Detlef Piepenburg verabschiedet sich von der kommunalen Familie

Bad Rappenau  Nach 16 Jahren als Heilbronner Landrat geht Detlef Piepenburg in den Ruhestand. Zum Abschied kamen Vertreter aus Politik und Wirtschaft im Kurhaus in Bad Rappenau zusammen.

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Die Kreisräte überreichten zum Abschied neben Spenden für die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" und den DRK-Kreisverband Heilbronn ein Radtrikot an Landrat Detlef Piepenburg und dessen Frau Anke.

Fotos: Ralf Seidel

Es sei "ja schon ein Staatsempfang" stellte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha fest. Im Kurhaus in Bad Rappenau machten am Freitagabend zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft dem scheidenden Landrat Detlef Piepenburg ihre Aufwartung. Der Kreisfeuerwehrverband stand zum Empfang Spalier.

Es war der Höhepunkt einer Reihe von Abschiedsveranstaltungen. Nach 24 Jahren als Landrat, zuerst im Neckar-Odenwald-Kreis und seit 2005 im Landkreis Heilbronn, reiht sich Piepenburg "wieder in die Bürgerschaft ein", wie er erklärte.

Sein Entschluss, aus persönlichen Gründen nicht wieder zu kandidieren, hatte Kreisräte und andere Weggefährten überrascht. Er schlage ein neues Kapitel auf, sagte der 65-Jährige. Seinem Nachfolger Norbert Heuser übergebe er ein gut aufgestelltes Landratsamt.

Landkreis im landesweiten Vergleich ganz vorn

Das bescheinigten dem dienstältesten Landrat des Landes auch die zahlreichen Redner des Abends. Der Landkreis Heilbronn mit seinen rund 340 000 Einwohnern stehe im landesweiten Vergleich "immer ganz vorn", betonte Innenminister Thomas Strobl. "Weit unterdurchschnittlich" sei hingegen die Kriminalität. "Es ist kein Zufall, wenn alle ihren Landrat loben", stellte Regierungspräsident Wolfgang Reimer fest.

370 Millionen Euro wurden in den vergangenen 16 Jahren investiert, rechnete Nico Morast, stellvertretender Vorsitzender des Kreisrats, vor. Meilensteine in der Amtszeit des Landrats seien der Ausbau der Stadtbahn Nord und die Umstrukturierung der SLK-Kliniken gewesen. Gleichzeitig gab es unzählige Projekte im Straßenbau, den Mobilitätspakt und Bauvorhaben. Dabei galt es, schwierige Situationen wie die Finanzkrise 2009, die Flüchtlingswelle 2015 und zuletzt die Corona-Pandemie zu meistern. "Aber untergegangen sind wir gemeinsam nie", so Morast, der den passionierten Taucher "einen guten Tauchbuddy" nannte - einen im Sport unverzichtbarer Partner, zuverlässig und "Teil eines Teams". Piepenburg sei ein begnadeter Netzwerker und ein großer Stratege.

Wiedersehen auf der Gartenschau

Die Zusammenarbeit sei stets davon geprägt gewesen, dass man gemeinsam etwas erreichen wolle, lobte auch Klaus Holaschke, Kreissverbandsvorsitzender des Gemeindetags. Piepenburg habe gefördert und gefordert. Vor allem habe er Versprechen gehalten, beispielsweise mit der Senkung der Kreisumlage. Und da man sich in der Familie immer wieder sehe - auch in der kommunalen - brachte derEppinger Oberbürgermeisetr gleich drei Einladungen mit, unter anderem zur Eröffnung der Gartenschau in Eppingen im nächsten Jahr.

Detlef Piepenburg verabschiedet sich von der kommunalen Familie

Das Quartett Mundartmonika sorgte für den musikalischen Rahmen.

Der Landrat a.D., wie sich Piepenburg nun laut Reimer nennen darf, habe sich auch im Ehrenamt stark engagiert, so Strobl. 2015 wurde der Bad Rappenauer zum Vorstandsvorsitzenden der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft gewählt. Von seinen Kontakten als "bundesweit anerkannter Gesundheitsexperte" habe der Landkreis profitiert, sagte Nico Morast. Aber Piepenburg hatte auch stets das Ganze im Blick: Landesminister Lucha erklärte, die Modernisierung des Gesundheitswesens wäre ohne Piepenburgs Elan nicht möglich gewesen. Er habe aktiv mitgestaltet, "ohne die Augen vor der Realität zu verschließen".

Lucha nannte den Landrat auch deshalb anerkennend "die oberste Krankenschwester des Landes", weil er nie abstrakt über die Sachen gesprochen habe, sondern die Zustände im Krankenhaus immer genau gekannt habe. Der Minister nutzte den großen Bahnhof im Kurhaus, um für die Corona-Impfung zu werden.

Mehr Zeit mit der Familie

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Ein symbolischer Notgroschen für den neuen Landrat Norbert Heuser (rechts).

Piepenburg selbst hatte ebenfalls noch einige Botschaften parat - unter anderen bat er den Sozialminister, bei der Investitionsförderung der Krankenhäuser "noch eine Schippe draufzulegen". Der Landrat machte seinen Erfolg auch zu dem seiner 1600 Mitarbeiter und wünschte sowohl dem Kreisrat als auch dem künftigen Landrat Heuser ein glückliches Händchen. Für ihn beginne ein neuer Lebensabschnitt, so Piepenburg. Und das schönste Geschenk zum Abschied sei, dass er nun mehr Zeit mit seiner Frau Anke verbringen könne. "Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen."

 

Tanja Ochs

Tanja Ochs

Stellvertretende Chefredakteurin

Tanja Ochs arbeitet seit 2000 bei der Heilbronner Stimme, war lange Lokalredakteurin und verantwortlich für den Bereich Bildung. Sie ist Regionalchefin und stellvertretende Chefredakteurin sowie Vorsitzende der Sozialaktion „Menschen in Not“.

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