Ein Jahr nach dem ersten Corona-Fall in der Region

Region  Vor zwölf Monaten wurde im Landkreis Heilbronn die erste Infektion mit dem Virus festgestellt. Nach relativer Ruhe im Sommer folgten im Herbst erneut drastische Einschnitte, seit dem Jahreswechsel dominiert das Thema Impfen.

Email

An diesem Sonntag ist es genau ein Jahr her, dass der erste Fall des damals noch neuartigen Coronavirus in der Region nachgewiesen wird. Es ist der Freitag am Ende der Faschingsferien, viele Skiurlauber befinden sich auf der Heimfahrt, nicht ahnend, dass ausgerechnet das renommierte Skifahr- und Partyziel Ischgl zum Corona-Hotspot werden wird. Der Ort, von dem aus sich das Virus in ganz Europa und Teilen der Welt verbreitet.

Es sind Einschnitte, die in Friedenszeiten kaum einer für möglich gehalten hätte

Es folgen in rasender Geschwindigkeit Einschnitte, die wohl niemand in Friedenszeiten für möglich gehalten hätte: Geschäfte werden geschlossen, das Reisen eingeschränkt, Grenzen dicht gemacht, Ostern als Familienfest fällt aus. In Folge dieser drastischen Maßnahmen sinken die Infektionszahlen in Deutschland und der Region schnell und deutlich, so dass ab Ende April wieder erste Lockerungen folgen - flankiert von einer Maskenpflicht für den ÖPNV und Geschäfte.

Die erste Hälfte des Sommers ist von einer relativen Ruhe geprägt - abgesehen von einigen eingrenzbaren Ausbrüchen in Betrieben wie der Fleischfabrik Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Doch ab der zweiten Ferienhälfte zeigt sich auch in der Region: Die Lage ist gefährlich. Urlaubsheimkehrer bringen das Virus mit und sorgen so für eine neue Ausbreitung.

Interaktive Grafiken

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellung kann Ihnen diese Datenvisualisierung nicht angezeigt werden.

Hier können Sie eine Änderung Ihrer Einstellungen vornehmen, um sich die Grafik anzeigen zu lassen.

Datenschutzeinstellungen ändern

Bitte beachten Sie, dass durch die Einwilligung des Dienstes Cookies gesetzt werden können. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.

Kurz vor Weihnachten wird der erste Impfstoff zugelassen

Den Menschen im Hohenlohekreis sitzt den Sommer über der Schrecken aus der Anfangszeit im Nacken, als ein einziges Kirchenkonzert in Eschental am 1. März ausreicht, das Virus zu verbreiten und der Kreis wochenlang die Fall-Statistik anführt. Umso größer ist die Freude zu Beginn der zweiten Welle am Ende des Sommers: Der Hohenlohekreis hat lange die niedrigste Inzidenz, gilt als Musterknabe. Trotz Ausbrüchen in Pflegeheimen gerät die Lage nicht außer Kontrolle. Kurz vor Weihnachten dann die wissenschaftliche Sensation: Am 21. Dezember lässt die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech in Kooperation mit dem Pharmakonzern Pfizer zu - Großbritannien und die USA haben ihre Impfkampagne da bereits gestartet.

An Weihnachten werden die ersten Senioren in den Heimen in Hohenlohe geimpft. Am 24. Januar sinkt die Inzidenz unter 50. Doch keine zwei Wochen später wendet sich das Blatt: Ein größeres Ausbruchsgeschehen in einem Logistikzentrum der Firma Würth in Künzelsau-Gaisbach bringt das Virus mit Macht zurück - und zudem die britische Mutante. Schnell befindet sich der Kreis wieder an der Spitze der Tabelle mit der höchsten Inzidenz.

 

Der Start der Impfkampagne bringt zunächst Ernüchterung

In der Stadt Heilbronn und im Landkreis bringt das Impfen nicht den schnellen Erfolg, sondern zunächst große Ernüchterung: Der Start in den Kreisimpfzentren Heilbronn-Horkheim und Ilsfeld wird aufgrund fehlenden Impfstoffs um eine Woche verschoben. Als dann mit Impfstoff zu rechnen ist, wird klar, dass jedes Kreisimpfzentrum zunächst nur 1170 Dosen bekommt. Dann die zweite Schocknachricht: Weil der Bund nicht genügend Dosen bereitstellen kann, müssen sich Impfzentren und Kliniken die Vakzine teilen.

Interaktive Grafiken

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellung kann Ihnen diese Datenvisualisierung nicht angezeigt werden.

Hier können Sie eine Änderung Ihrer Einstellungen vornehmen, um sich die Grafik anzeigen zu lassen.

Datenschutzeinstellungen ändern

Bitte beachten Sie, dass durch die Einwilligung des Dienstes Cookies gesetzt werden können. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.

Bei der Vergabe von Terminen halten die Probleme an

Die Impftermine über die Telefonhotline 116117 oder die Online-Plattform www.impfterminservice.de sind innerhalb weniger Minuten ausgebucht. Viele Bürger ärgern sich über lange Wartezeiten in der Leitung oder am Rechner, um letztlich doch keinen Termin zu erhalten. Trotz allem läuft der erste Tag in den KIZ in der Region dank engagierter Mitarbeiter und geduldiger Impfwilliger großteils reibungslos. Nach und nach trudelt mehr Impfstoff ein.

Seit dieser Woche sind nun auch bestimmte Personengruppen wie medizinische Beschäftigte und Lehrer zwischen 18 und 64 Jahren berechtigt, den Astrazeneca-Impftstoff zu erhalten. Doch die Probleme bei der Buchung eines Impftermins halten an. So berichten Bürger, dass sie von Mitarbeitern der Hotline abgewiesen werden. Das Sozialministerium gibt Anlaufschwierigkeiten zu und gelobt Besserung.

In der Gastronomie und im Einzelhandel haben viele Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz

Für die kommenden Wochen stehen mögliche Lockerungen im Raum - in der Gastronomie und im Handel gibt es aber schon jetzt bedenkliche Entwicklungen: Die Zahl der Leerstände und Insolvenzen in der Region wächst stetig. "Wir haben Angst um unsere Arbeitsplätze", sagt Natalja Germann unserer Redaktion. Sie ist Mitarbeiterin eines Schuhladens und befindet sich seit Monaten in Kurzarbeit, deshalb demonstriert sie vor wenigen Tagen in Pfedelbach gegen den Lockdown. 


Corona Newsletter

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Kirsi-Fee Rexin

Kirsi-Fee Rexin

Autorin

Kirsi-Fee Rexin begann im Jahr 2014 ein Volontariat bei der Heilbronner Stimme. Seit 2016 ist sie als Redakteurin im Ressort Landkreis hauptsächlich für Kommunen im nördlichen Landkreis zuständig.

Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

Kommentar hinzufügen