Eine Radtour, die Kindern mit Benachteiligungen zugute kommt

Leingarten  Oliver Binder aus Leingarten sucht das Abenteuer und startet eine 1200 Kilometer lange Radtour für den Verein Hope for Children. Sein Anliegen: Mehr Aufmerksamkeit für Kinder mit Einschränkungen. Was ihn antreibt, erzählt er im Stimme-Interview.

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In den vergangenen Wochen trainierte Oliver Binder hart. Für dieses Foto muss er sich kaum anstrengen.

Foto: Kinkopf

Am Donnerstag startet Oliver Binder zu einer Radtour, die es in sich hat. 1200 Kilometer möchte der 26-Jährige in zwölf Tagen zurücklegen. Er macht das für den Verein Hope for Children, der sich für behinderte Kinder in der Region stark macht. Ein Gespräch über Berührungsängste und eine 180-Grad-Wende.

Wartet ein Abenteuer auf Sie?

Oliver Binder: Auf jeden Fall. Ich bin ein abenteuerlustiger Typ und möchte etwas erleben. Ich sehe die Tour auch als Herausforderung.


Dabei spielen Sie Handball und haben für die Radtour trainiert.

Binder: Handball und Radfahren beanspruchen ganz unterschiedliche Muskelgruppen. Zwölf Tage hintereinander durchgehend diese Belastung - das habe ich noch nie gehabt. Das ist auch der Reiz. Dafür habe ich meine Ernährung umgestellt, esse bewusster, kein Fastfood, keine Fertiggerichte. Ich achte darauf, dass ich meine Eiweißquellen habe und erst seit Samstag führe ich mir wieder Kohlenhydrate zu.


Worüber machen Sie sich im Vorfeld am meisten Gedanken?

Binder: Nur das Wetter macht mir ein bisschen Sorge. Wenn es drei, vier Tage hintereinander regnen sollte, könnte es schwierig werden. Aber auch das gehört zum Abenteuer. Es ist sicher kein Problem, wenn ich zum Beispiel eine Panne habe. Man bekommt immer Hilfe. Außerdem habe ich mein Notfall-Set mit Flickzeug, Schraubenzieher und so weiter dabei. Ich bin also gut ausgerüstet.


Warum wollen Sie mit dieser Aktion die Aufmerksamkeit auf benachteiligte Kinder, auf behinderte Kinder und den Verein Hope for Children lenken?

Binder: Es gibt noch viele Menschen mit Berührungsängsten und auch Vorurteilen. Dabei sind behinderte Menschen nicht anders als wir. Sie gehören zu uns. Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft. Ich möchte mehr Respekt gegenüber Kindern mit Einschränkungen, egal ob körperliche oder geistige. Oder gegenüber Kindern mit anderer Herkunft oder Hautfarbe oder Religion, das ist doch alles irrelevant.


Woher kommt Ihr Blick für Benachteiligte?

Binder: Das weiß ich nicht. Es war schon immer so, dass ich auf behinderte Kinder genauso zugegangen bin wie auf nichtbehinderte, sie begrüßt und ihnen die Hand gegeben habe. Ich habe da keine Unterschiede gemacht.


Wurden Sie dazu erzogen?

Binder: Ich muss sagen, ich war früh auf mich allein gestellt. Ich musste mir vieles selbst beibringen, was mich aber als Person gestärkt hat. Ich habe mir schon früh viele Gedanken gemacht und ich denke, man sollte niemanden ausgrenzen.


Gibt es Situationen, in denen auch Sie Berührungsängste haben?

Binder: Nein, ich bin sehr offen und gehe gern auf andere zu. Was habe ich denn auch zu verlieren? Wenn es mal eine blöde Antwort gibt, dann ist es halt so. Ich hatte mal einen Nebenjob in einem Supermarkt und habe unter anderem Verkostungen an einem Stand angeboten. Es fiel mir nicht schwer, die Leute anzusprechen.


Waren Sie schon immer ein unerschrockener Typ?

Binder: Überhaupt nicht. Wenn ich an die Kindheit und die Zeit als Jugendlicher denke, war ich zwar aktiv, aber es fiel mir unheimlich schwer, zum Beispiel Lehrer etwas zu fragen. Ich war schüchtern, zurückhaltend. Und ich war lernfaul. Damals hat keiner gedacht, dass ich meine Ausbildung schaffe. Nur meine Ausbilderin hat an mich geglaubt. Bei mir hat es dann klick gemacht. Ich wusste, ich muss mich verändern und etwas aus meinem Leben machen. Ich habe mich um 180 Grad gedreht. Dazu beigetragen hat der Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Dort habe ich Disziplin gelernt, wie man sich verhält, Wäsche wäscht und zusammenlegt, sich an Regeln hält. Für die Bildung meiner Persönlichkeit war das eine wichtige Erfahrung.


Warum machen Sie diese Tour eigentlich allein?

Binder: Es ist meine Sache, mein Konzept, meine Herausforderung. Wenn ich sage, ich fahre um fünf morgens los, fahre ich. Wenn ich eine Pause brauche, mache ich eine, wenn nicht, fahre ich weiter. Ich gehe an meine persönlichen Grenzen. Ich muss mein Ding machen.


Was muss eintreten, damit Sie sagen, diese Aktion ist gelungen?

Binder: Für mich lohnt sich die Aktion bereits jetzt schon. Die Unterstützung, die ich erfahre, ist der Hammer. Schon jetzt gibt es Spenden von etwa 3000 Euro für Hope for Children. Ich bin wirklich stolz und froh über jede Rückmeldung und über jeden noch so kleinen Spendenbetrag.

 

Tour auf Facebook und Instagram verfolgen
Unter dem Namen Oli vom Leinbach ist Oliver Binder auf Instagram zu finden. Dort und in Facebook macht er auf seine Radtour aufmerksam. Damit verknüpft der 26-Jährige die Hoffnung, den noch jungen Verein Hope for Children mit Sitz in Gemmingen ins Bewusstsein zu rücken und Spendengelder einzusammeln. Der Verein engagiert sich für Kinder in der Stadt und im Landkreis.

Binder startet die Radtour am Donnerstag, 9. Juli, um 5 Uhr in Heilbronn. Erstes Etappenziel ist Biberach an der Riß. Weitere Stationen sind der Bodensee, der umfahren wird, sowie der Eibsee bei Garmisch-Partenkirchen und Augsburg. Jeden Abend möchte Binder ein Video in den sozialen Netzwerken posten und so andere an seiner Tour teilhaben lassen. Binder stammt aus Heilbronn-Neckargartach und lebt in Leingarten. Der 26-Jährige ist gelernter Industriekaufmann und arbeitet als Einkäufer. Nebenher jobbt er als Barkeeper und spielt Handball in Heilbronn.


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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