagte eine Kundin in der Bäckerei. "Wie in einem schlechten Krimi", ergänzte eine Anwohnerin der Hauptstraße. Viele Menschen in Neudenau wirken fassungslos und so, als könnten sie das Geschehene zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht greifen. Die Opfer waren im Ort bekannt, es gab im Weinhaus regelmäßig ein Stammtischtreffen von Alteingesessenen.

 

 

Männergesangsverein sagt jährlichen Liederabend ab

Der Neudenauer Männergesangsverein Badenia hatte für Samstag den jährlichen Liederabend in der Sturmfeder-Halle geplant. Das 71-jährige Opfer war Sänger im Verein, auch seine Frau war aktiv. "Sie hat immer geholfen und war eine sehr gute Köchin", sagt Gesangsvereins-Vorsitzender Karl-Heinz Sprenger. "Wir können keinen lustigen Abend machen, das geht nicht." Aufgrund des Unglücks "haben wir den Liederabend am kommenden Samstag abgesagt", so Sprenger. Von 2007 bis 2013 sei der 71-jährige Verstorbene der Vorsitzende ihres Vereins gewesen. Auch beim Neudenauer Gässlesmarkt war der Mann als Getränkelieferant präsent.

Weihnachtsbaum vor Rathaus wird geschmückt - unsensibel?

Ausgerechnet am heutigen Mittwoch wurden in Neudenau 50 Meter entfernt vom Unglücksort der Weihnachtsbaum vor dem Rathaus und dortige Häuserfassaden mit Lichterketten geschmückt. "Das hätte auch noch in zwei Tagen gelangt", sagte eine Passantin. Auch Feuerwehrleuten fiel das negativ auf. "Die Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft wird immer größer", sagte ein Feuerwehrmann. "Die Leute stumpfen ab, jeder schaut nach sich und nicht mehr nach anderen."

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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