Der Trend zu Ärztezentren hält an

Region  Die Einzelpraxis auf dem Land stirbt aus, vielerorts schließen sich medizinische Anbieter zusammen. Der Trend ist auch in der Region zu beobachten.

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Schon seit einigen Jahren sind Zentrenbildungen ein Trend in der Medizin - das gilt für den klinischen sowie für den niedergelassenen Bereich. In der Region gibt es zahlreiche Beispiele dafür. Die SLK-Kliniken haben ihre kleinen Krankenhäuser in Möckmühl und Brackenheim stillgelegt und bündeln medizinische Behandlungen an den beiden großen Kliniken in Heilbronn und Bad Friedrichshall und der Lungenfachklinik Löwenstein.

Möckmühl, Erlenbach, Neckarsulm: Es gibt viele Beispiele in der Region

An Stelle der beiden kleinen Kliniken sind Gesundheitszentren getreten, unter deren Dach verschiedene medizinische Fachrichtungen angesiedelt sind, teilweise handelt es sich dabei um Ausgliederungen der früheren Krankenhäuser. In Möckmühl hat sich unter anderem eine Orthopädische Praxis niedergelassen, in der auch der vormalige Krankenhaus-Chefarzt Burkard Schropp praktiziert. In Brackenheim ist die Geriatrische Reha aus dem Krankenhaus erhalten geblieben, daneben sind weitere Fachrichtungen in das neue Gesundheitszentrum eingezogen, so ein Unfall- und OP-Zentrum.

Auch unabhängig von Krankenhaus-Strukturen werden an vielen Stellen in der Region Ärztezentren oder Ärztehäuser umgesetzt. In Neckarsulm gibt es seit 2015 das Ärztehaus am Bahnhof, unter anderem mit Orthopädie, Zahnmedizin und Augenheilkunde. Es soll demnächst erweitert werden. Ein entsprechender Bauantrag liege vor, teilt die Stadt Neckarsulm mit. Auch in Flein, Erlenbach, Leingarten oder Heilbronn sind Einheiten entstanden, die verschiedene medizinische oder therapeutische Fachrichtungen oder auch Apotheken und Niederlassungen von Krankenkassen unter einem Dach vereinen.

Synergien durch größere, gemeinsame Einheiten

"Auf dem Land ist es schwierig geworden, Praxisnachfolger zu finden. Einzelpraxen sind vom Aufwand her nicht mehr tragbar, das sehen wir schon lange", sagt Jürgen Mayer. Seine Sulzfelder Firma projektiert in ganz Deutschland Ärztehäuser und richtet sie ein, nun auch den Gesundheitscampus in Eppingen. Er soll laut den Plänen von Jürgen Mayer spätestens Ende 2022 eröffnet werden.

Bei solchen großen, modernen Gesundheitszentren würden die Chancen maximiert, die Praxis weiterzugeben, wenn der Inhaber in Ruhestand gehe, davon ist Mayer überzeugt. Technische Funktionen, Raumnutzung und Abläufe könnten wesentlich effizienter organisiert werden als in einer Einzelpraxis alten Typs. So seien zum Beispiel in manchen Fällen Funktionen wie Röntgen gemeinschaftlich nutzbar. "Diese neuen Praxen haben meistens auch keine Personalprobleme", sagt Mayer.

Privatmedizin und Design sind zwei weitere Trends für die Zukunft

Für die Zukunft sieht er zwei neue Trends in der Medizin: Design und Privatmedizin. Beides bekomme einen immer größeren Stellenwert. Vor allem Facharzt-Richtungen wie Zahnheilkunde, Dermatologie oder Orthopädie wollten sich "nach außen entsprechend darstellen". Medizin werde in manchen Bereichen zum Lifestyle-Thema. Gekoppelt sei das häufig mit dem Wunsch von Ärzten, sich "von dem hohen Dokumentationsaufwand" der Kassenmedizin freizumachen. "Der privatmedizinische Sektor wird stärker. Ärzte haben da andere Verhandlungsmöglichkeiten und mehr finanzielle Sicherheit."


Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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