Ein Jahr Gefängnis für Hakenkreuze und Beleidigungen

Region  Zwei 18-Jährige mussten sich vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Heilbronn verantworten. Sie hatten unter anderem Wände mit Hakenkreuzen und Beleidigungen beschmiert. Am Donnerstag wurden die Urteile gesprochen.

Email

Zu einem Jahr Jugendstrafe hat das Jugendschöffengericht des Heilbronner Amtsgerichts eine 18-Jährige verurteilt. Das Gericht hält es für erwiesen, dass sie zusammen mit einer zum Tatzeitpunkt 17-Jährigen im August 2020 in Öhringen und Pfedelbach Wände mit Hakenkreuzen, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Beleidigungen beschmiert hat. Die Ältere der beiden hatte zudem versucht, Schusswaffen und Anleitungen zum Bombenbau zu beschaffen.

Das Gericht zog in der wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten aus Pfedelbach nicht öffentlich geführten Verhandlung einen Gutachter zu Rate, der sich mit einem möglichen nationalsozialistischen Hintergrund beschäftigte. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass nicht nationalsozialistische Gesinnung hinter den Taten steckte, erläutert der Sprecher des Amtsgerichts, Michael Reißer. "Es sei ihnen um Geltungsstreben gegangen. Darum, sich auch einmal stark zu fühlen."

Gutachter: Keine nationalsozialistische Gesinnung

Vor allem die Haupttäterin hätte massive Probleme in der Schule und dort kaum Erfolgserlebnisse gehabt. "Der Gutachter ist sicher, dass das die Triebfeder war und die beiden zudem Tragweite und Bedeutung ihrer Taten nicht erkannt hätten." Den Versuch, sich Waffen und Bauanleitungen für Sprengsätze zu beschaffen, habe es zwar gegeben. "Das Gericht ist aber sicher, dass es den jungen Frauen nicht darum gegangen sei, Waffen und Sprengstoff auch einzusetzen." Die jüngere der beiden verurteilte das Gericht zu einer Geldauflage, außerdem muss sie einen Drogentest samt Beratung durchführen lassen.

Einen Zusammenhang mit Nazi-Organisationen wie Junge Revolution samt regionalem Ableger "Nord Württemberg Sturm" (NWS) sehe das Gericht nicht, sagt Michael Reißer. Der NWS hatte Mitte Dezember ein Video im Internet veröffentlicht, in dem zehn Vermummte auf einem Parkdeck in Osterburken Bengalos entzünden und ein Banner entrollten. Beobachter der Nazi-Szene hatten Verbindungen zur bundesweit vernetzten Gruppe Junge Revolution ausgemacht.

Im August vergangenen Jahres hatten die beiden Frauen mehrere Graffiti an Gebäude in Pfedelbach und Öhringen gesprüht, wie Polizei und Staatsanwaltschaft damals mitteilten. In Pfedelbach besprühten sie unter anderem die Fassaden der Pestalozzi-Schule und in Öhringen ein Gebäude an der Straße "Am Römerbad".

Wohnungen durchsucht, Handys beschlagnahmt

Die Ermittler durchsuchten die Wohnungen der Frauen und fanden Farbspraydosen, außerdem wurden die Smartphones als Beweismittel sichergestellt. Bei deren Auswertung stellte sich heraus, dass die ältere der Frauen versucht hatte, sich eine Schusswaffe und Sprengstoffanleitungen zu besorgen - außerdem wurden Bilder gefunden, auf denen sie mit NS-Devotionalien posierten. Die 18-Jährige wurde einem Haftrichter vorgeführt und in eine Justizvollzugsanstalt überstellt. Dort bleibe sie bis zum Antritt der Jugendstrafe, teilt der Gerichtssprecher mit.

 

 


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

Kommentar hinzufügen