Digital nicht zu erreichen: Schüler kommen zurück in den Unterricht

Region  Kinder und Jugendliche mit besonderem Bedarf erhalten in der Corona-Krise Präsenzunterricht. Die Lehrer wissen diese Möglichkeit sehr zu schätzen.

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Schüler, die im Homeschooling nicht erreicht wurden, können wieder zurück in die Schulen.

Foto: Corri Seizinger/stock.adobe.com

Nach acht Wochen Fernunterricht ist klar: Nicht alle Kinder und Jugendliche werden digital erreicht. Viele Lehrer sehen den Vorteil des direkten Kontakts. Den erlaubt jetzt das baden-württembergische Kultusministerium für bestimmte Schüler. Unklar ist, wie viele Jugendliche dafür infrage kommen.

In Gemmingen liefern Lehrer die Lernpakete aus

An der Wolf-von-Gemmingen-Schule im Kraichgau haben sich die Lehrer einen Eindruck vom Privatleben ihrer Kinder gemacht. Die Lernpakete seien persönlich ausgefahren worden, erzählt Konrektor Christian Mair. "Wir hatten die Möglichkeit, mit allen zu sprechen." Außerdem haben die Lehrer so direkt gesehen, wo es mit dem Lernen zu Hause nicht so funktioniert wie erhofft.

Diese Schüler kommen nun in Absprache mit der Schulsozialarbeit in die Schule zum Unterricht. Die ersten Erfahrungen: "Unsere Kinder haben zu Hause die Aufgaben teilweise erledigt", sagt Christian Mair, "aber nicht in dem Umfang, wie wir erhofft hatten."

Am Jagsttal-Schulverbund in Möckmühl kümmert sich Irina Homeier um Kinder, die erst seit kurzem in Deutschland sind und deshalb erst einmal in die sogenannten Vorbereitungsklassen gehen. "Sie brauchen den Kontakt, und sie müssen auch Deutsch sprechen." Der Präsenzunterricht ist aus einem weiteren Grund erforderlich: "Diese Schüler sind digital sehr schlecht erreichbar", weiß Irina Homeier. "Sie waren verschollen", beschreibt die Lehrerin die Situation in den ersten Wochen der Corona-schulfreien Zeit. "Ich habe mich sehr gefreut, meine Schüler wiederzusehen."

In Möckmühl sind alle Kinder gekommen

Das Positive des ersten Tages mit Präsenzunterricht in Möckmühl: "Alle acht Schüler waren da." Den Kindern und Jugendlichen hatte Irina Homeier zwar am letzten Schultag ein Aufgabenpaket mitgegeben. "Das haben sie gemacht, aber manches war nicht ganz richtig."

Nachgefragt, bedauert die Lehrerin, habe bei ihr aber niemand. "Die Aufgaben blieben unbeantwortet." Die Lehrerin ist froh, dass sie der Klasse wieder direkt zur Verfügung steht. "Die Schüler blieben sonst auf der Strecke." Über einen anderen Weg seien diese Kinder nicht zu erreichen gewesen. Selbst Anrufe blieben unbeantwortet. "Es war schwierig, den Kontakt zu ihnen zu halten."

Schüler haben keine Möglichkeit, zu Hause gefördert zu werden

Auch die Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule in Heilbronn bestellt Kinder und Jugendliche ein, die in den zurückliegenden Wochen nicht zu erreichen waren. "Das ist sehr wichtig", betont Rebecca Immel. "Diese Schüler haben sonst keine Möglichkeiten."

Zu Hause, das weiß die Lehrerin, bekämen sie keine Unterstützung. Manche Schüler hätten daheim nichts gemacht, andere einen Teil, aber diese Aufgaben nicht wie gefordert abgegeben. Der Stoff, der eigentlich vermittelt werden sollte, werde nun nachgeholt. "Es ist nichts hängengeblieben." Auch die Sprachbarriere stellte eine Hürde dar. "Es ist ganz schwierig, im Homeschooling da etwas beizubringen."

Rebecca Immel ist als Lehrerin glücklich, den Kindern wieder im Klassenzimmer beiseite zu stehen. "Sonst verlieren sie den Anschluss." Die kleine Klassengröße komme einzelnen Schülern entgegen. Sie würden sich hier trauen zu fragen, was in den Aufgaben zu machen sei. In Whatsapp-Gruppen sei das nicht geschehen.

In kleinen Gruppen kann sich niemand drücken

In den kleinen Gruppen macht Timo Stauch, der ebenfalls an der Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule in Heilbronn unterrichtet, einen weiteren Vorteil aus: "Sie können sich nicht drücken." Er kümmert sich ebenfalls um Kinder und Jugendliche, die zu Hause keinen Laptop haben. Ihnen stelle man nun an der Schule einen Rechner zur Verfügung.

Jeder, sagt er, habe schließlich ein Recht auf Bildung. "Da ist es sehr schade, dass wir einige nicht erreicht haben." Lücken seien da. "Es fehlt schon Stoff." Unter Jugendlichen ist die Bereitschaft da, wieder in die Klassen zu kommen. "Die Schüler möchten gern wieder in die Schule."


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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