Der Landkreis Heilbronn setzt auf Reparieren statt Wegwerfen

Region  Beim Abfallwirtschaftsamt des Landratsamts gibt es im Internet eine Plattform, auf der Anbieter ihre Reparaturdienste einstellen können.

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Anstatt kaputte Geräte in den Müll zu werfen, sollten sie lieber repariert werden. Das Abfallwirtschaftsamt im Landratsamt Heilbronn hat deshalb eine Reparaturbörse eingerichtet.

Foto: Johannes Arlt/Repair Café Sasel

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Was sich der Bund im Kreislaufwirtschaftsgesetz längst zu eigen gemacht hat, hat sich das Landratsamt Heilbronn ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Seit vergangenem Oktober hat das Abfallwirtschaftsamt auf der Homepage des Landratsamts eine Börse für Reparaturen ins Leben gerufen. "Es soll zum Nachdenken anregen, dass man nicht einfach alles wegwirft", sagt Beate Fischer, Leiterin des Abfallwirtschaftsamts. Und es soll Kontakte herstellen.

Gegenstände landen schnell im Müll

Ein defektes Handy, ein kaputtes Fahrrad oder ein beschädigtes Möbelstück: "Viel zu schnell landen Gegenstände im Müll", findet Beate Fischer. Bis zu 12.500 Tonnen Sperrmüll sammeln sich jährlich im Landkreis Heilbronn. Dabei könnten viele Geräte gut und gerne noch weiterverwendet werden, findet die Leiterin des Abfallwirtschaftsamts.

Weil aber nicht jeder weiß, wie man eine Sache repariert, und auch nicht jeder das richtige Werkzeug dafür im Keller hat, gehen laut Beate Fischer viele Bürger zu schnell den einfachsten Weg - nämlich den zum nächsten Einkaufsmarkt.

Um diesem Trend entgegenzuwirken hat der Abfallwirtschaftsbetrieb jetzt sein Online-Angebot um einen kostenlosen Reparatur- und Verleihführer erweitert. Auf dieser Plattform können sich Anbieter von Reparaturdienstleistungen im Landkreis Heilbronn oder Verleiher von Werkzeugen, die nicht täglich gebraucht werden, eintragen und einen Reparatur- oder Verleihservice anbieten. Das gilt sowohl für Gewerbetreibende als auch für Ehrenamtliche.

Online-Börsen der Behörde:
Der Reparatur- und Verleihführer des Abfallwirtschaftsbetriebs ist im Internet unter www.landkreis-heilbronn.de erreichbar.

Spaß am Reparieren

Im Reparatur- und Verleihführer des Abfallwirtschaftsamts gibt es eine Reihe verschiedener Rubriken wie unter anderem Computer, Haushaltsgeräte, Bekleidung, Gartengeräte, Geschirr oder Werkzeug. Fachbetriebe, Reparaturinitiativen oder Verleiher können kostenfrei ihre Anzeige aufgeben. So sehen die Menschen im Landkreis auf einen Blick den passenden Anbieter für ihr Anliegen.

Darüber hinaus unterstützt der Abfallwirtschaftsbetrieb jeden, der Interesse daran hat, eine Reparaturinitiative zu gründen oder sich mit seinem Fachwissen an einem Reparatur-Café zu beteiligen. "Hier könnten sich alle treffen, die Spaß am Reparieren haben - egal ob Jung oder Alt", sagt Beate Fischer.

Landkreis fördert Initiativen

Initiativen, die nicht kommerziell arbeiten, gemeinnützig sind und einen geeigneten Raum stellen, werden vom Landkreis mit bis zu 1000 Euro jährlich gefördert. Voraussetzung sei allerdings, dass die Initiative einmal im Quartal eine Reparaturveranstaltung anbietet. "Es geht dabei auch um das Gemeinschaftserlebnis", sagt Beate Fischer. Kommunikation könne Bewusstsein verändern. "Wir müssen die Wegwerfmentalität wegbekommen", so die Chefin des Abfallwirtschaftsamts.

Noch erfreut sich der Reparatur- und Verleihführer des Heilbronner Landratsamts keiner allzu großen Resonanz. 50 Einträge wären schon ein schönes Zwischenergebnis. Denn für Beate Fischer liegen die Vorteile klar auf der Hand: Reparieren schont nicht nur den Geldbeutel, indem teure Neuanschaffungen vermieden werden, sondern auch Ressourcen und damit die Umwelt.

Jemand hat ein Klavier verschenkt

Einen ganz ähnlichen Zweck verfolgt die Tauschbörse, die das Landratsamt bereits seit 2008 anbietet. Hier können sich Anbieter eintragen, die etwas tauschen oder verschenken möchten. "Hier gibt es viele Angebote", sagt Beate Fischer. Zuletzt hat auf dieser Plattform sogar jemand ein Klavier verschenkt.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb im Landratsamt Heilbronn ist für die Erfassung, die Verwertung und die Beseitigung von Abfällen im Landkreis zuständig. Unter der Überschrift "Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht" räumt die Behörde in ihrem Positionspapier der Abfallvermeidung oberste Priorität ein. Demnach gliedert sich die sogenannte Abfallhierarchie in fünf Stufen. An oberster Stelle steht die Abfallvermeidung. Es folgen die Vorbereitung zur Wiederverwertung, Recycling, sonstige Verwertung und ganz am Ende die Beseitigung von Abfällen. Der Landkreis folgt damit den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Landeskreislaufwirtschaftsgesetz Baden-Württemberg.

 

 


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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