Der Handel in der Region steht vor unsicheren Zeiten

Region  Das Kundentreiben am sonnigen Samstag in Heilbronn ist ordentlich. Weniger los dagegen ist in Öhringen. Auch wenn der Einzelhandel vom Teil-Lockdown ab kommender Woche nicht betroffen ist, befürchten Ladenbetreiber Einbußen.

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Shoppen mit Abstand: Für Innenstadthändler in Heilbronn fiel der sonnige Samstag bei der Kundenfrequenz nicht aus dem Rahmen. Foto: Mario Berger

Während Gastrobetriebe schließen müssen, bleiben Ladengeschäfte auf. "Wir werden trotzdem häufig gefragt, ob man bei uns kommende Woche noch einkaufen kann", erzählt Johannes Janßen von verunsicherten Kunden. Der Filialleiter der Osiander-Buchhandlung in Heilbronn berichtet von reger Nachfrage. "Die Wertschätzung für das Buch ist gestiegen." Wer wie angeraten viel zu Hause bleibe, nutze die Zeit zum Schmökern. Der Betrieb in der Fußgängerzone, wo auch im Freien eine Maskenpflicht gilt, ist nach Janßens Einschätzung eher schwächer als an vergangenen Ferien-Samstagen.

Entwicklung für Händler schwer abschätzbar

Thomas Gauss, Betreiber eines Sportgeschäfts und Vorsitzender der Stadtinitiative Heilbronn, erlebt einen Samstag, der nicht aus dem Rahmen fiel: "Die Frequenz ist gut." Das gute Wetter dürfte seinen Anteil daran haben. Was ab kommender Woche passiert, sei "überhaupt nicht einschätzbar", so Gauss.

Stand jetzt geht er davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft bei einem Großteil des Sortiments nicht beeinträchtigt wird. Ausrüstung fürs Skifahren werde vielleicht weniger gefragt, wenn die Leute nicht in die Berge fahren können.

Schadet der Gastro-Lockdown auch Händlern?

Der Handel geöffnet, die Restaurants und Kneipen zu: Für Oliver Spiess gibt es durchaus Wechselwirkungen. "Wenn die Gastronomie geschlossen hat, wirkt sich das generell auf die Frequenz aus", erwartet der Eppinger Modehändler.

Seine Erkenntnisse aus der Corona-Zeit: Der Samstag sei als Einkaufstag etwas schwächer, der Freitag dafür stärker geworden. Und: Standorte in Großstädten und Einkaufszentren schwächelten, während kleinere Städte wie Eppingen eher mehr Kunden sähen.

In Öhringen ist wenig los 

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Auf dem Wochenmarkt und in den Geschäften ist am Samstagvormittag trotz der schönen Herbstsonne nur wenig los.

Foto: Yvonne Tscherwitschke

Auch in Hohenlohe lacht die Sonne an diesem letzten Oktobersamstag. Doch das treibt die Menschen nicht in die Öhringer Innenstadt. Liegt es am Ferienende, dass die Menschen lieber wandern, statt in der Stadt einkaufen zu gehen? Liegt es an der Sonne, dass die Hohenloher lieber noch einmal in den Garten gehen, statt den Kühlschrank zu füllen?

Oder liegt es schlicht und ergreifend an Corona, dass die Menschen Ansteckungsquellen meiden? Man weiß es nicht. Und genau das wird von den wenigen, die unterwegs sind, diskutiert. Kaum ein Grüppchen, das nicht über den bevorstehenden Lockdown light und die Konsequenzen für Wirtschaft, Kultur und Psyche redet. Besonders im Einzelhandel herrscht Verunsicherung. Ob trotz der Beschränkungen Kunden kommen? "Viele wissen gar nicht, dass wir offen haben", sagt Susanne Simon vom eben umgezogenen Naturhaus Fellhäuschen. Das geht nicht nur ihr so.

Renate Rau-Maier, die gerade in ihrer Buchhandlung Ware ins Regal stellt, sagt: "Mindestens zehn Kunden haben heute schon gefragt, ob wir Montag aufhaben". Schon die letzten Tage, sagt die Buchhändlerin, habe man gemerkt, dass weniger Menschen in der Stadt seien. "Vor allem die älteren Kunden fürchten sich vor Ansteckung. Wir hatten jetzt auch schon einige, die ihre Sachen für Weihnachten kauften und sagten, sie wissen nicht, wann sie wieder einkaufen gehen."

Es wird vermutlich ein eher ruhiger November werden für die Öhringer Einzelhändler. Sonst trägt der verkaufsoffene Sonntag zum Martini-Markt zu guten Umsätzen bei. Einen verkaufsoffenen Sonntag mit Menschenmassen in der Stadt kann es in diesem Jahr nicht geben, das ist schon geraume Zeit klar. "Am Martini-Shopping nächsten Freitag bis 20 und Samstag bis 16 Uhr wollen wir aber beibehalten, auch um die Kundenströme zu entzerren", erklärt Renate Rau-Maier. Das unterstreicht Ulrike Eheim von Intersport Gross. Sie ist froh, dass die Läden aufbleiben, zumal die Menschen jetzt, verstärkt Laufschuhe, Wanderschuhe und warme Softshelljacken kaufen, um die freie Zeit in der Natur zu verbringen.

Lohnt es sich zu öffnen?

Nicht wenige Händler aber überlegen aber auch laut, ob es rentabel ist, offen zu halten. Es werden nicht viele Kunden kommen, fürchten sie, nicht einmal 75 Prozent Umsatz zu erwirtschaften. Das ist die Marge, die jene bekommen, die schließen müssen. Andere sorgen sich beispielsweise um ihre Mitarbeiter, die für wenig Umsatz an vorderster Front stehen.

"Wir müssen positiv bleiben", sagt Diana Rossmann vom gleichnamigen Modegeschäft entschieden. "Auch im Home-Office muss man gut aussehen", sagt sie schmunzelnd. Sie ist froh um die Martini-Aktion. "Die ziehen wir jetzt durch". Auch die Benefiz-Aktion mit hygienisch verpackten Berlinern für die Kunden am 11.11. soll bleiben.

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Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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