Diese Regeln gelten 2020 in den beliebtesten Urlaubszielen

Europa/Region  Die beliebtesten innereuropäischen Reiseziele sind wieder offen für den Tourismus. Die Urlaubsorte sind zahlreichen, teils sehr verschiedenen Regeln und Vorschriften unterworfen.

Von Sebastian Kohler und dpa

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Rund 130 Länder umfasst die vom Robert-Koch-Institut geführte Liste der Corona-Risiko-Länder, darunter beliebte Reisziele. Mit dabei: In Deutschland beliebte Urlaubsländer wie die Türkei und Israel, aber auch Nachbarland Luxemburg. Rückkehrende aus diesen Ländern waren bis vergangene Woche verpflichtet, sich zwei Wochen in Quarantäne zu begeben. Wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, der nicht älter als 48 Stunden zum Zeitpunkt der Einreise ist, darf die Zwangsmaßnahme mittlerweile umgehen. In Teststellen an Flughäfen können sich Reisende kostenlos testen lassen.

Ab nächster Woche gelten Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten als verpflichtend. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versichert dass die Pflicht nicht auf Reisende sicherer Länder ausgeweitet wird, schließlich sei das „ein Eingriff in die persönliche Freiheit“, dieser müsse auch „gut gerechtfertigt sein“.

Österreich

2019 kam rund ein Drittel der Touristen aus Deutschland. Obwohl der Virenherd Ischgl im Frühjahr für einen Skandal sorgte, profitiert der Alpenstaat als einfach erreichbares Reiseziel von der Pandemie. Es herrschen weder Quarantäne- noch Testpflicht, auch Buffets sind wieder erlaubt, obwohl die Maskenpflicht nach fünf Wochen Pause wieder landesweit eingeführt wurde. Aktuell sind rund 1500 Corona-Infizierte landesweit gemeldet mit Schwerpunkt in Wien.

„Der Großteil unserer Auslandsbuchungen fällt, mit Eigenanreise, auf Österreich ab“, sagt Simone Wieland vom Reisebüro Wüstenrot Ernst Zügel. Negativ-Schlagzeilen kommen derzeit aus dem Salzburger Land. Am malerischen Wolfgangsee wurde in den vergangenen Tagen ein sprunghafter Anstieg der Infektionszahlen registriert, auch Touristen sind betroffen.

Dänemark

Als eines der ersten Länder hat Dänemark am 14. März den Einreisestopp verhängt. Mitte Juni wurden die Einschränkungen etwas gelockert. Dennoch muss mindestens sechs gebuchte Übernachtungen vorweisen, wer nach Dänemark reisen will. Der Grenzübertritt ist auf vier Übergänge begrenzt, hier werden den Reisenden stichprobenartig Corona-Testungen auf freiwilliger Basis angeboten.

Öffentliche Attraktionen wie Museen, Zoos und Theater haben wieder geöffnet, Nachtclubs und Diskotheken werden voraussichtlich am 8. August nachziehen. Um die Tourismus-Branche anzukurbeln, werden teils inländische Fährfahrten gratis angeboten, der Einlass für kulturelle Veranstaltungen soll um die Hälfte reduziert werden.

Spanien

Das Land auf der iberischen Halbinsel wurde besonders hart von Corona getroffen, da der Tourismus-Sektor eminent wichtig für die Wirtschaft Spaniens ist. Touristen müssen bei der Einreise mit Temperaturmessungen rechnen, ein Gesundheitsformular muss ausgefüllt werden. Trotzdem ist die Anfrage nach Spanienreisen groß. „Vor allem die Inseln sind beliebt, Mallorca zum Beispiel, oder Fuerteventura“, erklärt Simone Wieland. Vorsicht ist dennoch geboten.

Einzelne Infektionsherde schwelen aktuell wieder, so rät das Auswärtige Amt von Reisen in die Regionen Aragón und Navarro sowie Katalonien mit seinen Tourismus-Hotspots Costa Brava und Barcelona ab. Von einer formellen Reisewarnung, die für Touristen automatisch eine kostenlose Stornierung ermöglichen würde, sieht die Behörde allerdings ab. Großbritannien geht deutlich weiter. Eine offizielle Reisewarnung wurde jüngst vom spanischen Festland auf die Inseln erweitert.

Kroatien

Noch liegt die Corona-Quote unter der kritischen Schwelle von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohnern, doch seit Wochen steigen die Zahlen, auch bedingt durch die laxen Sicherheitsvorkehrungen im östlichen Nachbarland Serbien. Unter den Kunden des Reisebüro Gross in Heilbronn gehört das Land an der Adria zu den beliebtesten Zielen 2020. Abstandsregeln und Belegungsobergrenzen gelten an Stränden, auch die Mundschutzpflicht in Geschäften wurde nach einigen Wochen Pause wieder eingeführt.

Flugverbindungen sind rar, auch inländische Zug- und Busverbindungen sind reduziert. Die Rückreise per Auto wird zusätzlich kompliziert, weil Nachbar Slowenien Kroatien von der Liste der sicheren Länder gestrichen hat. Aber: „Wer unbedingt verreisen möchte, nimmt die Risiken bewusst in Kauf“, sagt Fabienne Merz von Gross Reisen.

Griechenland

Ein QR-Code entscheidet, ob Touristen bei der Ankunft getestet und in Quarantäne versetzt werden. Mit 500 Euro Geldstrafe muss rechnen, wer den Code bei der Einreise nicht vorweisen kann. Wird ein Tourist zum Corona-Test ausgewählt, gilt für ihn eine 24-stündige Isolationspflicht. Grundlage hierfür ist ein Gesundheitsbogen, der vor der Einreise ausgefüllt werden muss. Wer einreisen möchte, muss hier angeben, wo er sich in den vergangenen zwei Wochen aufgehalten hat und welche hellenischen Ziele er besuchen möchte. „Griechenland ist momentan sehr gefragt“ bei den Wüstenrotern, erklärt Simone Wieland.

Die zahlreichen Reiseziele auf griechischen Inseln sollen durch eine Aufstockung des medizinischen Personals für den allmählich anlaufenden Tourismus fit gemacht werden. Aufgrund der niedrigen Infektionszahlen gilt die Mundschutzpflicht zwar in öffentlichen Verkehrsmitteln und Museen, nicht aber in Bars und Restaurants, die den Sicherheitsabstand von anderthalb Metern gewährleisten.

Italien

Besonders von der Coronavirus-Pandemie betroffen waren die beliebten Urlaubsziele im Norden, etwa die Lombardei, das Piemont, die Emilia Romagna oder Venetien, sie gelten laut Auswärtigem Amt weiterhin als „regionale Schwerpunkte“. In den verschiedenen Regionen des Landes können je nach Infektionslage sehr verschiedene Hygiene-Vorschriften gelten, so herrscht auf Capri beispielsweise auch unter freiem Himmel Mundschutzpflicht. Per elektronischem Scan wird vor den meisten öffentlichen Gebäuden die Körpertemperatur gemessen, vielerorts gelten nicht nur Mundschutz- sondern auch Einweg-Handschuh-Pflicht.

Wer ein Restaurant besuchen will, sollte vorab reservieren, zur Installation der Tracking-App wird geraten. Eine Besonderheit bei der Einreise mit dem Auto: Gehören die Insassen nicht demselben Haushalt an, gelten auch hier Abstandsregel und Mundschutzpflicht. Da der Beifahrersitz freibleiben muss, dürfen lediglich drei Menschen mit einem gewöhnlichen Fünfsitzer einreisen.

Frankreich

Noch mindestens bis Ende Oktober betreibt Frankreich die Grenzkontrollen zu den EU-Nachbarn, spezielle Auflagen gelten für Deutsche bei der Einreise aber nicht. Voraussetzung für einen Flug in die Übersee-Départements ist ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, sowohl das Auswärtige Amts als auch die französische Regierung raten allerdings davon ab, die Exklaven in der Karibik, der Südsee und vor der afrikanischen Küste zu besuchen.

Reiseunternehmen sowie öffentliche Verkehrsmittel stellen Desinfektionsmittel zur Verfügung und sind für die Durchsetzung der Abstandsregeln verantwortlich. Maskenpflicht gilt für Kinder ab elf Jahren, bei Verstoß drohen empfindliche Strafen. Museen, Vergnügungsparks und Sehenswürdigkeiten haben wieder geöffnet, das Ticketkontingent ist aber vielerorts stark limitiert, um die Einhaltung der Abstandsregeln zu gewährleisten.

Schweiz

Einreisen aus den Schengenstaaten ist möglich, wer aber vorher in einem von inzwischen 42 Risikoländern war, muss erst einmal zehn Tage in die Quarantäne. Deutschland gehört nicht dazu. Neuerdings zählt auch Luxemburg dazu, während Schweden von der Liste gestrichen wurde. Als Risikoländer gelten auch Mexiko, die USA, Russland, Israel oder Serbien. Wer sich vor der Quarantäne drückt, kann mit 10.000 Franken (rund 9300 Euro) bestraft werden.

Restaurants, Bars und Clubs sind wieder geöffnet, aber immer mehr Kantone führen neue Bestimmungen ein: eine Beschränkung auf 100 Gäste etwa, und Besucher müssen Kontaktdaten hinterlassen. Maskenpflicht besteht schweizweit nur in öffentlichen Verkehrsmitteln, darunter Seilbahnen. Über ähnliche Vorschriften in Geschäften wird diskutiert.

Türkei

Für die Türkei als Nicht-EU-Staat gilt die Reisewarnung bis 31. August. Das Land hofft aber, dass diese bald und damit deutlich eher aufgehoben wird. Das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen wird aber als Corona-Risikogebiet eingestuft, die Aufhebung der Reisewarnung ist damit unwahrscheinlich. Menschen, die aus einem Risikogebiet in Deutschland einreisen, müssen mit einer 14-tägigen Quarantäne rechnen. Allerdings können Urlauber aus der Türkei davon befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Nach der Einreise aus Deutschland gibt es keine Quarantänepflicht. Am Flughafen wird die Temperatur gemessen. Bei Symptomen kann ein Corona-Test durchgeführt werden. An den Stränden gilt Sicherheitsabstand, am Pool gibt es nur abgepackte Handtücher, in Flughäfen und Hotels werden Wärmebildkameras eingesetzt.


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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