Ein Leben für die Heimat und den Glauben

Schwaigern  Josef Hubert Graf von Neipperg ist am Samstag im Alter von 102 Jahren gestorben. Der hochdekorierte Graf von Neipperg ist seinem Heimatort Zeit seines Lebens treu geblieben.

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Josef Hubert Graf von Neipperg wurde 102 Jahre alt.

Foto: Archiv/privat

Unter den Eindrücken des Zweiten Weltkriegs engagierte er sich dafür, die Schrecken dieses Regimes nicht zu vergessen. Die Beisetzung findet am Samstag im Familienkreis statt.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft

Als der Graf im Schwaigerner Schloss geboren wurde, war der Erste Weltkrieg noch nicht zu Ende. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Offizier, unter anderem im Afrikacorps unter den beiden Generalleutnants Erwin Rommel und Ludwig Crüwell. 1943 geriet der Graf in amerikanische Gefangenschaft und wurde nach Tennessee gebracht. Drei Jahre später kam er ins Kriegsgefangenenlager in Böckingen.

Nachdem sein Bruder Karl-Reinhard während des Zweiten Weltkrieges in Russland ums Leben gekommen ist, ging das Erbe der Familie an Josef Hubert Graf von Neipperg. Das Schloss in Schwaigern ist seit 1702 Wohnsitz der Familie. Nach den Kriegswirren baute Graf von Neipperg das Familienunternehmen wieder auf. Weinbau ist ein bedeutender Bereich. Die Familie baut den edlen Rebensaft auf rund 33 Hektar an. Der Graf hatte aber auch frühzeitig auf den Wald gesetzt. Mit dem Holzverkauf ist die Familie weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt.

Josef Hubert Graf von Neipperg war zeitlebens ein gläubiger Mann. Ihm war auch daran gelegen, dass sich die Schrecken des Nationalsozialismus nie mehr wiederholen dürfen. So spielte er in der Stefanus-Gemeinschaft eine zentrale Rolle, um in erster Linie katholische Männer in ländlichen Gebieten in Rhetorik und politischer Bildung zu schulen. 30 Jahre lang engagierte er sich dort als Zweiter Obmann. 1972 kaufte die Gemeinschaft das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal. Dort finden bis heute Seminare statt. Stefanuskreise finden mittlerweile in vielen deutschen Orten, aber auch in Österreich und Liechtenstein statt.

Hochdekoriert für sein Engagement

Für sein Engagement in den verschiedensten Bereichen wurde Josef Hubert Graf von Neipperg hoch dekoriert. Er war Ritter des Ordens am goldenen Vlies und Ehren- und Devotionsritter des Malteser Ritterordens. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und bekam neben weiteren Auszeichnungen unter anderem den Päpstlichen Orden des Heiligen Gregorius des Großen verliehen.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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