"Eine antiautoritäre Erziehung ist problematisch"

Heilbronn  Der Heilbronner Tierarzt Joachim Fritz spricht im Stimme-Interview über Kosten für Hund und Katze, Haltefehler und das Glück mit den Freunden auf vier Pfoten.

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Tierarzt Joachim Fritz. Foto: privat

Die Versorgung und Erziehung eines Haustieres kostet Zeit und Geld. Joachim Fritz, Leiter der Heilbronner Anicura-Tierklinik, kümmert sich mit seinem mittlerweile 24-köpfigen Ärzteteam hauptsächlich um Hunde und Katzen, daneben auch um Kleintiere wie Kaninchen und Mäuse. Der Experte gibt Tipps, was Frauchen und Herrchen von Hund und Katze, und vor allem diejenigen, die es werden wollen, beachten sollten.

 

Vor dem Leben mit Mieze und Bello: Was ist zu beachten?

Joachim Fritz: Interessenten sollten sich die voraussichtliche Lebensdauer von Hund und Katze bewusst machen, also nicht kurzfristig denken. Die Frage ist: Sind Sie bereit, sich zehn bis 20 Jahre um dieses Tier zu kümmern? Meine Eltern etwa hatten immer Katzen. Wegen ihres fortgeschrittenen Alters haben sie sich jetzt gegen eine weitere Katze entschieden, weil sie vermuten, irgendwann nicht mehr für sie sorgen zu können.

 

Wie hoch sind etwa die Tierarztkosten pro Jahr?

Fritz: Mit durchschnittlich um die 200 bis 250 Euro für einen Hund und etwa 100 bis 150 Euro pro Katze sollten Halter für die medizinische Behandlung ihres Tier im Jahr rechnen. Die Summe erhöht sich in der Regel später aufgrund von Alterserkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Arthrosen, Nierenprobleme, wie bei uns Menschen eben. Meine eigene Katze Emily, heute 16 Jahre alt, war 13 Jahre kerngesund. Die wenigen Tierarztkosten beliefen sich auf Entwurmungsmittel, Impfungen, Antiparasitika. Jetzt, in ihrem höheren Alter, müssen wir teils 500 bis 1000 Euro im Jahr für ihre Gesundheit ausgeben.

Ist eine Hundeversicherung notwendig?

Fritz: Ich rate auf jeden Fall zu einer OP-Versicherung, in der die sehr großen finanziellen Risiken abgedeckt sind. Was ich als Tierarzt nach wie vor beobachte, ist der relativ geringe Anteil an Tierversicherungen, die Halter abschließen. Wenn beispielsweise ein Tier schwer erkrankt, gibt es immer wieder Menschen, die finanziell an ihre Grenzen stoßen. Dann muss die Entscheidung gefällt werden, ob es eingeschläfert wird. Das ist für alle Beteiligten - für das Tier, für den Halter, für uns - eine sehr traurige Situation: wenn die Operation nicht gezahlt werden kann, obwohl sie die Rettung für das Tier wäre.

 

Was sind häufige Fehler?

Fritz: Einen grundlegenden Fehler von Haltern sehe ich darin, das Tier als Mensch zu behandeln. Es sind Lebewesen mit ganz eigenen Bedürfnissen. Hunde etwa brauchen eine klare Rangordnung. Deshalb ist ihre Erziehung ein ganz großes Thema. Ich beobachte häufig, dass eine antiautoritäre Hundeerziehung zu Problemen führt.

Wie zeitintensiv ist ein gutes Hundetraining?

Fritz: Vor allem im ersten Lebensjahr braucht es viel Zeit für die Erziehung. Dann sollten Halter etwa zweimal die Woche mit ihren Vierbeinern in die Hundeschule gehen.

 

Sie arbeiten seit mehr als 20 Jahren als Tierarzt. Hat sich das Verhältnis zwischen Haustier und Mensch verändert?

Fritz: Die meisten Tiere finden heute ein sehr gutes Zuhause und sind ein vollständiges Familienmitglied. Käufe von illegalem Haustierhandel beobachten wir selten. Das Bewusstsein über schlechte und falsche Haltung hat sich allgemein vergrößert. Auch für mich gibt es fast nichts Schöneres, und es erhöht sich die Lebensqualität enorm, mit einem Tier zusammenzuleben.

 

Zur Person

Joachim Fritz arbeitet seit 2000 als Tierarzt in der Tierklinik am Landratsamt, die 2016 von Anicura, einem europaweiten Anbieter für die ärztliche Haustierversorgung, übernommen wurde und im März in die Frankfurter Straße gezogen ist. Seit 2019 ist er Geschäftsführer des Kleintierzentrums. Zu seinen Fachgebieten zählen die Innere Medizin und die Kardiologie. Mit Familie und Katze wohnt der 48-Jährige in Heilbronn.


Bigna Fink

Bigna Fink

Volontärin

Bigna Fink volontierte von 2019 bis 2021 bei der Heilbronner Stimme. Seitdem ist sie als Redakteurin tätig - derzeit allerdings in Elternzeit.

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